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Bienenweiden bei Schwerin : Bienenfutter hilft auch Singvögeln

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Johannes Meißer legte am Hundorfer Tannenhof Gras- und Blühflächen für Insekten an – Besichtigungen sind jederzeit möglich

von
erstellt am 19.Jun.2017 | 23:59 Uhr

Die Weihnachtsbaumplantage bei Hundorf ist gewachsen. Nicht um Reihen mit Nadelbäumen für die gute Stube, sondern um eine zwei Hektar große Gras- und Blühfläche für Insekten. Über das Projekt Bienen-Blüten-Reich kamen Blumeninseln und ein kleiner Lehrpfad hinzu. Sechs Mischungen für Bienenweiden wurden im Frühjahr ausgesät. Noch sind die Blüten von Ringelblume, Weißklee, Phacelia, Ackersenf zwar klein und zaghaft. Doch die ersten entfalten ihre Pracht. „Das passt“, sagt Johannes Meißer von gleichnamigen Tannenhof nebenan. „Der Raps hat ausgeblüht, da finden die Bienen hier Futter.“ Die unterschiedlichen Mischungen mit ein- und mehrjährigen Pflanze n sollen bis zum ersten Frost Blühflächen bilden, Insekten so durchgängig Nahrung bieten.

Zudem hat ein Imker aus Seehof Johannes Meißer sieben Bienenvölker vorbeigebracht. Die Kästen stehen eingezäunt am Rande des Areals. Sobald sich die Sonne zeigt, sind die Arbeiterinnen unterwegs. Doch nicht nur die Honigsammlerinnen sollen auf der Fläche neben dem Tannenhof Nahrung und Lebensraum finden. Hummeln und Libellen schwirren ebenfalls umher. Hinzu kommen weitere Kleinstlebewesen, aber auch Singvögel, Mäuse und Greifvögel. „In diesem Jahr habe ich auch einen Schwarzspecht in der Plantage entdeckt“, freut sich Meißer.

Der Hundorfer betreibt seit 1992 am Ende des Holunderweges eine Weihnachtsbaumplantage. Doch er will keine Christbäume als Monokultur produzieren, sondern natur- und waldnah wirtschaften. Mit den Jahren stellte Meißer aber fest, dass sich etwas verändert, dass etwas nicht stimmen kann. Greif- und Singvögel verschwanden nach und nach. Zur Erntezeit vor dem Weihnachtsfest 2011 waren kaum noch Nester in den Christbäumen zu entdecken, erzählt der Hundorfer. Meißer forschte nach, wollte mit blühenden Pflanzen in der Plantage Insekten mehr Raum bieten und so den natürlichen Kreislauf wieder in Schwung bringen. Doch das Aussäen von Weißklee und Phacelia in abgeernteten Schneisen reichte nicht aus. Danach hatte Meißer die Idee, den Landwirt zu bitten, auf Pestizide auf dem Schlag vor dem Tannenhof zu verzichten, auch der gehört Familie Meißer. Doch der Landwirtschaftsbetrieb sah keine Möglichkeit, diese Fläche aus der Bewirtschaftung rauszunehmen. „Deshalb habe ich den Pachtvertrag auslaufen lassen“, erzählt der heute 67-Jährige. 2014 wurde Gras angesät. Daraus wird aber kein Heu. Der Wuchs wird gemulcht und bleibt liegen, damit sich der Boden erholen kann. Drumherum wurde aus Totholz und Tannengrün eine Benjeshecke angelegt. Holunder und Ebereschen sprießen, Eichen, Weiden und andere Gehölze pflanzte Meißer. Insekten und Vögel kehrten schnell zurück. Dem Hundorfer fehlten aber noch Wiesenblumen zwischen den Gräsern. Im vorigen Jahr entdeckte Meißer schließlich die bundesweite Initiative Bienen-Blüten-Reich. „Dort bin ich offene Türen eingelaufen“, so der Hundorfer. Bei der Auswahl der Saat-Mischungen für unsrer Breitengrade bekam er Hilfe. Die sechs Bienenweiden sind zwischen 400 und 1000 Quadratmeter groß. Ein freigemähter Pfand verknüpft diese. Informationstafeln geben Auskunft. Denn das Areal darf betreten werden. „Ich hoffe, hier holen sich vielen Menschen Anregungen“, fügt Meißer an. Er meint damit nicht nur seine Nachbarn, sondern auch Kommunalpolitiker und Landwirte. „Ein Blühstreifen neben einem Acker muss nicht nur aus Sonnenblumen bestehen“, betont der Hundorfer.

Wer die Gras- und Blühflächen nicht allein erkunden möchte, kann an einer Führung teilnehmen. Zur Premiere am Wochenende kamen vor allem Hundorfer und Seehofer. Die nächste gibt es am 8. Juli. „Dann stehen sicher alle sechs Bienenweiden in Blüte“, hofft Meißer.

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