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Zeitung für die Landeshauptstadt

24. August 2017 | 10:36 Uhr

Schweriner Wasserwege : Der lange Weg zum Außensee

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Direkt neben dem Paulsdamm verläuft Schwerins längste künstliche Wasserstraße

Wasser – das ist das bestimmende Element überall in der Stadt. Seen machen Schwerin zu einem beliebten Wassersportrevier. Geschätzt 8000 Boote auf den Gewässern legen dafür Zeugnis ab. Das Besondere aber: Viele der großen Seen sind miteinander verbunden und über die Stör könnte man auf dem Wasserweg sogar bis Berlin gelangen. SVZ stellt in dieser Woche die Flüsse und Kanäle in Schwerin vor und beleuchtet dabei auch ihre Geschichte und ihre jetzige Bedeutung. Heute: der Lange Graben.

Anfang des 19. Jahrhunderts war es ein langer und beschwerlicher Weg von der Residenzstadt Schwerin in den Osten Mecklenburgs. Durch das Berliner Tor ging es mit Fuhrwerken und Kutschen zur Südspitze „der Großen See“ über die Stör und dann am Ostufer entlang in Richtung Sternberg, Güstrow oder Rostock.

Großherzog Paul Friedrich ordnete deshalb an, dass ein Damm zu bauen sei. Vom Werderholz kommend sollte er über kleine Inseln nach Rampe führen. Mit der Bauleitung wurden die Baumeister Wier und Jatzow beauftragt. Die Bauern mussten Hand- und Spanndienste leisten. Um das zur Befestigung des moorigen Untergrundes nötige Baumaterial heranzuschaffen, wurde als erstes der Lange Graben angelegt. Er verbindet den Ziegelsee mit dem Schweriner See. 1842 war der Damm fertig und heißt noch heute nach dem Großherzog Paulsdamm.

Mit der Fertigstellung der Straße von Schelfwerder nach Rampe verlor der Lange Graben aber nicht seine Bedeutung. Wurde auf ihm doch weiterhin Baumaterial transportiert – jetzt aber Ziegel, die an den Seen vor Ort gebrannt wurden, und auch Kalk.

Direkt am Paulsdamm – etwa auf der Hälfte der langen Geraden – gab es bis 1926 eine Kalkbrennerei. Die Anlage wurde 1908/09 errichtet und verarbeitete so genannten Wiesenkalk, der dicht unter der Oberfläche gleich neben der Brennerei und gegenüber im Wickendorfer Moor abgebaut werden konnte. Davon zeugen noch heute kleinere Wasserflächen zwischen dem Schweriner See und dem Paulsdamm. Vom „Kalkwerk Paulsdamm“ steht heute nur noch das Wohnhaus. Die Öfen und der Schornstein wurden erst 1937 abgerissen.

Der Lange Graben ist mit 1700 Metern die längste künstliche Wasserstraße in Schwerin. Auch wenn er Bundeswasserstraße ist und die Ufer jedes Jahr vom Wasser- und Schifffahrtsamt frei geschnitten werden, hat er doch keine Bedeutung mehr für den Transport von Gütern. Heute wird er von Freizeitkapitänen genutzt und an seinen Ufern hoffen Angler und Fischreiher auf reiche Beute.


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erstellt am 19.Jun.2017 | 21:00 Uhr

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