Schwerin : Fahnder spüren Kita-Einbrecher auf

Nur noch ein leerer Umschlag: aus der Kita in Pampow erbeutete der Einbrecher unter anderem 400 Euro für eine Abschlussfahrt. nun ist er in Hamburg festgenommen worden.
Nur noch ein leerer Umschlag: aus der Kita in Pampow erbeutete der Einbrecher unter anderem 400 Euro für eine Abschlussfahrt. nun ist er in Hamburg festgenommen worden.

23-jähriger Schweriner in Hamburg verhaftet. Erfolgreiche Kripo-Recherche im Netz

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20. Juli 2018, 20:45 Uhr

Personen, an deren Türen sie klingeln, verstecken sich gerne mal in Bettkästen oder Verschlägen, steigen auch in einen Kühlschrank und halten kurz die Luft an, wenn es sein muss – nur um nicht entdeckt zu werden. Jan Wilske  und Thomas Bleckwehl sind Fahnder beim Schweriner Kriminalkommissariat. Ihre Aufgabe: Haftbefehle vollstrecken. Ihr jüngster Coup: In Hamburg spürten sie in dieser Woche den 23-jährigen Schweriner auf, der  in mehrere Kindergärten in der Landeshauptstadt eingebrochen sein soll (SVZ berichtete).

Durch Recherchen in sozialen Netzwerken kamen Wilske und Bleckwehl dem 23-Jährigen auf die Schliche, der nach dem Erlassen des Haftbefehls abgetaucht war. Sechs Taten werden dem Schweriner vorgeworfen. „Es könnten aber auch mehr sein“, sagt Bleckwehl. Die Ermittlungen seien noch nicht abgeschlossen. In einer Hamburger Berufsbildungsstätte stöberten die Fahnder den mutmaßlichen Einbrecher auf. Die Kollegen aus der Hansestadt leisteten Amtshilfe, nahmen den 23-Jährigen fest. Er soll sich unter anderem als Reinigungskraft ausgegeben haben, um sich Zutritt zu den Kindertagesstätten zu verschaffen. „Der junge Mann sitzt jetzt in Hamburg in Untersuchungshaft“, berichtet Wilske.

Bleckwehl und Wilske sind Profis. Rund 1200 Haftbefehle bearbeiten die beiden Kriminalisten im Jahr. In 60 Prozent der Fälle gehe es um eine so genannte Erzwingungshaft, erklärt Bleckwehl. Ein Gericht ordne diese Form der Haft an, wenn das Bußgeld für eine Ordnungswidrigkeit nicht bezahlt werde. Notorische Falschparker und Schnellfahrer gehören so zu den „Kunden“ der Fahnder.

Von Schwarzfahren und Ladendiebstahl bis zu schweren Verbrechen reicht die Palette der Delikte, für die Haftbefehle und Ersatzfreiheitsstrafen erlassen werden, die Bleckwehl und Wilske an den Mann oder die Frau bringen müssen, unterstützt von Kripo-Kollegen und den Beamten des Reviers.

Bei ihren Hausbesuchen sind die Fahnder naturgemäß nicht gerade willkommen, sie erleben Aggression und Widerstand, Beschuldigte, die das Weite suchen, vor ihrer Strafe zu fliehen versuchen, Menschen, die alkoholisiert sind oder unter dem Einfluss von Drogen stehen. Man brauche ein sicheres Auftreten, sagt Wilske. Und ein Gespür für die Situation.

Auf die Erfahrung der beiden Fahnder setzt die Schweriner Kripo auch in bestimmten Vermissten-Fällen. So waren Bleckwehl und Wilske zum Beispiel beteiligt an der Suche nach einem 71 Jahre alten Kajak-Fahrer, der Ende vorigen Jahres von einer Tour auf dem Schweriner See nicht wieder zurückkehrte. „Eine Vermissten-Suche bindet bei der Polizei enorme Kräfte“, betont Bleckwehl.

Manchmal ist es der Zufall, der Wilske und Bleckwehl auf die Sprünge hilft. Auch im Fall des 23-jährigen mutmaßlichen Kita-Einbrechers war es ein kleines Detail, das die Fahnder auf die Spur zu dem jungen Mann führte.

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