Schwerin : Schwerin, die Kasernenstadt

Die Infanteriekaserne in der Werderstraße: Anfang 1924 war das Gebäude noch reich gegliedert und hatte zur Straße hin einen repräsentativen Zaun. Heute hat in dem weitgehend schmucklos sanierten haus der betrieb für Bau und Liegenschaften seinen Sitz. Repro: Stadtarchiv
Die Infanteriekaserne in der Werderstraße: Anfang 1924 war das Gebäude noch reich gegliedert und hatte zur Straße hin einen repräsentativen Zaun. Heute hat in dem weitgehend schmucklos sanierten haus der betrieb für Bau und Liegenschaften seinen Sitz.

Militärbauten bestimmten einst das Stadtbild – heute sind viele abgerissen oder werden zivil genutzt

23-59452351_23-66108080_1416392514.JPG von
24. Mai 2018, 12:00 Uhr

Ein immer wieder gern zitierter Architektenspruch lautet: Jede Generation hat das Recht, ihre Stadt weiterzubauen. Und so ist auch in Schwerin Altes verschwunden und Neues entstanden. Manches stößt auf Ablehnung, wird aber nach Jahren der Gewöhnung akzeptiert, anderes wird gleich mit Begeisterung aufgenommen. Wir wollen hier an die Veränderungen erinnern. Heute: Kasernen in der Stadt.

Das Militär spielte im Alltag der Schweriner bis 1989 eine wesentliche Rolle. Schon der Großherzog zeigte sich gern in Uniform. Der Alte Garten war Exerzierplatz. Und Kasernen gab es praktisch überall in der Stadt. Am augenfälligsten war – und ist – die Artilleriekaserne in der Johannes-Stelling-Straße. Die Bürger benannten deshalb sogar den Ostorfer Berg in Artillerieberg um.

In der Alten Artilleriekaserne ist jetzt das Finanzamt untergebracht. Auf dem Hof existiert noch die Reithalle. Südöstlich steht noch heute die neue Artilleriekaserne. Hier sind ebenfalls Landesbehörden untergebracht. Dazwischen das einstige Offiziers-Casino. Das wird gerade zur Firmenzentrale von Hydraulik Nord umgebaut. Der gesamte Komplex wurde zu DDR-Zeiten von der Sowjet-Armee genutzt. Nach deren Abzug mussten etliche Gebäude abgerissen werden. Es entstand ein großer Parkplatz.

Ebenfalls noch vorhanden ist das Lazarett am Lobedanzgang. Nach 1945 ebenfalls von „den Russen“ genutzt, ist es heute Wohnhaus.

Die ehemalige Infanteriekaserne in der Werderstraße ist immer noch das, als was der Gebäudekomplex erbaut wurde. Hier ist ein Standort für die Bundeswehr. Zur Zeit der DDR war dort die NVA stationiert.

Heute kaum als Kasernen zu erkennen, sind Gebäude in der Friedensstraße und in der Feldstadt. Das Haus in der Friedensstraße wird aktuell zum Hort umgebaut. In der Feldstadt sind Wohnungen eingerichtet.

Doch es gibt in der Stadt auch Kasernen, die sind gänzlich verschwunden. In der Güstrower Straße waren die Gebäude nach dem Abzug der Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland nicht mehr zu anderen Zwecken zu gebrauchen – sie wurden komplett abgerissen. Eine Tankstelle, Supermärkte, ein Schulcampus und Wohnhäuser prägen jetzt das Bild des Areals in Hafennähe.

An der Ludwigsluster Chaussee sind die Armeeunterkünfte ebenfalls abgerissen worden. Das Quartier heißt jetzt neue Gartenstadt und ist mit Wohnhäusern bebaut. Letztes Relikt aus Zeiten der Sowjetarmee ist ein Wohnblock, der einst für Offiziersfamilien errichtet wurde. Das Gebäude ist inzwischen schmuck saniert.

Die Kasernen an der Ludwigsluster Chaussee standen ursprünglich unter Denkmalschutz, waren aber nicht zu retten. Als Reminiszenz blieb nur eine Zufahrt zum neuen Wohngebiet mit zwei Fahrbahnen und einem Mittelstreifen. So wie früher. Aber das merkt sicher kaum einer.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen