Mecklenburgisches Staatstheater : Theater-Maulkorb wird Politikum

Theaterball am vergangenen Sonnabend in Schwerin: Der Intendant wünschte keine „eigenmächtigen politischen Äußerungen“ seiner Ensemble-Mitglieder.
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Theaterball am vergangenen Sonnabend in Schwerin: Der Intendant wünschte keine „eigenmächtigen politischen Äußerungen“ seiner Ensemble-Mitglieder.

Linke: Oberbürgermeister Rico Badenschier soll in Stadtvertretung Stellung zur Dienstanweisung am Staatstheater beziehen

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23. Januar 2018, 20:55 Uhr

Ein Theaterintendant in schwerem Fahrwasser: Das Verbot von politischen Äußerungen durch Schauspieler auf der Bühne während des Theaterballs wird zum Thema in der Stadtvertretung. Die Linksfraktion will zur nächsten Sitzung Oberbürgermeister Rico Badenschier (SPD) in einem Dringlichkeitsantrag auffordern, zu der Anweisung des Generalintendanten des Mecklenburgischen Staatstheaters, Lars Tietje, Stellung zu beziehen. Man erwarte klare Aussagen, wie sich die Landeshauptstadt als Mitgesellschafterin dazu positioniert, so Linksfraktionschef Henning Foerster.

Tietje hatte am Tag vor dem Theaterball am letzten Sonnabend in einem Aushang den Akteuren auf der Bühne „eigenmächtige politische Äußerungen“ untersagt und mit arbeitsrechtlichen Schritten gedroht (wir berichteten am Sonnabend).

Seither zieht das Thema Kreise. Die „Aktion Kulturschutz“ spricht von einem Maulkorb und vermutet den Druck eines Großsponsors dahinter, der durch Schauspieler in die Kritik geriet. Henning Foerster von der Linksfraktion: „Die Untersagung politischer Meinungsäußerungen ist vollkommen inakzeptabel. Dies erinnert an längst überwunden geglaubte Zeiten.“ Künstlerische Ausdrucksformen seien vom Grundgesetz besonders geschützt, so Foerster.

Auch Kultusministerin Birgit Hesse (SPD) will sich des Themas annehmen. Ihr Büro hat den Generalintendanten zu einem Gespräch gebeten.

 

Generalintendant Tietje wies heute weit von sich, zu dem Schreiben animiert worden zu sein. „Es hat niemand extern Einfluss genommen“, sagte er unserer Redaktion. Es habe aber in der Vergangenheit eigenmächtige Diffamierungen von Partnern des Theaters durch einzelne Theatermitarbeiter gegeben. Denen habe er vorbeugen wollen. Tietje: „Künstler haben ein Interpretationsrecht, aber kein Autorenrecht.“ Klartext: Schauspieler haben sich an den Text zu halten. Dessen ungeachtet habe jeder Mitarbeiter ein Recht, seine Meinung zu äußern. Er mache keinem Regisseur, Dirigenten oder Darsteller Vorschriften für dessen Werk.

Im Wortlaut: Stellungnahme Lars Tietje  

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