20 Orte der friedlichen Revolution

Als die friedlichen Revolutionäre am 4. Dezember die Stasizentrale in Parchim besetzten, retteten Dirk Grünig (r.) und Wolfgang von Rechenberg Akten aus dem Ofen im Keller.
Als die friedlichen Revolutionäre am 4. Dezember die Stasizentrale in Parchim besetzten, retteten Dirk Grünig (r.) und Wolfgang von Rechenberg Akten aus dem Ofen im Keller.

Buchpräsentation von „Spurensuche“ am Eldenburg-Gymnasium Lübz mit Bildungsministerin Bettina Martin

Avatar_prignitzer von
06. Dezember 2019, 09:37 Uhr

Im Herbst und in der Weihnachtszeit vor 30 Jahren besetzten mutige Frauen und Männer in Parchim, Rostock, Wolgast, Neubrandenburg die Objekte und Dienststellen des Ministeriums für Staatssicherheit. Diese Aktionen reihten sich ein in viele gewaltfreie Protestinitiativen, die sich seit September 1989 in der DDR entwickelt hatten und in kurzer Zeit das politische System zum Einsturz brachten. Der Aufbruch zu Freiheit und Demokratie fand in Mecklenburg-Vorpommern in kleinen und großen Orten statt und in ganz unterschiedlichen Formen.

Die Lübzer Autorin Sandra Pingel-Schliemann und der Berliner Fotograf Hendrik Lietmann von der renommierten Agentur Ostkreuz haben sich monatelang auf Spurensuche in eben diesen Orten der friedlichen Revolution gemacht. Was sie dabei zu Tage förderten, sind zum Teil überraschende und unerwartete Einblicke.

Die beeindruckenden Bilder Hendrik Lietmanns zeigen Orte, deren Bezug zur Friedlichen Revolution sich erst erschließt, wenn die dazugehörigen Geschichten erzählt werden. Aus Bildern und Geschichten ist nun ein Buch entstanden mit dem Titel „Spurensuche“. Am 10. Dezember um 18.30 Uhr stellen Autorin und Fotograf das Buch im Lübzer Eldenburg-Gymnasium erstmals der Öffentlichkeit vor. Bildungs- und Kulturministerin Bettina Martin (SPD) hat ihr Kommen zugesagt, ebenso Herausgeber Jochen Schmidt, der Direktor der Landeszentrale für politische Bildung.

Sandra Pingel-Schliemann und Hendrik Lietmann wollen zunächst ihr Buch vorstellen. Anschließend wollen sie mit allen Anwesenden, mit Zeitzeugen, Schülern, Eltern und interessierten Gästen ins Gespräch kommen. Darüber, wie die Menschen den Umbruch erlebt haben, was sie für die nachfolgenden Generationen erkämpften und welche Schlussfolgerungen aus dem Einigungsprozess heute noch gezogen werden können. „Ich werde drei Texte lesen“, kündigte die Autorin an. In einem werde es um den Atomraketen-Bunker in Crivitz gehen, in einem anderen um die Besetzung der Stasi-Zentrale in Parchim am 4. Dezember 1989. Damals war eine kleine Gruppe aus friedlichen Revolutionären um Wolfgang von Rechenberg und Mitgliedern der „Interessengemeinschaft Umgestaltung“ zur Parchimer Stasi-Zentrale gezogen – nachdem das Zentralkomitee und das Politbüro der SED am Vortag endgültig zurückgetreten waren. „Weil uns sofort klar war, dass die Stasi-Akten damit herrenlos waren“, hatte Wolfgang von Rechenberg der Redaktion bei einem ersten Gespräch zu den Ereignissen der Wendezeit bereits im September erzählt.

Die Stasi-Leute seien zunächst sehr merkwürdig gewesen und hatten nur eine Handvoll Leute eingelassen, darunter Dirk Grünig. „Irgendwann habe ich Angst bekommen. Nicht um mich, aber um die anderen, die Familie hatten und viel mehr zu verlieren“, hatte der bei der Gedenkveranstaltung zum 30. Jahr des Mauerfalls am 9. November im Parchimer Solitär erzählt. Doch nach bangen Stunden der Ungewissheit ging alles gut aus.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen