Wooster Teerofen : Aus der Schreibwerkstatt

Im Dialog mit Christophorus: Kunstfreund André Brief legt ein neues Manuskript vor.
Im Dialog mit Christophorus: Kunstfreund André Brief legt ein neues Manuskript vor.

André Brie arbeitet an einem neuen Buch / Ein Besuch in seinem Domizil inmitten des Naturparks

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23. Dezember 2019, 05:00 Uhr

André Brie aus Wooster Teerofen hat ein neues Manuskript über Kunst und Künstlerfreunde verfasst, das eng an ein Projekt im vergangenen Jahr anschließt: Im Juli 2018 richtete das Kulturhaus Mestlin eine hinreißende Ausstellung der Kunstsammlung des Politologen und Politikers, Friedensforschers, marxistischen Sozialisten und Kunstfreundes André Brie aus. Etliche der Werke wurden ihm geschenkt, andere hat er erworben, manches auch in Auftrag gegeben, wie die Büste von Marx mit Einstein-Zunge oder die Skulptur seiner dritten Tochter Saira, beides geschaffen vom Bildhauer Thomas Jastram.

Im Wooster Teerofener Wohnhaus grenzt sich der Fokus des Besuchers auf diesen an vielen Frontlinien wachen Geist allerdings ein. Hier erscheint Brie fast ausschließlich als Kunstfreund. Neben 10 000 Büchern, aufgereiht in vielen Regalmetern rundum im Wohnbereich, blieb immer noch genug weiße Wand für die Kunst übrig und werden die Buchrücken fast unsichtbar angesichts all der Gemälde, Drucke, Statuen.

Wer Brie kennt, weiß: Die Kunst in seinen vier Wänden lässt sich auch lesen als eine Art Biographie seiner Begegnungen mit Künstlern, die ihm meist „über den Weg gelaufen sind“, wie er im Vorwort seines neuen Buchs schreibt. Bries neuerliches Schreiben wurde vom Fotografen Christian Lehsten aus Rothen initiiert. Dieser bedauerte, dass es zur Mestliner Ausstellung keinen Katalog gegeben habe. Bald darauf, schreibt Brie, sei er „Feuer und Flamme“ gewesen. Statt eines Ausstellungskatalogs allerdings plante er nun einen autobiographischen Bericht, in dem er erzählt, wann, wo und wie er in seinem bewegten Leben die Menschen kennen lernte, die er seine Künstlerfreunde nennt, und welche Bilder oder auch Statuen aus diesen Begegnungen heraus in seinen Besitz übergingen. Der Titel des Buchs wird dem der Mestliner Ausstellung in etwa entsprechen: „Wir brauchen Kunst – Kunst braucht uns“. Bries Hoffnung ist, dass er über den Weg des lebensnahen Erzählens anderen Menschen auch die Kunst näher bringen kann. Wie schwer das ist, weiß er.

Der heute 86-jährige Rudolf Grüttner, bis 1991 Rektor der Kunsthochschule Weißensee und Spezialist für Gebrauchskunst, wird Abbildungen der Kunstwerke Bries in das Buch integrieren. „Er hat eine Kunstsoftware“, sagt Brie und schmunzelt, „die ist wahnsinnig kompliziert.“

Das Manuskript beschäftigt sich über die bildende Kunst hinaus mit Begegnungen und Werken aus den Bereichen Musik, Literatur, Theater, Kunsthandwerk. Das „Who is who“ der Künstlerfreunde Bries nennt DDR-Größen wie den Zeichner Arno Mohr, die Illustratorin Cleo Petra Kurze oder die Malerin Heidrun Hegewald, erste Ehefrau Bries. Im Musikerkapitel finden sich Namen wie Barbara Thalheim und Gerhard Gundermann. Unter den Literaten spielten Volker Braun und Christoph Hein, später Ingo Schulze eine besondere Rolle im Leben des Autors. Aber es liefen ihm auch „Westler“ über den Lebensweg wie Rio Reiser, Peter Brandt oder Uwe Karsten Heye. Auch er, der ehemalige Sprecher von Gerhard Schröder, ist für Brie ein Literat.

Der Bildhauer und Freund Thomas Jastram, Jahrgang 1959, nimmt in den Erinnerungen eine besondere Stellung ein. Der Neffe des Bildhauers Jo Jastram schrieb das Grußwort zum neuen Buch. Hier findet er für Bries Tätigsein in der Welt den Vergleich mit dem Riesen Christophorus. Tatsächlich besitzt Brie auch eine Statue des Heiligen, geschaffen von Thomas Jastram. Sie ist vielleicht das Kunstwerk unter allen, das sein Besitzer am meisten liebt.


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