Mecklenburgische Brauerei Lübz : Das Hornsche Reinheitsgebot

Staffelstab- oder besser: Bierübergabe zwischen Wilfried Horn (l.) und seinem Nachfolger Bastian Pochstein
Staffelstab- oder besser: Bierübergabe zwischen Wilfried Horn (l.) und seinem Nachfolger Bastian Pochstein

15 Jahre stand Wilfried Horn an der Spitze der Mecklenburgischen Brauerei Lübz. Jetzt ist Schluss.

Avatar_prignitzer von
28. Juni 2018, 20:45 Uhr

Mit dem deutschen Reinheitsgebot von 1516 hat Wilfried Horn sein Geld gemacht. Hopfen, Malz, Gerste, Wasser. Vier Zutaten, ein Lübzer Bier, über die Felder Mecklenburgs hinweg bekannt. Vielleicht ist es die Wehmut des Abschiedes, nach 15 Jahren als Chef der Brauerei in Lübz. Vielleicht auch eine Bitte an seinen Nachfolger, Bastian Pochstein. All die Jahre, erzählt er jetzt, hinter ihm röhren die Maschinen und füllen das Bier in die Flaschen; all die Jahre gab es noch ein zweites Reinheitsgebot, das er befolgte. Sein ganz persönliches.

Als erstes sind da die Mitarbeiter. Auch an diesem Tag, bei einem seiner letzten Gänge durch die Brauerei, schüttelt er jedem Mitarbeiter die Hand. Mensch, Willy, rufen sie. Für einen Moment stoppen sie die Arbeit. „Man muss das Potential der Mitarbeiter freisetzen“, sagt er. „Alle hier tragen Lübz im Herzen.“

Nummer zwei: Die Nähe zu den Konsumenten. Noch kurz vor der Pressekonferenz zu seinem Abschied rief ihn der Bürgermeister aus Ludwigslust an, ein kleines Geschäft, eine kleine Gefälligkeit. Die Marke Lübzer, sagt er, ist hier verankert, steht wie keine zweite für das Land Mecklenburg-Vorpommern. Ohne Kontakte zu Politik, Kultur oder Sport funktioniere es nicht.

Die dritte Zutat: Immer ein moderner Arbeitgeber zu sein. In den nächsten Jahren werde es darauf ankommen, einen Generationswechsel zu vollziehen. Horn lächelt. Mit 66 Jahren, insgesamt fast drei Jahrzehnten im Betrieb, lebt er es vor. Gegen den Willen des Mutterkonzerns Carlsberg wollte er diesen Abschied, diesen Wechsel.

Bleibt noch Zutat Nummer vier. Er sagt: „Man kriegt hier nichts geschenkt.“ Jeden Tag unterwegs zu sein, bis in die Nacht, auf jeder Veranstaltung anzustoßen und zu lächeln, das müsse man wollen.

Komisch ist das schon, sagt er, dass jetzt alles zu Ende geht. Sein Blick schweift durch die Produktionshalle. Gerade etikettieren sie Flaschen. Lübzer Grapefruit. Jeder Tag hat Spaß gemacht, sagt er. Er erzählt von morgendlichen Verkostungen mit den Kollegen, die Augen verbunden. Man habe doch wissen müssen, was die Konkurrenz treibt. Dass er zu Hause in der Regel Lübzer trinkt, aber auswärts, im Urlaub zum Beispiel, sich gerne durch die Karte probiert. Weniger wegen des Genusses. Eher aus Neugier. Jeder Schluck Bier auch immer Arbeit.

Auf die Frage, was noch käme, antwortet Horn: So etwas wie Ruhe kennt er nicht, auch nicht jetzt, wo etwas zu Ende geht. Irgendwas werde er machen. Sei aber noch geheim.

Seinen Nachfolger, Bastian Pochstein, nennt er Basti. Und er ihn Willy. Zurückhaltend ist er an diesem Vormittag. Spricht viel über Zahlen und die Zukunft. 1,3 Millionen Hektoliter, die pro Jahr produziert würden. Dass sich die Lübzer Marke seriös entwickeln wolle, ein bisschen jünger werden, das sei ein Ziel für die nächsten Jahre. Am entspanntesten sieht er noch am Ende der kleinen Abschiedsfeier aus. Zusammen mit Wilfried Horn sitzt er in einem Strandkorb, in der Hand ein Glas Lübzer Pils, und stößt mit ihm an.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen