Von Benthen nach Goldberg : Mit 27 km/h zur Schule getuckert

<p>Eine etwas andere Alternative: Oliver Preuß aus Benthen fuhr mit einem Deutz zur Schule nach Goldberg.</p>
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Eine etwas andere Alternative: Oliver Preuß aus Benthen fuhr mit einem Deutz zur Schule nach Goldberg.

Schlechte Busanbindung: Der 16-jährige Oliver Preuß aus Benthen fuhr in dieser Woche mit dem Trecker zur Schule

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12. Januar 2018, 21:00 Uhr

Ohrenbetäubender Lärm herrscht, als Oliver Preuß sein „Gefährt“ aus der Garage holt. Mit knatterndem Motor tuckert der 16-Jährige über den Hof seiner Eltern in Benthen. Um 6.20 Uhr startet der Schüler in Richtung Regionale Schule „Walter Husemann“ in Goldberg. Mit dem Deutz D50s aus den 1960er Jahren tritt er noch in der Dunkelheit den Weg zur Schule an. Gut 15 Kilometer entfernt.  Der 16-Jährige besucht seit Kurzem die Regionale Schule  in der Mildenitzstadt. Doch warum der Aufwand, mit dem Trecker zur Schule zu fahren? Die Idee dazu ist aus der Not heraus geboren. „Die Busverbindung von hier ist wirklich schlecht“, erklärt Vater Helmut Preuß. Oliver würde zu spät zum Unterricht kommen, wenn er den Bus aus Benthen nehmen würde.

Am Mittwoch dieser Woche konnte weder seine Frau noch er selbst den Sohn zum Bus beziehungsweise zur Schule bringen. „Wir waren beruflich verhindert. Wegen der schlechten Busverbindungen müssen wir unseren Sohn häufiger fahren“, erklärt Helmut Preuß, der in Benthen eine Bautischlerei betreibt.  „Wenn Olli morgens den Bus von Benthen nach Passow nehmen würde, verpasst er den Anschlussbus, der ihn nach Goldberg zur Schule bringt“, verdeutlicht Helmut Preuß die Situation. Deshalb nimmt ihn seine Ehefrau Birgit mit nach Passow. „Dort steigt Olli sonst in den Bus nach Goldberg.“ Doch dieses Mal klappte dies nicht. Den Rufbus zu nehmen, werde auf Dauer zu teuer. Deshalb kam Sohnemann auf die naheliegendste Idee – er nimmt einfach den Trecker. Vor kurzem hat er seinen Führerschein in der Klasse L gemacht, mit dem er berechtigt ist, bereits mit 16 Jahren Trecker zu fahren. „Ich habe 40 Minuten von hier zur Schule gebraucht“, erzählt Oliver.

 Seine Kumpels staunten am Mittwoch nicht schlecht, als er mit dem 2,155 Tonnen schweren Traktor vorfuhr – erschwerende Parkplatzsuche inklusive. Viele seiner Mitschüler wollten es ihm nicht glauben, dass er mit Trecker zur Schule gefahren sei. Doch Oliver konnte sie vom Gegenteil überzeugen. „Ich habe hinterm Schulhof geparkt“, erzählt der 16-jährige Schüler weiter.  Nicht nur Mitschüler, sondern auch Lehrer waren überrascht, als Oliver Preuß am Mittwoch mit seinem 27 km/h schnellen Gefährt von Benthen nach Goldberg getuckert kam. „Meine Englischlehrerin Frau Rogmann hat gesagt, dass sie so etwas in all den Jahren nicht erlebt hat“, erzählt Oliver. Das müsse in die Schulchronik, lautete das Fazit der Lehrerin.

Der alte Deutz ist einer von insgesamt vier Traktoren, die sein Vater Helmut Preuß besitzt. „Das ist ein kleines Hobby von mir.“  Immer wieder schraube er an den alten Traktoren rum, tausche sich mit anderen „Sammlern“ und Tüftlern in ganz Deutschland aus.

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