Spendenaktion Wünschewagen : „Nur noch einmal nach Binz“

Intensivpfleger Jens Handke am Bett der schwer kranken Conny Prosinc, die gerne noch einmal in ihrem Leben ins Ostseebad Binz möchte. Aus eigener Kraft kann sie es nicht.
Intensivpfleger Jens Handke am Bett der schwer kranken Conny Prosinc, die gerne noch einmal in ihrem Leben ins Ostseebad Binz möchte. Aus eigener Kraft kann sie es nicht.

Die schwer kranke Conny Prosinc (48) aus Schwerin würde gern noch einmal die Ostseeluft spüren und erleben.

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16. Dezember 2019, 05:00 Uhr

Auf einer Autofahrt im Sommer 2018 änderte sich für Conny Prosinc das Leben auf einen Schlag. Für immer. Sie erlitt während der Fahrt einen Herzinfarkt und hatte noch Glück, dass ein Notarzt schnell zur Stelle war. Doch die 14 Minuten dauernde Reanimation hinterließ bleibende Spuren und schwerste Schäden. Seitdem ist für die 48-Jährige nichts mehr, wie es war.

Sie ist zwar am Leben, doch für den Rest ihres Lebens ans Bett gefesselt, es gibt viele Komplikationen, ihr Körper baut immer mehr ab. Doch der Geist der Mutter zweier Kinder ist weiterhin hellwach, auch wenn sie weiß, dass sie aus eigener Kraft nicht mehr herauskommen wird aus ihrer Pflegesituation. Umso wichtiger sind die wenigen Wünsche, die sie und ihr Lebensgefährte Jan Kepper noch haben.

Früher dort Urlaub gemacht

Jens Handke ist Intensiv- und Palliativpfleger der in Schwerin ansässigen Firma Luna. Ihre Mitarbeiter kümmern sich auch aufopfernd um Conny. „Ich weiß von ihr, dass sie mit ihren Lieben nur einmal noch nach Binz möchte. Dort hat sie früher Urlaub gemacht, mit dem Ort und dem Strand verbindet sie sehr viel. Aus eigener Kraft kann sie so einen Ausflug nicht organisieren. Sie müsste während der Reise liegen und dann mit einem Pflegerollstuhl an den Strand gebracht werden, das ist nur etwas für Spezialkräfte.“

Handke weiß, wovon er redet, auch persönlich hat er schon viele Menschen auf ihrem letzten Weg begleitet. Vom Wünschewagen und dessen Möglichkeiten haben Handke und seine 40 Mitarbeiter schon gehört. „Wir haben ihn aber noch nicht genutzt. Vielleicht ergibt sich jetzt zusammen mit der Schweriner Volkszeitung ja die Gelegenheit, Conny und ihren Partner nebst den Kindern diese kleine Freude zu bereiten“, hofft Handke. Es sei schon sehr berührend, zu erleben, wie tapfer die beiden mit Connys Schicksal umgehen. „Ihr Lebensgefährte besucht sie wirklich jeden Tag, obwohl sie merklich schwächer wird und von Tag zu Tag weniger machen kann.“

Aufgenommen werden nur Schwerstkranke

Die Sehnsucht, einmal noch ans Wasser zu kommen, ist für schwer kranke Menschen nicht ungewöhnlich. „Ich mache diese Pflege schon seit 15 Jahren, und Wünsche dieser Art habe ich immer wieder erlebt“, weiß der 48-Jährige, der in Zwölf Apostel nahe Wittenburg wohnt. Sein Unternehmen betreibt in Stern Buchholz Wohngemeinschaften für insgesamt 12 Patienten. Dazu kommt auch noch die häusliche Pflege. Aufgenommen werden nur Schwerstkranke, z. B. mit Schädel-Hirn-Traumata, der Muskelkrankheit ALS, Menschen, die künstlich beatmet werden müssen. Bei diesen Patienten geht es immer um die Balance zwischen dem medizinisch Möglichen und der Pflege.

„Die Patienten, die wir rund um die Uhr betreuen, sind alle vom Tode bedroht. Und obwohl alle das wissen, freuen wir uns gemeinsam über jeden kleinen Fortschritt, über jede Prognose, die wir geschlagen haben. Wenn jemand selbstständig essen kann, obwohl das eigentlich nicht mehr gehen sollte, dann ist das ein Erfolg. Schon Kleinigkeiten sind auch und gerade für die Menschen und ihre Angehörigen enorm wichtig“, weiß der 48-Jährige, der unter anderem auch noch als Supervisor im Paar- und Konfliktbereich arbeitet. Geld spielt eine große Rolle bei der Pflege schwerstkranker Menschen. Die Plätze, die es für die Intensivpflege und Palliativmedizin gibt, reichen hinten und vorne nicht.

Er macht die Arbeit aus Überzeugung

„Wir könnten dreimal soviele Menschen aufnehmen“, weiß Handke und berichtet von schwierigen Verhandlungen mit den Kassen, die ja die Kosten übernehmen müssten. Oft tun sie das nicht und so landen Menschen, die eigentlich intensiver Pflege bedürfen, in Pflegeheimen., Dort ist das Personal mit den anstehenden Aufgaben heillos überfordert . Vor allem für junge Menschen unter 65, die von diesem Thema betroffen sind, fehlen Unterbringungsmöglichkeiten. „Man findet einfach kein Gebäude, die Auflagen sind irrsinnig hoch“, weiß Handke. Er hatte über Jahre versucht, in Hagenow eine Palliativstation aufzubauen, scheiterte jedoch an bürokratischen Hürden. Aufgeben will er nicht, er habe schon ein neues Projekt in der Zarrentiner Region in Vorbereitung.

Handke, der sein Geld auch leichter verdienen könnte, macht die Arbeit aus Überzeugung. „Wenn man einmal erlebt hat, wieviel Dankbarkeit ganz kleine Fortschritte bei einem Schwerstkranken auslösen, dann bleibt man einfach dabei. Man kann gar nicht anders.“

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