Spendenaktion Wünschewagen : Noch einmal in die Heimat ans Meer

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Claudia Offenborn ist schwer an Krebs erkrankt. Der Wünschewagen bringt sie zurück in ihr kleines Dorf an der Ostseeküste.

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07. Dezember 2019, 05:00 Uhr

Die untergehende Sonne bahnt sich noch einmal ihren Weg durch die grauen Wolken und taucht die Küstenlandschaft in ein magisches Licht. Ein Leuchtturm, ein paar Dutzend Häuser, viel Natur. Die Stille an diesem Fleckchen Erde wird nur vom Plätschern der Wellen durchbrochen. Dass der Wind die Kälte durch die Jacken bläst, macht Claudia Offenborn nichts aus. Sie kennt es nicht anders. Und sie liebt es. Falshöft bei Pommerby, das ist für sie Heimat. 22 Jahre lang war dieser kleine Ort an der Ostseeküste Schleswig-Holsteins nahe Dänemark ihr Zuhause.

Jetzt ist die schwerkranke Frau mit dem Wünschewagen des ASB von Bad Doberan aus zurückgekehrt. Als die 57-Jährige vor dem Strandweg aus dem Transporter steigt, wird sie von ihren Gefühlen überwältigt. Doch die Tränen weichen schnell einem Lächeln. Dieser Landstrich, der ihrem Leben Beständigkeit verliehen hat, schafft es auch diesmal wieder, sie zu erden. „Es fühlt sich gut an, wieder hier zu sein“, sagt sie und atmet tief ein.

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Volker Bohlmann
 

Noch in diesem Sommer hat sie hier täglich auf ihrer Lieblingsbank am Strand gesessen und aufs Meer geschaut. Doch dann kam die Hiobsbotschaft: Brustkrebs, der bereits gestreut hat. Eine Krankheit, die sie  2011 schon einmal besiegt hatte und von der sie als geheilt galt. „Das hat mich kalt erwischt“, erzählt Claudia Offenborn.

Nach der Trennung von ihrem Mann wohnte sie zunächst bei einer Freundin. Doch dann verschlechterte sich ihr Zustand so schnell, dass sie ins Krankenhaus musste. Von dort zog sie direkt zu ihrer Schwester nach Bad Doberan, die sich seither gemeinsam mit dem Palliativdienst um sie kümmert. Auch ihre beiden Kinder besuchen sie regelmäßig.

Sehnsucht nach dem kleinen Dorf am Meer

Der Palliativdienst ist es schließlich auch, der den Wünschewagen ins Gespräch bringt. Denn Claudia Offenborn verspürt große Sehnsucht danach, noch einmal in ihre Heimat zurückzukehren. In das kleine Dorf, das der schnelllebigen Welt mit Gelassenheit trotzt. Dorthin, wo sie nach etlichen Umzügen in ihrem Leben in der Abgeschiedenheit zur Ruhe gekommen ist.

Frühere Stationen der gebürtigen Greifswalderin waren unter anderem Rügen, Bad Doberan und Kühlungsborn. Nach der Wende zog sie dann zunächst nach Bad Bramstedt nahe Hamburg, wo sie eine Stelle in ihrem Beruf als Krankenschwester fand. Dann machte die Familie 1997 Urlaub in Falshöft – und wollte nicht mehr weg. „Ich habe gemerkt, wie sehr ich das Meer vermisse“, erzählt sie auf der Fahrt nach Schleswig-Holstein. „Dabei bin ich Nichtschwimmerin“, fügt sie trocken hinzu.

Dass sie jetzt von ihrer Liege im Wünschewagen auf die vertraute Landschaft blicken kann, sei einfach unglaublich, findet Claudia Offenborn.

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Volker Bohlmann

„Ich hätte nicht gedacht, dass so etwas möglich ist.“ In Bad Doberan habe sie ein Arzt so perfekt mit Medikamenten eingestellt, dass sie sich trotz ihrer Schmerzen derzeit verhältnismäßig gut fühle. „Ich gebe heute alles“, meint sie entschlossen.

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Volker Bohlmann
 

Das machen auch Nicole Steinicke und Doreen Eichhorn. Die beiden Ehrenamtlerinnen sorgen dafür, dass der ihnen anvertraute Fahrgast die Reise so gut es geht genießen kann. Nicole Steinicke ist freiberufliche Palliativschwester im Landkreis Rostock. Wenn sie im Wünschewagen mitfährt, fällt ihr Verdienst aus. Aber das spielt für sie keine Rolle. „Das Dankeschön der Menschen ist so viel mehr wert“, begründet die 36-Jährige ihren Einsatz.

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Volker Bohlmann
 

Sich ehrenamtlich zu engagieren, ist auch für Doreen Eichhorn eine Selbstverständlichkeit. Die 38-Jährige von der Insel Riems hat lange Zeit im Rettungsdienst gearbeitet und ist inzwischen als  Medizinproduktberaterin im Außendienst tätig. Für die Wünschewagenfahrt nach Schleswig-Holstein nutzt sie ihren Urlaub.

Dankbarkeit für ein kurzes Gefühl der Freiheit

„Ich bin so dankbar, dass es dieses Projekt gibt“, sagt Claudia Offenborn. „Durch die Krankheit fühlt man sich 24 Stunden eingeengt, doch der Wünschewagen gibt einem wieder ein Gefühl von Freiheit.“

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Volker Bohlmann
 

Auch ihre Schwester Anne Kreiter ist froh über den sicheren Transport mit den medizinisch versierten Begleiterinnen. Das sei wirklich eine tolle Sache, findet die 60-Jährige. Sie selbst ist an diesem Tag mit dem Auto und dem Hund von Claudia Offenborn hinterhergereist. Die beiden Frauen möchten eine Woche gemeinsam in Falshöft verbringen. Bei der Rückfahrt wird das Team des Wünschewagens wieder zur Stelle sein.

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Volker Bohlmann

„Wer weiß, vielleicht lässt es mein Zustand ja zu, dass ich noch einmal länger zurück in mein Haus kann“, sagt Claudia Offenborn. Den kleinen Urlaub möchte sie nutzen, um vorzufühlen, was möglich ist. „Ich lasse das jetzt mal auf mich zukommen.“ Wie auch immer sie sich entscheidet: Der Wünschewagen steht bereit.

>> Hier finden Sie weitere Informationen zum Wünschewagen

Wünschewagen: So können Sie helfen

Auf dem Spendenkonto für den Wünschewagen in MV sind bereits 23.968 Euro eingegangen. In der Prignitz wurden bislang 3.650 Euro gespendet. Dafür schon einmal einen herzlichen Dank an unsere Leser! Werden auch Sie ein Wunscherfüller:

ASB-Landesverband MV e.V.
Bank für Sozialwirtschaft
IBAN: DE82 1002 0500 0001 4951 00
BIC: BFSWDE33BER
Stichwort „Weihnachtsaktion Wünschewagen“

ASB-LV Brandenburg e.V.
IBAN: DE49 100 20 50 0000 3545 401
Stichwort „Weihnachtsaktion Wünschewagen“

Wunschanmeldungen:
www.wuenschewagen-mv.de
www.asb-lv-bbg.de/wuenschewagen

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