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Liebe, Flirt und Partnerschaft

25. Juni 2017 | 08:55 Uhr

Sexsucht : Wenn die Lust zur Krankheit wird

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Sexsucht ist kein harmloses Phänomen. Betroffene sollten sich Hilfe suchen – und die Ursache für ihr Verhalten ergründen.

Alles dreht sich zunehmend nur um eins: Sex, Sex und noch mal Sex. Das Verlangen danach nimmt derart überhand, dass jede Gelegenheit genutzt wird: ausschweifende sexuelle Fantasien, die von der Arbeit abhalten, Telefonsex, der ins Geld geht oder ständig wechselnde Sexualpartner. Aber trotz allem fühlt sich der Betroffene immer weniger befriedigt. Er fühlt sich schlecht, innerlich leer – und leidet. Womöglich ist er sexsüchtig.

Einig sind sich die Fachleute darin, ab wann sexuelles Verlangen krankhaft wird. „Das ist der Fall, wenn das eigene Verhalten zum Zwang wird und einen Leidensdruck auslöst“, erläutert der Psychologe Jannis Engel. Er ist im Arbeitsbereich für Klinische Psychologie und Sexualmedizin der Medizinischen Hochschule Hannover tätig. Der Leidensdruck kann sich neben innerer Leere auch in Scham und Selbstverachtung äußern. „Die Abhängigkeit zeigt sich darin, dass jemand längerfristig die Kontrolle über sein sexuelles Verhalten verliert und trotz negativer Konsequenzen nicht davon lassen kann“, sagt Frauke Petras, Sexualberaterin bei Pro Familia in Berlin. Der Betroffene vernachlässigt Beruf, Partnerschaft, Familie und Freunde. „Es drohen Vereinsamung und Verwahrlosung“, erklärt Engel.

Wie viele Menschen in Deutschland unter Sexsucht leiden, ist nicht bekannt. Schätzungen gehen von Hunderttausenden aus. Vermutet wird, dass es eher Männer als Frauen trifft. Für Betroffene hat sexuelle Betätigung die gleiche Funktion wie für Alkoholiker das Trinken von Alkohol. Negativen Gefühlen wie etwa innere Leere, Halt- und Perspektivlosigkeit oder auch Langeweile wird sexuelle Erregung als positives Gefühl entgegengesetzt.

Auf diese Weise werden im Körper Stoffwechselveränderungen ausgelöst, die kurzzeitig eine Stimmungsaufhellung bewirken und negative Gefühle überlagern. Von Dauer ist das indes nicht. Aber nicht nur das. Irgendwann wird das intensive Lustgefühl, das man anfangs beim „Problemlösen mit Sex“ erlebt hat, nicht mehr erreicht. Daher werden die sexuellen Aktivitäten fortwährend wiederholt und teils auch gesteigert. Das intensive Lustgefühl bleibt indes aus. Das führt zu Frust und Dosissteigerung. Wird auf Sex verzichtet, dann kommt es zu regelrechten Entzugserscheinungen mit Nervosität, Depressivität und Aggressivität.

„Professionelle Hilfe suchen sich Betroffene oft erst dann, wenn der Leidensdruck nicht mehr auszuhalten ist. Hinweise, wo es Unterstützung gibt, geben Experten in Beratungsstellen wie etwa Pro Familia. „Eine Standard-Therapie gibt es nicht“, sagt Engel.

Die Behandlung eines Sexsüchtigen ist immer vom Einzelfall abhängt. Bei einer Therapie muss ausgelotet werden, welches konkretes Problem mit dem exzessiven sexuellen Verhalten überlagert werden soll. Vielleicht fühlt sich der Betroffene benachteiligt oder nicht wertgeschätzt, vielleicht ist er arbeitslos und depressiv. Eine Psychotherapie kann dann helfen, dem Betroffenen eine neue Lebensperspektive aufzuzeigen.

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erstellt am 16.Jun.2017 | 21:00 Uhr

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