Impfstoffmangel : Bereits über 2000 Grippe-Fälle in Deutschland

Das Robert Koch-Institut rät über 60-Jährigen, chronisch Kranken, Schwangeren und medizinischem Personal, sich noch gegen Grippe impfen zu lassen.
Das Robert Koch-Institut rät über 60-Jährigen, chronisch Kranken, Schwangeren und medizinischem Personal, sich noch gegen Grippe impfen zu lassen.

Auch der Import von Grippe-Impfstoffen konnte die Engpässe nicht überall beheben. Dennoch gibt es in vielen Regionen noch Impfstoff für diejenigen, die sich jetzt noch schützen möchten.

prignitzer.de von
10. Januar 2019, 10:44 Uhr

Rund 2400 Grippe-Fälle sind in Deutschland seitOktober bereits gemeldet worden, darunter auch sechs Todesfälle.Allein in der ersten Januarwoche seien es 489 Fälle gewesen, sagteSilke Buda vom Robert Koch-Institut.

Die vergangeneGrippe-Saison sei stürmischer losgegangen. Die Dunkelziffer liegestets viel höher, weil nicht alle Grippekranken untersucht würden.Nur laborbestätigte Fälle müssen an die Gesundheitsämter gemeldetwerden.

Wer sich noch impfen sollte

Die Komponenten des diesjährigen Impfstoffs passten gut zu denbislang entdeckten Viren des Typs A. «Wer noch nicht geimpft ist undzu den Risikogruppen gehört, sollte das jetzt tun », sagte Buda. Dazuzählten über 60-Jährige, chronisch Kranke, Schwangere undmedizinisches Personal. Es dauert allerdings bis zu zwei Wochen, bisein Impfschutz aufgebaut ist. Und es ist nicht sicher, dass jederArzt noch Impfstoff bekommt.

Wegen des Impfstoffmangels in dieser Saison hat Deutschland mehrereTausend Dosen Grippe-Impfstoffe von EU-Ländern importiert. Dennochgibt es mancherorts noch Engpässe bei der Versorgung. Allein nachBerlin seien 3000 Dosen geordert worden, sagte eine Sprecherin desLandesamts für Gesundheit und Soziales. Das Saarland erhielt nachAuskunft der Landesapothekenkammer «sehr kleine Mengen» vonImpfstoffen aus Polen und Frankreich, dennoch sei nun keiner mehrverfügbar. Auch nach Bayern wurden Impfstoffe importiert. «Wir hatteneine enorm erhöhte Nachfrage», sagte der Sprecher derLandesapothekenkammer Thomas Metz.

Apotheken in Schleswig-Holstein hätten Impfstoffe «im vierstelligenBereich» aus dem Ausland, überwiegend aus Großbritannien bezogen,sagte der Geschäftsführer der Landesapothekenkammer, FrankJaschkowski. «Damit konnten kleinere Versorgungslücken geschlossenwerden.» Geschätzt einige Tausend Menschen des Bundeslandes hättensich wegen des Impfstoffmangels nicht gegen Grippe impfen lassen. Inanderen Bundesländern wie Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen gibt esnach Behördenangaben keine größeren Probleme mit den Impfstoffen.

Hohe Nachfrage nach Impfstoff

Die ungewöhnlich starke Grippewelle der vergangenen Saison sehenExperten als einen Grund dafür an, dass sich diesmal so vieleMenschen impfen ließen. Ein weiterer Grund sei die Einführung desVierfach-Impfstoffs, der als wirksamer gilt als der mit dreiKomponenten, sagte eine Sprecherin des für Impfstoffe zuständigenPaul-Ehrlich-Instituts (PEI).

Für diese Saison hatte das PEI 15,7 Millionen Dosen freigegeben, rundeine Million mehr als in der Vorsaison verimpft worden waren. NachEngpässen hatte das Bundesgesundheitsministerium im November denImport von weiteren Grippe-Impfstoffen erlaubt.

Die Herstellung der Impfstoffe muss langfristig geplant werden, dennsie dauert mehrere Monate und geschieht nach wie vor zumeist mitHilfe von Hühnereiern. Die Pharmafirmen produzieren im November zudemdie Grippeimpfstoffe für die Südhalbkugel und haben daher keineweiteren Kapazitäten.

Die frühe Planung der Impfstoffzahl ist schwierig. Auch 2005 kam eszu einem Mangel. Aus Angst vor der Vogelgrippe hatten sich vieleMenschen impfen lassen, obwohl die gewöhnliche Grippe-Impfung garnicht davor schützt, wie eine PEI-Sprecherin damals sagte.

Die vergangene Grippewelle hatte das RKI bereits als stärkste inDeutschland seit Jahren gewertet. Geschätzte neun Millionen Menschensind wegen einer Influenza-Erkrankung zum Arzt gegangen, vermutlichstarben mehr als 20.000 Menschen, vor allem Ältere.

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