Lesertelefon : Darmkrebs: Nicht jeder braucht Chemo

Eine Darmspiegelung  dient nicht nur der Darmkrebsvorsorge, frühe Stadien können dabei gleich entfernt werden.
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Eine Darmspiegelung dient nicht nur der Darmkrebsvorsorge, frühe Stadien können dabei gleich entfernt werden.

Experten der Schweriner Helios Kliniken appellieren, zur vorsorglichen Darmspiegelung zu gehen. Ein Einfluss der Psyche auf Tumore ist nicht nachgewiesen.

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19. März 2015, 12:00 Uhr

Wie entsteht Darmkrebs?
Darmkrebs entsteht zu etwa 90 Prozent aus Darmpolypen. Nur bei etwa zehn Prozent tritt er als vererbbar durch andere Erkrankungen auf. Hierzu zählen genetische Defekte oder chronisch entzündliche Darmerkrankungen. Bevor aus einem Darmpolypen ein bösartiger Krebs entsteht, vergehen typischerweise viele Jahre, in denen der Polyp langsam im Darm wächst. Durch äußere Reizungen oder Einflüsse kommt es dann in dem Polypen zu einer Entartung einer Zelle, aus der schließlich ein bösartiger Tumor entsteht.

Muss es immer eine Darmspiegelung sein?
Ja, die Darmspiegelung ist die beste und sicherste Methode für die Darmkrebsvorsorge. Da Darmpolypen praktisch keine Beschwerden machen, sich aber andererseits zu Darmkrebs entwickeln können, bietet nur die Darmspiegelung die sichere Möglichkeit, Polypen zu erkennen und gleichzeitig zu entfernen. Damit ist die Spiegelung schon dann nützlich, wenn der Polyp noch klein ist und so in einem frühen Stadium ohne Probleme abgetragen werden kann. Andere Vorsorgeuntersuchungen wie die auf Blut im Stuhl sind ebenfalls nützlich. Sie kommen jedoch erst zum Tragen, wenn ein Darmpolyp oder ein Tumor entstanden ist und blutet. Nicht blutende Polypen oder Tumoren werden durch diese Untersuchung überhaupt nicht erfasst. Auch wenn die Darmspiegelung nicht immer angenehm ist, bietet sie die größte Sicherheit. Außerdem hat man bei unauffälliger Darmspiegelung viele Jahre Ruhe und Sicherheit, dass Darmkrebs nicht entsteht.

Wann wird eine Chemotherapie eingesetzt?
Nicht jeder Darmkrebspatient braucht eine Chemotherapie. Nur die Patienten, bei denen durch eine Operation der Tumor nicht vollständig entfernt werden konnte oder bei denen ein erhöhtes Risiko besteht, dass der Krebs wieder auftritt, benötigen sie. Das Risiko, dass der Krebs wiederkommt, wird dadurch deutlich gesenkt. Dort, wo der Krebs schon von Anfang an eher begrenzt ist, braucht man häufig keine Chemotherapie. Oftmals kommt sie jedoch nach einer Operation zum Einsatz, wenn der Krebs gestreut hat, um ihn zu kontrollieren und am Wachsen zu hemmen.

Fallen bei einer Chemotherapie die Haare aus?
Bei vielen Darmkrebspatienten fallen die Haare dabei nicht aus. Ob Haare ausfallen, hängt von der Art der Chemotherapie und ihren verwendeten Substanzen ab. Auch die Höhe der Dosierung und Dauer der Behandlung spielen eine wichtige Rolle. Tatsächlich neigen Darmkrebspatienten, die eine Chemotherapie erhalten, eher nicht zum Haarausfall. Dies trifft aber auch nicht auf alle Patienten zu, d.h. Ausnahmen gibt es immer.

Gibt es Alternativen zur Chemotherapie?
Die moderne Chemotherapie hat die Behandlung bösartiger Tumoren in den letzten Jahren deutlich verbessert. Manche Krebserkrankungen können geheilt werden, bei anderen bewirkt die Chemotherapie hingegen eine Linderung von Beschwerden und damit oft eine Verlängerung der Überlebenszeit. Alternativen, die die gleiche Wirkung haben, gibt es derzeit noch nicht. Mit neuen Begleitsubstanzen haben Mediziner es aber geschafft, dass die Patienten ihre Chemotherapie heute deutlich besser vertragen als früher.

Was kann ich als Angehöriger tun, um einen Krebskranken zu unterstützen?
Die soziale Unterstützung stellt meist eine bedeutende Ressource der Betroffenen dar. Zwar können Sie Ihren erkankten Angehörigen den Schmerz nicht abnehmen, jedoch mittragen und begleiten. Im gemeinsamen Gespräch mit dem behandelnden Arzt hören vier Ohren mehr als zwei. Und in ausführlichen Gesprächen der Patienten mit den Angehörigen werden sowohl bestimmte Therapieoptionen, als auch die eigenen Hoffnungen, Wünsche und Bedürfnisse klarer und Entscheidungen fallen leichter. Trauen Sie sich, sich auf eine ehrliche und unverstellte Kommunikation mit Ihrem erkrankten Angehörigen einzulassen, indem Sie Raum für alle aufkommenden Emotionen schaffen. Dies bedeutet nicht, jemanden zu zwingen, „den Tatsachen ins Auge zu sehen“. Befreien Sie sich von dem Druck, alles richtig machen zu müssen. Nehmen Sie Ihre eigenen Grenzen und die Ihres erkrankten Angehörigen wahr und respektieren Sie sie. Suchen auch Sie sich emotionale und soziale Unterstützung.

Muss bei Darmkrebs immer operiert werden?
Die Operation ist die einzige Methode, mit der ein Darmkrebs sicher behandelt und geheilt werden kann. Nur in ganz frühen Stadien sind Tumoren auch durch endoskopische Maßnahmen abtragbar. Ansonsten ist es immer erforderlich, den Tumor und seine Lymphbahnen und Lymphab-flusswege zu entfernen. Der Vorteil ist jedoch, dass Darmkrebs, gerade wenn Vorsorgespiegelung gemacht wird, sehr häufig in frühen Stadien erkannt wird. In diesen frühen Stadien wird durch die Operation fast immer eine Heilung möglich. Wird der Tumor im späten Stadium entdeckt, müssen andere Therapien zusätzlich durchgeführt werden wie z.B. Chemotherapie oder Strahlentherapie. Die Mehrzahl der Operationen können wir heute schon durch Schlüssellochtechnik durchführen, sodass auch keine großen Schnitte sichtbar sind und der Patient schnell wieder das Krankenhaus verlassen kann.

Bekommt jeder an Darmkrebs Operierte einen künstlichen Darmausgang?
Heutzutage können wir fast alle Operationen am Dickdarm und Mastdarm ohne die Anlage eines künstlichen Darmausganges durchführen. Eine Ausnahme stellen immer noch die Tumoren dar, die sehr nahe am Schließmuskel liegen. Hier ist es notwendig, dass bei der Operation ein vorübergehender künstlicher Darmausgang angelegt wird. Ist der Schließmuskel von dem Tumor sogar betroffen, muss der Schließmuskel mit entfernt werden und dann ist der künstliche Darmausgang dauerhaft erforderlich. Dies betrifft aber weniger als zehn Prozent der gesamten Patienten, da wir durch moderne Operationstechniken den Schließmuskel zumeist schonen können.

Wie trägt mein psychisches Wohlbefinden zur Heilung von Krebs bei?
Viele Patienten machen psychische Faktoren sowohl für die Entstehung als auch Heilung ihrer Krebserkrankung mitverantwortlich. Dementsprechend groß ist häufig das Bedürfnis, diese Faktoren individuell zu bestimmen. Dabei gehen Betroffene, wie auch Angehörige, immer wieder davon aus, dass die innere positive Haltung im Kampf gegen den Krebs von großer Bedeutung ist. Dies setzt die Patienten und ihre Angehörigen meist unter enormen Druck, der zu einem noch größeren Belastungsempfinden beiträgt und – zumindest aus wissenschaftlicher Sicht – unnötig ist. Bis heute gibt es keine empirischen Belege für den direkten Einfluss psychologischer Faktoren weder auf die Entstehung von Krebs noch auf den Krankheitsverlauf.

Wie bemerke ich, dass ich Darmpolypen habe?
Leider merkt mal selbst von größeren Darmpolypen praktisch gar nichts. Diese Polypen können einige Zentimeter durchmessen ohne dass sie Beschwerden hervorrufen. Wenn sie etwas bewirken, dann ist es Blutabgang im Stuhl. Bei sehr großen Polypen kann es auch zu Stuhlgangsveränderungen bis zu einem Darmverschluss kommen.

Wie läuft eine Chemotherapie ab?
Bei der Chemotherapie erhalten Darmkrebspatienten mehrere Substanzen, von denen ihnen einige in Form von Tabletten verabreicht werden können. Jedoch erhalten sie immer auch Substanzen, deren Gabe nur durch eine Infusion erfolgen kann. Die Chemotherapie erfolgt über ein bis zwei Tage. Dann folgt eine Pause von etwa zwei Wochen, während der die Behandlung wirken soll. Die Chemotherapie wird in der Regel über einen Zeitraum von sechs Monaten fortgesetzt und kann sowohl ambulant als auch stationär durchgeführt werden.

Warum wird überhaupt psychologische Unterstützung für Krebspatienten angeboten?
Der eigentliche Zielbereich der sogenannten Psychoonkologie liegt nicht in der Heilung von Krebs, sondern in der Verbesserung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität. Psychoonkologische Interventionen können dabei helfen, die Betroffenen in ihrem psychischen Befinden zu stabilisieren, emotionale Belastungen zu reduzieren und persönliche Ressourcen der Krankheitsbewältigung zu aktivieren. Im gemeinsamen Gespräch besteht die Möglichkeit, emotionale Belastungen, wie z.B. Ängste vor der Behandlung, aber auch vor Tod und Sterben, Existenzängste oder Schuldgefühle mit uns als zunächst unbeteiligte Personen zu thematisieren und zu bearbeiten, statt sie zwanghaft zu verdrängen. Die eigenen negativen Emotionen im Rahmen einer Krebserkrankung mit aller Macht zu unterdrücken, wird das körperliche Befinden, wie bereits beschrieben, nicht beeinflussen, jedoch das psychische Befinden und damit die Lebensqualität eher verschlechtern. Ängste, Trauer und Verzweiflung stellen eine normale Reaktion auf ein unnormales Ereignis, also die Krebserkrankung, dar. Sie sollten nicht unterdrückt oder tabuisiert werden, da dies die Betroffenen lediglich mit ihren belastenden Emotionen isoliert.

Wo bekomme ich Unterstützung, wenn ich als Krebskranke psychologische Hilfe brauche?
Während des Krankenhausaufenthaltes befinden Sie sich in einem System vielfältiger psychosozialer Unterstützungsmöglichkeiten, u.a. wird Ihnen auch die psychoonkologische Begleitung angeboten. Wieder zu Hause reduzieren sich diese niederschwelligen Unterstützungsangebote leider auf ein Minimum. Hier kann der Austausch in einer Selbsthilfegruppe entlasten und neue Orientierung geben. In und um Schwerin gibt es zahlreiche krebsbezogene Selbsthilfegruppen, über die Sie sich bei KISS e.V. informieren können. Selbsthilfegruppen stellen jedoch keinen Ersatz für eine professionelle psychologische/psychotherapeutische oder psychiatrische Behandlung dar. Diese kann sowohl stationär als auch ambulant erfolgen. Ausführliche Auskunft darüber erhalten Sie bei Ihrer Krankenkasse.
 

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