Studie : Kein erhöhtes Krebsrisiko nach künstlicher Befruchtung

Künstliche Befruchtung in einem Kinderwunschzentrum. /Illustration
Künstliche Befruchtung in einem Kinderwunschzentrum. /Illustration

Kinderkriegen klappt nicht immer auf natürlichem Weg. Manchmal hilft eine künstliche Befruchtung. Steigert dieses Vorgehen das Krebsrisiko?

prignitzer.de von
08. Februar 2019, 10:39 Uhr

Eine künstliche Befruchtung erhöht einerStudie zufolge beim Nachwuchs nicht das Krebsrisiko - zumindest biszum frühen Erwachsenenalter. Das berichten niederländische Forscherim Fachblatt «Human Reproduction». Die umfangreiche Untersuchungwiderspricht damit Resultaten früherer Studien.

Ludwig Kiesel, Direktor der Klinik und Poliklinik für Frauenheilkundeund Geburtshilfe in Münster, hält die Studie für einen wichtigenwissenschaftlichen Beitrag zur Debatte um künstliche Befruchtung:«Die Aussagen sind sehr hilfreich, wenn Ärzte Paare mit unerfülltemKinderwunsch beraten», sagte Kiesel, der nicht an der Studiebeteiligt war.

Das Team um Flora van Leeuwen von The Netherlands Cancer Institute inAmsterdam stützte sich auf Daten von Frauen, die von 1980 bis 2001 ineiner von 14 niederländischen Fachkliniken behandelt worden waren.Insgesamt wurden 47.690 Kinder berücksichtigt, gut die Hälfte davonkam nach künstlicher Befruchtung zur Welt.

Ob eines der Kinder im Laufe seiner Entwicklung an Krebs erkrankte,wurde bei etwa der Hälfte vor dem 21. Geburtstag erfasst, bei denanderen später. Da es künstliche Befruchtungen erst seit Ende der70er Jahre gibt, sind Untersuchungen über eine ganze Lebensspannebislang nicht möglich.

Die Krebsraten der künstlich gezeugten Kinder waren wederim Vergleich zur Allgemeinbevölkerung erhöht noch im Vergleich zujenen natürlich gezeugten Kindern, deren MütterEmpfängnisschwierigkeiten hatten.

Vor allem die sehr lange Zeit der Nachbeobachtung der Kinder sei eineaußergewöhnliche Leistung und unterstütze die Aussagekraft desErgebnisses, sagte Klinikdirektor Kiesel. Allerdings sei Krebs beiKindern generell selten, daher seien die Fallzahlen bei einzelnenKrebsarten gering und bedürften weiterer Untersuchungen.

Mediziner verwenden verschiedene Methoden der künstlichenBefruchtung. Bei der sogenannten intrazytoplasmatischenSpermainjektion (ICSI) wird eine Samenzelle direkt in eine Eizelleeingespritzt. Im Gegensatz dazu werden bei einer klassischenkünstlichen Befruchtung Eizellen mit aufbereitetem Sperma ineinem Reagenzglas zusammengebracht. In Deutschland ist die ICSIdeutlich häufiger.

Bei jenen Kindern, die mittels ICSI auf die Welt kamen, oder beiKindern, deren Embryonen zwischenzeitlich eingefroren waren, fandendie Forscher zwar ein leicht erhöhtes Krebsrisiko, das ausstatistischen Gründen aber nicht aussagekräftig ist.

Van Leeuwen arbeitet laut einer Mitteilung bereits an einer größerenUntersuchung: «Wir erweitern unsere Studie derzeit auf mehr als30 000 aus künstlicher Befruchtung hervorgegangene Kinder, die in denletzten Jahren geboren wurden.»

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