Tödliche Gefahr durch Doppelgänger

Karbol-Egerling (giftig)
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Karbol-Egerling (giftig)

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09. September 2010, 07:40 Uhr

Pilzkenner wissen es längst: Nach der eher mäßigen Pilzsaison 2009 ist in Wäldern und Parks in diesem Herbst fette Beute zu machen. Wärme und Feuchtigkeit lassen Champignon, Marone, Steinpilz & Co. tausendfach sprießen. Aber nicht nur sie. "Es gibt auch sehr, sehr viele giftige Pilze", erklärt Dr. Oliver Duty, Landespilzsachverständiger vom Landesamt für Gesundheit und Soziales MV (Lagus). In Brandenburg und Niedersachsen mussten schon mehrere Menschen mit schweren Pilzvergiftungen in Krankenhäuser eingeliefert werden, einige erlitten schwere Leberschäden, eine Frau starb. Gegessen hatten sie hochgiftige Knollenblätterpilze, die sie für Wiesenchampignons hielten.

Die Natur macht es dem unerfahrenen Pilzsammler nicht einfach. Zu vielen beliebten Speisepilzen gibt es wenigstens einen ungenießbaren oder sogar tödlich giftigen Doppelgänger. Deshalb gilt: "Kann ich einen Pilz nicht mit 100-prozentiger Sicherheit identifizieren, darf er nicht in die Pfanne", betont Oliver Duty. Anfängern rät er, sich nicht allein auf ein bunt bebildertes Pilzbuch zu verlassen, weil es nicht immer so einfach ist, die wichtigsten Unterscheidungsmerkmale darzustellen. Dadurch könne es zu Fehlinterpretationen kommen. "Besser ist es, mit einigen Exemplaren unterschiedlichen Alters zum Pilzberater zu gehen und sich die Unterscheidungsmerkmale erklären zu lassen", sagt der Pilz experte. Wichtig sei, den kompletten Pilz, einschließlich Stiel und Stielbasis, mitzubringen. Ohne sie sei in einigen Fällen die sichere Bestimmung nicht möglich. Auch der Standort gibt wesentliche Hinweise.

Champignon, Karbol-Egerling oder Knollenblätterpilz?

Der Wiesenchampignon hat gleich mehrere Doppelgänger, die gefährlich werden können. Tödlich giftig sind der Grüne, der Weiße und der Spitzhütige Knollenblätterpilz. "Da kann unter Umständen schon ein einziger Pilz zum Tod führen", warnt Oliver Duty. Zu erkennen sind die Knollenblätterpilze unter anderem an der Stielknolle, die immer in einer sackartigen Hülle steckt. Außerdem sind die Lamellen reinweiß. "Beim Champignon sind die Lamellen immer hellrosa oder grau, später braun. Sie sind niemals weiß", betont der Fachmann. Deshalb droht Verwechslungsgefahr vor allem, wenn der Hut noch geschlossen ist und die Lamellen dadurch nicht zu sehen sind. Außerdem befindet sich am Stiel des Champignons ein häu tiger Ring und die Lamellen erreichen nicht den Stiel. Sind diese drei Merkmale nicht vorhanden, handelt es sich nicht um einen Champignon.

Von Giftchampignons wie dem Karbol-Egerling lässt sich der genießbare Champignon äußerlich oft gar nicht unterscheiden. Sie besitzen die gleichen Merkmale. Für eine zweifelsfreie Bestimmung muss man die Stielbasis anritzen oder den Hut ankratzen. "Die Stelle läuft sofort chromgelb an und riecht in der Regel unangenehm chemisch", erklärt Oliver Duty. Die Verfärbung verschwinde später aber wieder. Beim gesunden Menschen wirke der Karbol-Egerling in der Regel nicht tödlich, verursache jedoch Magen-Darm-Beschwerden.

Stockschwämmchen oder Gift-Häubling?

Das Stockschwämmchen ist ein beliebter Stubbenpilz. Er wächst fast nur auf Laubhölzern. Mit dem Gift-Häubling hat er allerdings einen gefährlichen Doppelgänger. "Dieser enthält den gleichen Giftstoff wie der Grüne Knollenblätterpilz. In entsprechender Menge gegessen, kann er tödlich wirken." Die Unterscheidung ist ebenfalls schwierig.

Der Stiel des Stockschwämmchens ist oben hell und zur Basis hin dunkelbraun. Und er ist schuppig. Beim Gift-Häubling ist der Stiel hellocker und weiß überfasert. Beide haben gelbbraune Hüte. Ohne die Stiele ist daher keine Bestimmung möglich.

Perlpilz oder Pantherpilz?

Häufig zu finden und ein guter Speisepilz ist der Perlpilz. Doch an ihn trauen sich laut Oliver Duty die meisten Pilzsammler nicht heran. Vielleicht aus gutem Grund. Er kann mit dem Pantherpilz verwechselt werden - und der ist stark giftig. "Das klassische Merkmal des Perlpilzes ist, dass er irgendwo Rottöne hat", sagt Duty. Außerdem haben beide Pilze einen Ring am Stiel, doch beim Perlpilz ist dieser gerieft, beim Pantherpilz glatt. Abgesehen davon hat der Pantherpilz an der Stielbasis einen wulstigen Rand, der aussieht wie eine hinuntergeschobene Socke.

Vom Speise- zum Giftpilz: Grünling und Kahler Krempling

Der Grünling galt vor einigen Jahren noch als Speisepilz, sogar als sehr guter. Doch inzwischen steht er auf der Liste der Giftpilze. Er enthält einen Giftstoff, der die Muskelzellen auflöst. Vor einigen Jahren gab es in Frankreich und Polen Vergiftungsfälle nach reichlichem Verzehr, zum Teil mit tödlichem Ausgang. "Pilzsammler sollten auf den Verzehr des Grünlings verzichten, weil derzeit unbekannt ist, welche Mengen eine Vergiftung verursachen." Zu erkennen ist der Grünling an seinem weiß bis gelblichen Stiel und den gelblichen Lamellen.

Ein ähnliches Schicksal widerfuhr auch dem Kahlen Krempling. Lange Zeit Speisepilz, ist er jetzt von der Liste gestrichen. Nach dem Verzehr ist es zu schweren Magen-Darm-Vergiftungen und teilweise zum Zerfall der roten Blutkörperchen gekommen - und das auch, wenn der Pilze zuvor jahrelang ohne Probleme genossen worden war.

Ausreichend erhitzen: Einige Speisepilze sind roh giftig

Pilze sind schwer verdaulich. Wer sie mit sehr viel Speck und Fett zubereitet und zu viel Alkohol dazu trinkt, macht es seinem Körper zusätzlich schwer. Außerdem sollten sie immer ausreichend erhitzt werden. Einige essbare Arten - unter anderem der Perlpilz und der Hallimasch - sind in rohem Zustand sogar giftig. Sie sollten deshalb mindestens zehn bis 15 Minuten ordentlich erhitzt werden.

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