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Medizin und Gesundheit

24. August 2017 | 10:35 Uhr

Lesertelefon : Wenn die Gelenke schmerzen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Zahlreiche Leser nutzten gestern unser Telefonforum zu künstlichen Gelenken. Experten aus Schwerin gaben Auskunft.

Die Klinik für Orthopädie der Helios Kliniken Schwerin und unsere Zeitung haben gestern gemeinsam ein Telefonforum zum Thema „Brauche ich ein künstliches Hüft- oder Kniegelenk?“ veranstaltet. Viele Leser nutzten das Angebot. Die wichtigsten Fragen und die Antworten der Experten haben wir für Sie zusammengefasst:

Was sind Anzeichen für den Verschleiß der Hüft- und Kniegelenke?
Zunächst spüren die Patienten Schmerzen in Hüft- und Kniegelenk nach Belastung. Später treten Steifigkeitsgefühle nach Ruhephasen mit typischen Anlaufschmerzen auf. Die Schmerzen nehmen im Verlauf zu, die schmerzarmen Phasen werden kürzer und es kommen dauerhafte Bewegungseinschränkungen hinzu.

Ab welchem Alter setzen Sie die meisten künstlichen Gelenke ein?
Zwei Drittel der Patienten sind 65 Jahre oder älter. Jüngere Patienten sind eher die Ausnahme.

Wie kann der Arzt erkennen, welche Verschleißerscheinungen vorliegen?
Wenn nach Gespräch und Untersuchung der Verdacht auf einen Gelenkverschleiß besteht, wird eine Röntgenaufnahme angefertigt. Nur in speziellen Fällen sind Computertomogramm oder Magnetresonanztomogramm erforderlich.

Wann ist der Einsatz von künstlichen Gelenken sinnvoll?
Künstliche Gelenke, sogenannte Endoprothesen, sind immer die letzte Alternative, wenn die bisherige Behandlung keinen Erfolg mehr zeigt. Sind die Schmerzen und Bewegungseinschränkungen in den betroffenen Gelenken so groß, dass die Lebensqualität deutlich sinkt, können künstliche Gelenke zum Einsatz kommen.

Wie läuft die Operation ab?
Die Operation dauert durchschnittlich etwa eine Stunde. Sie kann in Voll- oder Teilnarkose durchgeführt werden. Je nach Alter und damit auch Knochenqualität wird die Prothese zementfrei verklemmt oder mit einem speziellen Knochenzement verankert. Der stationäre Aufenthalt dauert etwa 8 bis 9 Tage.

Wie lange halten künstliche Gelenke?
Abhängig vom Alter des Patienten, der Knochenqualität und der Belastung können diese 20 Jahre und länger halten.

Jüngere Patienten müssen also eventuell ein zweites Mal operiert werden?
Das kann durchaus passieren, da der Knochen als biologisches Material im Laufe der Zeit Veränderungen unterliegt. Wechseloperationen sind komplizierter, zeigen aber dank moderner modularer Prothesentechnik meistens ebenso gute Ergebnisse.

Die Patienten haben wahrscheinlich hohe Erwartungen an die Operation. Wie groß ist der Unterschied von vor zu nach der OP?
Wie gesagt, zu einem künstlichen Gelenk raten wir Patienten, die trotz intensiver konservativer Behandlung große Schmerzen haben. Wenn die Patienten sich nach der Operation wieder normal schmerzfrei bewegen können, ist die Freude darüber natürlich groß und der Unterschied für ihre Lebensqualität beträchtlich.

Wann können die Gelenke wieder voll belastet werden?
In den meisten Fällen ist eine sofortige Vollbelastung möglich. Üblicherweise schließt sich eine stationäre oder ambulante Rehabilitation an, in der die Patienten das Gangbild mit dem neuen Gelenk weiter verbessern.

Wie sieht es aus, wenn man mit einem künstlichen Gelenk in den Urlaub fliegt. Schlägt der Metalldetektor an?
Ja, der Detektor kann anschlagen. Dafür erhalten alle Patienten einen sogenannten Prothesenpass. In diesem ist für den Fall der Notwendigkeit der genaue Prothesentyp vermerkt.

Kann man dem Gelenk-Verschleiß entgegenwirken?
Bewegung ohne starke Belastung, gelenkschonender Sport wie Fahrradfahren und Schwimmen und Vermeidung von Übergewicht, also gesunde Ernährung, beugen Verschleißerscheinungen vor.

Welche Sportarten kann man mit einer Prothese noch ausüben? Und wie sieht es mit Gartenarbeit aus?
Infrage kommen Sportarten wie Wandern, Radfahren, Schwimmen, Walken oder Golfen. Auch Gartenarbeit ist kein Problem, sofern man es mit der Belastung nicht übertreibt. Verzichten sollte man dagegen auf Leistungssport sowie auf Sportarten mit schnellen Richtungswechseln wie Fußball, Ski alpin oder Tennis.

 

Die Fragen beantworteten Chefarzt Dr. Michael Biedermann und der Leitende Oberarzt Dr. Bert Kühnemann aus der Klinik für Orthopädie der Helios Kliniken Schwerin sowie ihr niedergelassener Kollege Dipl.-Med. Michael Neuschäfer.
 

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erstellt am 15.Jun.2017 | 12:00 Uhr

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