Selbsthilfe : Desinfektionsmittel Marke Bahn

Eine Chemielaborantin schüttet einen Bestandteil für desinfektionsmittel der Bahn in einen Glaskolben.
Eine Chemielaborantin schüttet einen Bestandteil für desinfektionsmittel der Bahn in einen Glaskolben.

Neben Verwaltung und Schienenpersonal gibt es auch ein Labor für Bodenuntersuchungen, das derzeit ein wichtiges Mittel herstellt

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23. Mai 2020, 05:00 Uhr

In einem unscheinbaren Industriegebiet am Rande von Brandenburg an der Havel wirbeln drei Chemielaboranten in einer kleinen Lagerhalle. Ausgerüstet mit Gesichtsschutz und Messbehältern mischen sie in Hunderten Kanistern Desinfektionsmittel für die Deutsche Bahn. Etwa 1000 Liter Handdesinfektionsmittel gingen hier täglich raus, so Tabea Mettler-Altmann, Leiterin des Umweltlabors der Bahn,

Die Arbeit sei kein Hexenwerk, sagt sie. Wer eine hochmoderne Abfüllanlage erwartet, wird enttäuscht. „Die Herstellung des Desinfektionsmittels ist eine simple Labortätigkeit.“ Die Mitarbeiter stellten das Gemisch neben dem Tagesbetrieb her, betont Mettler-Altmann. „Das ist keine tagesfüllende Aufgabe. Dennoch ziehe ich den Hut vor dem Einsatz unserer Belegschaft.“

Seit einem Monat werde in dem Labor, in dem Boden- und Schotterproben auf Gift- und Schadstoffe untersucht werden, Handdesinfektionsmittel produziert, sagt Philipp Tentrop, Leiter des Umweltservices der DB Engineering & Consulting GmbH. Als der Engpass bei Desinfektionsmitteln bei der Bahn spürbar wurde, kam der Gedanke, das Labor für die Herstellung zu nutzen. „Wir haben die Möglichkeiten, also machen wir es“, erzählt Tentrop.

Eine Rezeptur von der Weltgesundheitsorganisation habe man letztlich umgesetzt. Lediglich vier Rohstoffe hätte man dafür beschaffen müssen: Den Hauptbestandteil Isopropanol, Wasserstoffperoxid, Wasser und Glycerol. Hinzu kamen Ausgaben für Kanister und Arbeitsschutz. „Wir liegen mit den Kosten bisher im fünfstelligen Bereich“, so Laborleiterin Mettler-Altmann.

„Das Desinfektionsmittel landet im gesamten Bundesbereich. Die Kanister gehen unter anderem an die Berliner S-Bahn, auch im Hauptsitz der Verwaltung in Berlin habe ich schon Flaschen gesehen“, so Bahn-Sprecherin. Wie lange die Produktion des Desinfektionsmittels weiterläuft ist ungewiss. „Es soll nicht unser Standardgeschäft werden“, so Tentrop. Bis Jahresende werde die Herstellung aber voraussichtlich weiterlaufen. „Wir merken, dass der Bedarf da ist. Die DB Regio hat erst kürzlich nachgeordert.“ Mit der Herstellung habe die Bahn einen verlässlichen Lieferanten.

Der Verbund für Angewandte Hygiene (VAH) sieht die Herstellung von Desinfektionsmitteln von „fachfremden“ Unternehmen mitunter kritisch. „Fachfremde Unternehmer haben oft nicht die Erfahrung, die für den sachgerechten Einsatz von Desinfektionsverfahren erforderlich sind“, sagt der Leiter der VAH-Desinfektionsmittel-Kommission, Jürgen Gebel. Wirkspektrum und Art der Anwendungmüssten immer auf die jeweilige Situation und den Zweck zugeschnitten sein.

Philipp Tentrop kann die Kritik des Verbandes verstehen, sieht sein Labor aber nicht als fachfremd an. „Wir liefern klare Apothekenqualität.“ Zudem sei die Herstellung des Desinfektionsmittels internationalisiert und simpel.

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