Auch für Schafe muss geforscht werden : Forschen zum Schutz von Herden

Schäfer Rene Jeronimus geht auf der Naturerbefläche Weißhaus mit seinen Pyrenäenberghunden vor einer Herde Ziegen und Schafe.
Schäfer Rene Jeronimus geht auf der Naturerbefläche Weißhaus mit seinen Pyrenäenberghunden vor einer Herde Ziegen und Schafe.

Schutzmaßnahmen reichen den Schäfern nicht aus

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11. Juli 2019, 05:00 Uhr

Deutsche Schafzüchter fordern mehr Geld für die Forschung zu Herdenschutzmaßnahmen. Es solle genauso viel Geld dafür bereitgestellt werden wie für die Wolfsbeobachtung, sagte der Geschäftsführer der Vereinigung Deutscher Landesschafszuchtverbände (VDL), Stefan Völl, gestern in Märkisch-Wilmersdorf (Teltow-Flämig). Zudem forderte der Verband eine Obergrenze der Zahl an Wölfen und Weidetierschutzzonen, in die Wölfe nicht eindringen dürfen. Die Vereinigung vertritt etwa 190 000 Betriebe mit rund 1,6 Millionen Schafen. „Hundertprozentigen Herdenschutz gibt es nicht“, sagte Anette Wohlfarth, Vorsitzende des -Arbeitskreises Beutegreifer.

Herdenschutzhunde seien nicht überall einsetzbar, auch Schutzzäune könnten nicht überall aufgestellt werden. Deshalb soll laut Verband mehr zu Techniken geforscht werden, mit denen sich Wölfe etwa mit Hilfe von Licht oder chemischen Substanzen vergrämen lassen.

Die Materialkosten für empfohlene Schutzmaßnahmen würden zwar erstattet, der zusätzliche Arbeitsaufwand jedoch nicht, betonte der Verbandsvorsitzender Alfons Gimber. Laut Ingo Stoll, Sprecher der Berufsschäfer, kommen Schäfer in Mecklenburg-Vorpommern beispielsweise nur auf einen Stundenlohn von 5,75 Euro - weil die Weidetierhaltung so arbeitsintensiv sei. Die Gefahr durch den Wolf erhöhe den Arbeitsaufwand.

Die Vereinigung forderte daher auch Weidetierschutzzonen, in die der Wolf nicht eindringen darf. Es soll ein selektiver und kontrollierter Abschuss möglich sein, um den Bestand gering zu halten. Im Vorjahr wurden nach Verbandsangaben in Deutschland rund 1400 Tiere durch Wölfe getötet, davon etwa 85 Prozent Schafe und Ziegen. Es leben schätzungsweise 1000 Wölfe in 70 Rudeln in Deutschland.

Die Schäfer zeigten sich erfreut über den Bundesratsbeschluss zur Weidetierprämie. 30 Euro zusätzliche Förderung soll es künftig pro Mutterschaf und Jahr geben. Außerdem dürfen Wölfe laut dem Beschluss von Ende Juni bereits bei ernsten Schäden abgeschossen werden, statt bislang nur bei erheblichen.

Schafherden werden in Deutschland vor allem zur Landschaftspflege von rund 430 000 Hektar Fläche eingesetzt. Sie erhalten dadurch Lebensräume für besondere Pflanzen und Insekten und verhindern eine Verwilderung der Flächen. Auch für den Küsten- und Hochwasserschutz sind Schafe nützlich, etwa indem sie auf Deichen den Boden festtreten.

Brandenburg hat 2019 nach Angaben des Umweltministeriums bislang sieben Wölfe töten lassen. Zwei seien durch problematisches Verhalten aufgefallen. Fünf wurden zuvor verletzt durch Autos und illegalen Beschuss. Nach Angaben des Landesamtes für Umwelt leben in Brandenburg 37 Wolfsrudel. Wölfe sind in Deutschland artenschutzrechtlich streng geschützt, um den Umgang mit den Tieren wird seit Jahren gestritten.

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