Hoffnung gemacht aber keine Festanstellung : Hausmeister vor die Tür gesetzt

Dirk Piepenhagen wird in der Albert-Schweitzer-Oberschule nicht in eine Festanstellung übernommen. Daran änderten auch Unterschriftenlisten von Lehrern und Schülern nichts.
Dirk Piepenhagen wird in der Albert-Schweitzer-Oberschule nicht in eine Festanstellung übernommen. Daran änderten auch Unterschriftenlisten von Lehrern und Schülern nichts.

Der Bürgermeister von Hennigsdorf spricht von gesuchten Fachkräften und verwehrt dennoch eine Festanstellung

prignitzer.de von
14. März 2019, 05:00 Uhr

Die Arbeit der Hausmeister sei eine verantwortungsvolle Tätigkeit, meint Thomas Günther (SPD), Bürgermeister von Hennigsdorf (Oberhavel). Dirk Piepenhagen hat genau diese Arbeit in der Albert-Schweitzer-Oberschule gern gemacht. Und glaubt man ihm, dann auch zur Zufriedenheit. Der Bürgermeister möchte dem nicht widersprechen. Und dennoch endete Piepenhagens Anstellung nach zwei Jahren.

Zum 1. November 2016 hatte Piepenhagen den Job angetreten, offiziell als Technischer Mitarbeiter. Obwohl der Bürgermeister die schwierige Suche nach Fachkräften erwähnt, wurden zumindest bis dato Hausmeister für zwei Jahre befristet eingestellt. Die Stadt begründet dies damit, dass eine längere Einarbeitungszeit erforderlich sei. Ohnehin sieht der Arbeitsvertrag sechs Monate Probezeit vor.

Piepenhagen sagt, ihm sei bei der Einstellung mündlich zugesichert worden, nach zwei Jahren fest angestellt zu werden. Dieser Eindruck bestätigte sich beim Mitarbeitergespräch ein Jahr später, als die für Schulen zuständige Fachdienstleiterin Angela Minge keine Kritik äußerte. Als ihm mit Minges Unterschrift auch zwei Urlaubstage gewährt wurden, die nach dem Ende des zweijährigen Vertrags lagen, ging er von der Übernahme fest aus.

Diese Sicherheit wischte die Fachdienstleiterin mit einem Satz weg. Das nächste Mitarbeitergespräch am 17. Juli 2018 soll Minge mit dem Satz beendet haben: „Ich möchte Ihren Arbeitsvertrag nicht verlängern.“ Gründe, so Piepenhagen, habe sie nicht genannt. Dem widerspricht der Bürgermeister; jber erst auf Nachfrage, da im ersten Antwortschreiben die Frage unbeantwortet blieb: „Die Gründe wurden in diesem Gespräch benannt.“

Obwohl Piepenhagen Günther die Erlaubnis erteilt hatte, gegenüber dieser Zeitung zu den Umständen der verweigerten Übernahme detailliert zu sprechen, lehnte dieser ab: „Verständlich ist sicher auch, dass die Stadt Hennigsdorf (...) persönliche Belange nicht in der Öffentlichkeit auswerten kann und will.“ Damit entspreche man dem Datenschutz und dem Schutz ehemaliger Beschäftigter. Das hindert Günther in seinem Antwortschreiben aber nicht, einen Piepenhagens Privatleben betreffenden Umstand zu verkünden: „Herr Piepenhagen befindet sich wieder in einem neuen beruflichen Umfeld.“ Dieser bestätigt, seit Januar die Cafeteria des Puschkin-Gymnasiums zu betreiben. Im Gegensatz zum Mitarbeitergespräch 2017 sei ihm das Protokoll des zweiten Gesprächs nicht ausgehändigt worden.

Bis heute grübelt Piepenhagen, weshalb ihm die Übernahme verweigert wurde. Liegt der Grund im Arbeitsunfall vom 26. April 2018? Damals habe er sich einen Armmuskel gerissen, als er mit einem Ein-Euro-Jobber einen Kühlschrank schleppte. Er sei mehrere Monate krank geschrieben gewesen.

Er erinnert sich auch, dass Minge im Sommer 2017 gesagt habe: „Sind Sie überfordert? Der Rasen ist ganz schön hoch!“ Das sei zu der Zeit gewesen, als er nach dem Jahrhundert-Regen half, das Kellergeschoss der Biber-Grundschule auszupumpen.

Dass Piepenhagen nicht weiter in der Schweitzer-Schule arbeiten durfte, rief Lehrer und Schüler auf den Plan. Ein Lehrer verfasste einen Brief, den 28 Kollegen unterzeichneten. Im Protest der Lehrer heißt es: „Er hat stets für jedes Problem, die Schule betreffend, ein offenes Ohr und findet eine Lösung! (...) Die Entscheidung der Stadt ist völlig unverständlich und nicht nachvollziehbar. Wir wollen ihn weiterhin als Hausmeister behalten.“ Auch Schüler sammelten in zwei Tagen 127 Unterschriften.

Laut Piepenhagen habe ein Lehrer den Brief mit den Listen und dem Anschreiben an den Bürgermeister im Rathaus mit der Bitte abgegeben, ihn dem Rathaus-Chef zuzuleiten. Laut Günther steckte das Schreiben im Hausbriefkasten. „Die Unterschriftenliste enthielt weder Absender noch Anschreiben und wurde entsprechend zur Kenntnis genommen“, schreibt er. Und bezweifelt den Sinn solcher Aktionen: „Zudem stellt sich die Frage, ob es im Interesse von Beschäftigten und Arbeitgeber sein kann, den Abschluss von Arbeitsverhältnissen durch Dritte wesentlich beeinflussen beziehungsweise entscheiden zu lassen?“

Piepenhagen erzählt, dass  Schüler, die ihn treffen, nfragen, wann er wiederkäme. Das würde er gern tun. Doch der Weg scheint abgeschnitten. Der Bürgermeister formuliert es so: „Sollte Herr Piepenhagen nochmaligen Gesprächsbedarf haben, stehen die zuständigen Mitarbeiter (...) für ein persönliches Gespräch zur Verfügung.“ Eigene Gesprächsbereitschaft erwähnt er nicht.


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