Pyrenäenberghunde vor dem Einsatz : Langer Atem für den Herdenschutz

Herdenschutzhund mit Schafen der Schäferei Kucnic.
Herdenschutzhund mit Schafen der Schäferei Kucnic.

95 000 Interessierte bei Kampagne von Schäfern und Naturschützern /Pyrenäenberghunde nehmen „Dienst“ auf

prignitzer.de von
12. Oktober 2018, 05:00 Uhr

Mit der Herdenschutzkampagne haben Brandenburgs Naturschutzbund (Nabu) und die Arbeitsgemeinschaft Herdenschutzhunde ein Jahr lang einen Wurf Pyrenäenberghunde auf ihrem Weg zum geprüften Herdenschutzhund begleitet. Live-Bilder der Tiere, Informationen über ihre Entwicklung und die Arbeit verschiedener Schäfer wurden seit November 2017 von fast 95 000 Interessierten in Online-Medien verfolgt und mit Spenden bedacht. So kamen 780 Euro für den Herdenschutz zusammen. Keine große Summe aber ausreichend für ein Notfallpaket, dass Schafhaltern bei Wolfsübergriffen kurzfristig hilft.

Drei Wochen alt waren die sechs Welpen, als der Nabu und die Arbeitsgemeinschaft die Öffentlichkeit in den Werdegang der künftigen Herdenschützer einbezogen. Damals tapsten sie klein und unbeholfen durchs Stroh und nahmen ersten Kontakt zu ihrer Familie – den Schafen – auf. Heute sind sie 30 – 45 Kilogramm schwer und helfen älteren Artgenossen beim Schutz der Schafe vor den Wölfen. Am 2. November legen einige die Junghundeprüfung in der Schäferei Kucznik ab.

„Herdenschutzhunde und stromführende Zäune sind die Grundlage einer wirkungsvollen Wolfsabwehr. Deren fachgerechter Einsatz kostet uns Schäfer aber täglich Zeit und Geld“, so Knut Kucznik, Schäfer aus Altlandsberg. Das Land unterstützt die Anschaffung zertifizierter Herdenschutzhunde, doch die Kosten für Futter, Tierarzt und Betreuung - etwa 2500 Euro je Hund im Jahr - müssen die Schäfer tragen. Genauso sieht es bei den Zäunen aus: Die Anschaffung wird gefördert, der dauerhaft erhöhte Aufwand, um diese auch tatsächlich wolfssicher aufzustellen, aber nicht.

„Die Zusatzbelastungen für Weidetierhalter müssen aufgefangen werden. Das kann durch aufwandsbezogene Anreize im Rahmen einer Mutterschafprämie oder bessere Vergütung der dringend notwendigen Landschaftspflege erfolgen“, so Friedhelm Schmitz-Jersch, Brandenburgs Nabu-Landesvorsitzender. „Die Politik ist gefordert, die Zahlungen für die Landschaftspflege mit Schafen aufzustocken. Angesichts des dramatischen Insektensterbens und des massiven Rückgangs der Feldvögel ist die ökologische und gesellschaftliche Leistung der Weidetierhalter beim Erhalt und der Pflege arten- und strukturreicher Kulturlandschaften nicht hoch genug einzuschätzen und muss mindestens kostendeckend sein. Dazu ist besonders in Extremjahren wie der diesjährigen massiven Dürreperiode flexible Unterstützung notwendig.“

Friedhelm Schmitz-Jersch, freut sich über die Entscheidung der Schäfer, sich an der Kampagne zu beteiligen, „Es ist großartig zu sehen, wie wichtig ihnen das Wohlergehen und der Schutz der Weidetiere landesweit ist und nicht nur die Sicherheit ihrer eigenen Tiere und Betriebe.“

Das Notfallpaket wird aus Euronetzzäunen, Flatterband, Weidezaungerät und Zaunzubehör bestehen. Es kann von Nutztierhaltern bei einen Wolfsübergriff oder wenn es Risse in direkter Nähe der Weiden gab und schnelles Handeln gefragt ist, angefordert werden. Die Verwaltung übernimmt der NABU und organisiert bei Bedarf auch ehrenamtliche Helfer.



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