Prozess : Lkw-Fahrer räumt Schuld ein

Die beiden Feuerwehrleute starben unter dem umgestürzten Einsatzfahrzeug.
Die beiden Feuerwehrleute starben unter dem umgestürzten Einsatzfahrzeug.

Sattelzug rast auf der A2 in ein Feuerwehrauto im Rettungseinsatz, zwei Kameraden sterben. Urteil soll voraussichtlich am 13. Dezember verkündet werden.

prignitzer.de von
06. Dezember 2018, 05:00 Uhr

Im Prozess um den tragischen Tod von zwei Feuerwehrleuten hat der angeklagte Lastwagenfahrer ein weitgehendes Geständnis abgelegt. „Ich bin allein für den Tod von zwei Feuerwehrleuten und die Verletzung eines weiteren Feuerwehrmannes verantwortlich“, hieß es in einer vom Verteidiger des 57-Jährigen verlesenen Erklärung. Allerdings könne er sich an die Ereignisse kurz vor dem tödlichen Unfall auf der A2 bei Kloster Lehnin nicht erinnern, sagte der Mann gestern vor dem Amtsgericht Brandenburg an der Havel. Das Urteil soll am 13. Dezember gesprochen werden.

Nach der Aussage des Gutachters im Prozess war der 57-Jährige am 5. September 2017 mit seinem Sattelzug auf der A2 ungebremst in eine Unfallstelle gerast. Dabei rammte er einen Polizeiwagen und zwei Feuerwehrfahrzeuge. Ein Feuerwehrwagen kippte um und begrub zwei Feuerwehrmänner im Alter von 23 und 38 Jahren unter sich. Ein weiterer Feuerwehrmann (23) wurde schwer verletzt. Aus Sicht der Staatsanwaltschaft war der Lastwagenfahrer übermüdet. Er ist wegen fahrlässiger Tötung angeklagt.

Er könne nicht ausschließen, dass er am Steuer kurzzeitig eingeschlafen war, erklärte der 57-Jährige. Er habe aber zuvor auf seiner Fahrt in Richtung Berlin die vorgeschriebenen Ruhepausen eingehalten, betonte er. Auch habe er keine Anzeichen von Müdigkeit bemerkt. Der Angeklagte bat die Angehörigen, die im Prozess als Nebenkläger auftraten, um Verzeihung.

Feuerwehrmänner schilderten die Sekunden vor dem tödlichen Crash, der sich ereignete, als die Rettungskräfte ihren Einsatz an der Unfallstelle gerade beenden wollten. Er habe den Sattelzug bemerkt, der sich mit normaler Geschwindigkeit auf der rechten Spur der taghell ausgeleuchteten Unfallstelle genähert habe, berichtete ein Feuerwehrmann. „Als er ganz nahe war, wurde mir klar: Der kann nicht mehr bremsen“, schilderte er die dramatische Situation. „Ich rief: ,Achtung! Weg, alle weg’ – und dann sind wir in Deckung gegangen.“ Ein Kamerad wurde in letzter Sekunde von dem später getöteten 38 Jahre alten Wehrführer gerettet. „Wir hörten von vorne den Ruf – und da hat mich der Wehrführer von dem Fahrzeug weggestoßen“, berichtete er. Dann kippte der Wagen um und erschlug den Wehrführer und einen Kameraden. Der Überlebende erlitt eine Schulterverletzung.

Zu Beginn des zweiten Prozesstages wurde bekannt, dass sich der Lkw-Fahrer erneut strafbar gemacht haben könnte. Er sei nach dem ersten Prozesstag am Dienstag mit einem Wagen davongefahren, erklärte die Anwältin einer Nebenklägerin vor dem Amtsgericht. Dafür gebe es Zeugen und eine Videoaufnahme. Da dem Angeklagten der Führerschein entzogen worden war, prüft die Staatsanwaltschaft nun ein weiteres Verfahren.

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