Kritik vom Biber-Beauftragten : Oderbruch ein Paradies für Biber

Dem Biber geht es im Oderbruch richtig gut, jedes Gewässer ist besiedelt. Die neue Biberverordnung macht allerdings ein schnelles Reagieren auf Schäden fast unmöglich.
Dem Biber geht es im Oderbruch richtig gut, jedes Gewässer ist besiedelt. Die neue Biberverordnung macht allerdings ein schnelles Reagieren auf Schäden fast unmöglich.

Die neue Brandenburger Biberverordnung sorgt für Unverständnis. Schnelles Agieren gegen die Nager nicht mehr möglich.

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28. Mai 2020, 05:00 Uhr

Michael Saß kann angesichts der neuen Brandenburger Biberverordnung nur den Kopf schütteln. In dem seit Mitte April dieses Jahres geltenden Papier ist unter anderem festgehalten, dass der Biber-Beauftragte des Gewässer- und Deichverbandes Oderbruch (Gedo) sieben Tage im Voraus bei der unteren Naturschutzbehörde eine Genehmigung beantragen muss, wenn er Biberschäden beseitigen oder Exemplare der nachtaktiven Nager vertreiben will. „Das flexible und schnelle Reagieren ist meine Aufgabe. Die kann ich doch nicht Tage vorher voraussagen“, empört er sich.

Die neue Verordnung enthalte mehr Einschränkungen, als das Vorgängerpapier. Bürokratie und Verwaltungsaufwand würden zunehmen, konstatiert auch Henrik Wendorff, Präsident des Brandenburger Landesbauernverbandes. Die neue Regelung enthalte weniger Einschränkungen als der Vorgänger, entgegnet Frauke Zelt, Sprecherin des Brandenburger Umweltministeriums. „Dem Biber geht es im Oderbruch richtig gut, jedes Gewässer ist besiedelt – mehr geht eigentlich nicht. Also müssen wir regulieren“, fordert hingegen Wendorff, auch Biobauer in Worin (Märkisch-Oderland).

Selbst die Dürre-Sommer hätten den Wasser liebenden Nagern nichts anhaben können. Bibermanager Saß, der alle Reviere im Verbandsgebiet kartiert, geht von mindestens 2000 Bibern aus, die allein im Oderbruch leben. Was Saß und Wendorff besonders missfällt: Die Biberverordnung mit ihren Möglichkeiten der Regulierung gilt nach wie vor nicht im Bereich der Schöpfwerke, die das Wasser in der Ostbrandenburger Kulturlandschaft steuern sowie in Vogelschutzgebieten. Und davon gibt es allein im Oderbruch 20 000 Hektar. „Was haben Vogelschutzgebiete mit dem Biber zu tun?“, fragt Wendorff. Die typischen Oder-Auenwälder stünden unter Naturschutz, der Biber aber dürfe sie ungehindert abholzen. Wenn eine „flächenschutzrechtliche Befreiung“ vorliege, gelte die Verordnung auch in Naturschutzgebieten, korrigiert Zelt. GEDO-Geschäftsführer Martin Porath belässt es nicht bei Groll und Empörung angesichts der neuen Verordnung. Bisher waren die Wasser- und Bodenverbände in der Mark als einzige berechtigt, Biberschäden zu regulieren. „Allein 250 000 Euro kostet uns und unsere Beitragszahler das jährlich in unserem 130 000 Hektar großen Verbandsgebiet“, sagt er. Laut neuer Verordnung dürfen das nunmehr auch Mitarbeiter von Straßenbehörden, der Deutschen Bahn oder der jeweiligen Kreisverwaltung. Allerdings: Zuvor müssten sie einen Sachkundelehrgang beim Landesumweltamt absolvieren. „Das dauert.

Zudem gibt es einen hohen Verwaltungsaufwand, denn die jeweilige Maßnahme muss genau dokumentiert werden“, macht Porath deutlich.

Er glaubt, dass die neuen „berechtigten“ Behörden sich aufgrund dessen doch wieder an den GEDO wenden werden. In einem Brief hat Porath Brandenburgs Umweltminister Axel Vogel (Grüne) darüber in Kenntnis gesetzt, dass der Verband in diesem Fall jegliche Arbeit im Auftrag anderer in Rechnung stellen werde.

Dass der Personenkreis der „Berechtigten“ erweitert wurde, hält Bauernpräsident Wendorff nicht generell für falsch. „Berechtigt sind allerdings nicht die Jäger oder Landwirte, die tatsächlich mit den Biberschäden zu kämpfen haben“, kritisiert er. Die Betroffenen seien nicht in die Erarbeitung der neuen, nun wieder für fünf Jahre geltenden Verordnung einbezogen worden. „Wir haben zuvor Vorschläge gemacht, die aus praktischen Erfahrungen herrühren. Nichts davon wurde berücksichtigt“, sagt Wendorff. Coronabedingt habe die neue Verordnung nicht vor dem Inkrafttreten breit mit den Verbänden diskutiert werden können, sagt die Ministeriumssprecherin. Wer im Oderbruch wohne, kenne all die Probleme mit dem Biber. Nur in Potsdam komme das nicht an, meint Porath, der befürchtet, dass die Kulturlandschaft bald komplett baumlos sein könnte. „Wir brauchen keine Schadensregulierung sondern eine Biber-Bestandsregulierung“, fordert er.

Problemtiere, die wiederholt Deiche zerwühlen oder Straßen unterhöhlten, können laut Verordnung notfalls auch getötet werden, allerdings nur zwischen dem 1. September und dem 15. März. Der nach europäischem Recht streng geschützte Biber unterliegt nicht dem Jagdrecht. „Ausnahmen sind punktuell zulässig, aber keine Bestandsregulierungen“, stellt Ministeriumssprecherin Zelt klar. In der vergangenen Saison waren laut Porath im GEDO-Bereich 85 Tiere geschossen worden. Viel zu wenige, sagt Jäger Frank Kütbach aus Lebus (Märkisch-Oderland). „Wir haben mehr Biber als Rehe. Um da spürbar zu regulieren, müssten die Abschusszahlen viel höher sein.“ Allein in seinem Jagdrevier in Reitwein (Märkisch-Oderland) würden hunderte der Nager leben. Nur fünf Prozent der Wasserfläche darf Kütbach bejagen – der Rest ist Vogelschutzgebiet.

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