Goldschatz : Putin lässt antworten

Post aus Moskau: Viktor Jede zeigt die per E-Mail eingetroffene Antwort auf seine Anfrage. Der Inhalt sei eine Lüge.
Post aus Moskau: Viktor Jede zeigt die per E-Mail eingetroffene Antwort auf seine Anfrage. Der Inhalt sei eine Lüge.

Eberswalder Politiker will mit Russland über einen der größten Goldfunde Deutschlands verhandeln

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25. Oktober 2019, 16:14 Uhr

Zuletzt hatten die zusammen 2590 Gramm schweren 81 Gefäße, Spangen und Armbänder, die vor 106 Jahren bei Schachtarbeiten auf dem heutigen Gustav-Hirsch-Platz in der Messingwerksiedlung entdeckt worden waren, in der vielbeachteten Sonderschau „Der Goldschatz von Eberswalde im Fokus der Wissenschaften“ im Museum eine Rolle gespielt, die am 29. September zu Ende ging.

Niemand zweifelt mehr daran, dass der auf das 10. oder 9. Jahrhundert vor Christus datierte größte vorgeschichtliche Goldfund Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg als Beutekunst in die damalige Sowjetunion gebracht wurde. Erst recht nicht, seit der Eberswalder Schatz 2013 innerhalb einer Bronzezeitausstellung in der Eremitage in Sankt Petersburg erstmals seit 1941 öffentlich gezeigt worden war. Auch Viktor Jede, Stadtverordneter für das Bündnis Eberswalde, hat absolut keinen Grund, an der Wahrheit dieser Aussage zu zweifeln. Allerdings ist ihm eine E-Mail aus Moskau zugegangen, die Leichtgläubigere durchaus stutzig machen könnte.

Der stellvertretende Direktor der Museumsabteilung des Kulturministeriums für Russland, ein gewisser N. W. Tschetschel, teilt im Auftrag von Präsident Wladimir Putin darin kurz und knapp mit: „Wir möchten darauf hinweisen, dass das russische Kulturministerium keine Information zu diesem Schatz hat.“

Diese offensichtlich falsche Antwort mag mindestens skurril sein. Und sie ist der vorläufige Höhepunkt einer besonderen Geschichte: Viktor Jede hatte sich an Putin, den er in seiner Mail als „Lieber Vladimir Vladimorivich“ anredet, mit der kühnen Frage gewandt, ob er eine Chance dafür sehe, dass der Goldschatz im Museum der Stadt gezeigt werden könne, in der der Schatz in einem Meter Tiefe im Boden gelegen hatte. „Und gibt es eine Chance, dass dieser Schatz eines Tages nach Eberswalde zurückkommt?“, wollte Jede weiter wissen. Der Schlusssatz unter der Mail lautete: „Gern besuchen wir Sie, um diese Aufgabe zu besprechen.“

Der 36-Jährige ist gebürtiger Kasache. Als deutschstämmiger Spätaussiedler wurde er im Jahr 2000 in Eberswalde heimisch. Und hat sich so schnell integriert, dass ihm in Sachen Lokalpatriotismus kaum jemand etwas vormacht. Jede spricht fließend Russisch und verfolge das politische Geschehen in der ehemaligen Sowjetunion mit Spannung. Daher kennt er die TV-Sendung, in der sich der russische Präsident einmal im Jahr mehrere Stunden lang vom Volk befragen lässt und die zeitgleich auf etlichen Kanälen läuft. Und er hat die Chance genutzt, im Vorfeld der am 19. Juni erfolgten Ausstrahlung seine Fragen zum Eberswalder Goldschatz anzubringen.

Bei der Live-Übertragung im Fensehen habe Putin nichts zum Thema gesagt, bedauert der Wahl-Finower. Um so erfreuter sei er gewesen, als dieser Tage die Antwortmail aus Moskau eingetroffen sei, mit der er kaum mehr gerechnet habe.

Durch die allen vorliegenden Erkenntnissen widersprechende Aussage des stellvertretenden Abteilungsleiters aus dem russischen Kulturministerium  lasse er sich nicht entmutigen, betont Jede. „Wenigstens habe ich jetzt einen direkten Kontakt in das dortige Kulturministerium. Ich denke darüber nach, wie ich diesen nutzen werde.“ Es sei wichtig, sich um den Goldschatz zu bemühen.

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