Amtsgericht Brandenburg/Havel : Tote Feuerwehrleute – Prozess vertagt

<p>Der Angeklagte (l) wartet mit seinem Anwalt im Sitzungssaal des Amtsgerichts auf den Prozessbeginn. Mehr als ein Jahr nach dem Tod von zwei Feuerwehrmännern bei einem Rettungseinsatz auf der Autobahn A2 hat vor dem Amtsgericht Brandenburg/Havel der Prozess gegen einen Lastwagenfahrer begonnen. </p>

Der Angeklagte (l) wartet mit seinem Anwalt im Sitzungssaal des Amtsgerichts auf den Prozessbeginn. Mehr als ein Jahr nach dem Tod von zwei Feuerwehrmännern bei einem Rettungseinsatz auf der Autobahn A2 hat vor dem Amtsgericht Brandenburg/Havel der Prozess gegen einen Lastwagenfahrer begonnen.

In der Verhandlung gegen den Lkw-Fahrer wegen fahrlässiger Tötung wurde nur Anklage verlesen

prignitzer.de von
05. Dezember 2018, 05:00 Uhr

Im Beisein vieler Angehöriger und Kameraden hat am Dienstag vor dem Amtsgericht Brandenburg/Havel der Prozess zum tragischen Tod von zwei Feuerwehrleuten begonnen. Die 23 und 38 Jahre alten Männer waren im September 2017 bei einem Einsatz auf der A 2 von einem umstürzenden Feuerwehrwagen erschlagen worden. Mehr als ein Jahr danach steht ein Lkw-Fahrer, der das Feuerwehrauto mit seinem Sattelzug gerammt hatte, wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht.

Der Prozess wurde jedoch bereits nach dem Verlesen der Anklage auf heute vertagt. Als Grund nannte die Vorsitzende Richterin Susanne Götsche, dass der zuständige Staatsanwalt wegen anderer Termine verhindert sei. Heute will der Anwalt des Lkw-Fahrers eine Erklärung seines Mandanten verlesen.

Laut Anklage war der Verkehr am frühen Morgen des 5. September 2017 auf der Autobahn bei Kloster Lehnin an einer Unfallstelle vorbeigeleitet worden. Der Sattelzug des 57-Jährigen habe mit überhöhter Geschwindigkeit zuerst ein Polizeiauto und dann den Feuerwehrwagen gerammt. Dieser stürzte um und begrub die zwei Helfer unter sich. Aus Sicht der Anklage war der 57-Jährige zum Zeitpunkt des Unfalls übermüdet.

Zum Prozess erschienen acht Angehörige als Nebenkläger. Im Saal waren Kameraden der getöteten Helfer von der Berufsfeuerwehr Potsdam und der Freiwilligen Feuerwehr Kloster Lehnin (Potsdam-Mittelmark). Unter den Feuerwehrmännern im Saal war auch der ehemalige Feuerwehrmann Klaus Schulz. Der 68-Jährige war von 1994 bis 2006 Wehrführer bei der Freiwilligen Feuerwehr Kloster Lehnin. Der 38-jährige Getötete war bei der Berufsfeuerwehr in Potsdam und sein Nachfolger in Kloster Lehnin. Seit dem 5. September herrsche bei der Mannschaft eine sehr bedrückte Stimmung, sagte Schulz. „Dieses tragische Unglück hat noch keiner richtig verarbeitet - die Kameraden sind stiller und nachdenklicher geworden.“ In den 50 Jahren seiner aktiven Zeit habe er schlimme Unfälle mit vielen Toten und Verletzten erlebt. Auf den Autobahnen werde rücksichtslos gerast und gedrängelt, sagte der 68-Jährige. „Viele Lkw-Fahrer respektieren nicht einmal die Feuerwehr, sie schließen die Rettungsgasse und versuchen sich irgendwie durchzudrängeln.“ Die Autobahnpolizei müsste härter durchgreifen, meinte Schulz. „Aber die ist ja viel zu selten zu sehen.“ Der Tod der Männer hatte große Betroffenheit und eine Diskussion über die finanzielle Absicherung der Helfer in den Freiwilligen Feuerwehren ausgelöst.

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