Rätselhaftes Verschwinden : Wie vom Erdboden verschluckt

prignitzer.de von
04. Dezember 2018, 09:19 Uhr

Das Verschwinden der chinesischen Ehefrau des gebürtigen Eberswalders Daniel B. vom Kreuzfahrtschiff „MS Magnifica“ im Februar 2017 wird immer rätselhafter. Nachdem der unter Mordverdacht stehende Daniel B. im April auf Drängen seines Anwalts Luigi Conti aus der Untersuchungshaft entlassen worden ist, sind neue Zeugen aufgetaucht, die die laut Staatsanwaltschaft seit 11. Februar 2017 verschollene Xing Lei Li noch drei Tage später am Buffet des Kreuzfahrtschiffes gesehen haben wollen.

 Giuliana Ciliberti und Franco Ambrosini teilten der Polizei in Italien jetzt mit, die Chinesin mit Ehemann und Kindern im Restaurant beobachtet zu haben, wie das italienische Internetportal roma.corriere berichtet.

Das Paar könne sich deshalb so exakt daran erinnern, weil es an jenem Abend den Geburtstag seiner Tochter mit deren Freundin gefeiert hat – die Ermittler in Rom sind bislang davon ausgegangen, dass Daniel B. zu diesem Zeitpunkt seine Ehefrau längst ermordet und die Leiche über Bord geworfen hat. Dabei stützen sie sich auf die Vernehmung von über 300 Zeugen des Schiffes – bislang konnte sich niemand daran erinnern, Xing Lei Li seit dem letzten Abendessen am 11. Februar an Bord begegnet zu sein. Dem Bericht zufolge gibt es einen weiteren Zeugen, der die Chinesin am Abend des 19. Februar – einen Tag vor der Ankunft des Schiffes in Rom – im Theater der „MS Magnifica“ gesehen haben will, sich jedoch nicht 100-prozentig sicher ist. „Wir sind überzeugt von der Unschuld unseres Mandanten“, sagen die Anwälte des Eberswalders, Luigi Conti und Laura Camomilla. Videoaufnahmen vom Schiff, die den Tod der Chinesin beweisen und die These der Staatsanwaltschaft untermauern könnten, existieren nicht. „Der Tod von Frau Li ist durch keine Tatsache belegt. Wo ist ihr Körper gelandet? Was wäre, wenn sie wirklich davongelaufen wäre, wie ihr Mann behauptet?“

Das hatte Daniel B. tatsächlich gesagt, nachdem er am 20. Februar vergangenen Jahres am Flughafen festgenommen worden ist, als er allein mit den Kindern nach Dublin zurückfliegen wollte. Der Schiffsbesatzung war kurz zuvor aufgefallen, dass Xing Lei Li zwar mit ihrer Bordkarte eingecheckt hatte, nach einem Landausflug in Genua das Schiff aber nie wieder auf legalem Weg verlassen hatte und an Bord auch nicht zu finden war.

Dass Daniel B. seine Frau nicht als vermisst gemeldet hat, nicht einmal versucht hat sie, auf ihrem Handy anzurufen, erklärt der Beschuldigte mit der mehrmaligen Androhung der 44-Jährigen, zu ihrer Mutter zurück nach China zu wollen. Möglich ist aber auch, dass die Chinesin einen Liebhaber hatte. Zu diesem Schluss kommt die Polizei, nachdem sie Nachrichten auf dem Handy der Vermissten ausgewertet hatte.

Es gibt noch weitere Ungereimtheiten: Während Daniel B. in U-Haft sitzt, ist eine chinesische Kreditkarte des Paares zur Mautzahlung auf einer irischen Autobahn eingesetzt worden. Und im Haus des Paares in Dublin hat jemand zur gleichen Zeit die Schlösser ausgewechselt. Dort wohnt Daniel B. übrigens nach der Entlassung aus der U-Haft im April 2018 gemeinsam mit seinen Kindern – und seiner chinesischen Schwiegermutter.

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