Klima-Demos in MV : „Die Politik soll sich ändern, nicht das Klima“

Teilnehmer einer Demonstration in Rostock tragen ein Transparent mit der Aufschrift: „SYSTEM CHANGE NOT CLIMATE CHANGE“.

Teilnehmer einer Demonstration in Rostock tragen ein Transparent mit der Aufschrift: „SYSTEM CHANGE NOT CLIMATE CHANGE“.

Der von der Fridays for Future-Bewegung initiierte globale Klimastreik hat Massen in Bewegung gesetzt. In MV gingen mehrere Tausend Menschen für eine lebenswerte Zukunft auf die Straße.

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20. September 2019, 17:06 Uhr

Die Botschaft ist klar: „Die Politik soll sich ändern, nicht das Klima“, steht weithin lesbar auf einem Plakat, das Schüler Freitagmittag durch die Schweriner Innenstadt bis zur Staatskanzlei tragen. Sie haben sich eingereiht in einen langen und lauten Demonstrationszug. Die Polizei schätzt die Teilnehmerzahl auf etwa 1800, fast fünf Mal mehr als die von den Organisatoren erwarteten 400.

Mehrere Tausend Teilnehmer in MV

In gut einem Dutzend Städte Mecklenburg-Vorpommerns folgten mehrere Tausend Schüler, Eltern, Gewerkschafter und Kirchenvertreter dem Aufruf zum globale Klimastreik der von der jungen Schwedin Greta Thunberg angestoßene Bewegung Fridays for Future. Unter anderem auch in Ludwiglust, Waren, Neubrandenburg und Greifswald. Die größte Protestaktion im Nordosten gab es in Rostock, wo die Polizei mehr als 3000 Teilnehmer zählte, die Veranstalter gingen von der doppelten Zahl aus.

Bundesweit kam es den Angaben zufolge zu etwa 570, meist lautstarken Demonstrationen. In Berlin gingen nach Angaben der Organisatoren etwa 100.000 Menschen auf die Straße, in Hamburg waren es laut Polizei 70.000. Rund um den Globus demonstrierten mehrere Hunderttausend Menschen.

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„Das Thema bewegt Jugendliche stark“

Bereits am Morgen hatten sich auf dem Marktplatz in Waren gut 300 Menschen versammelt, um für einen besseren Klimaschutz und nachhaltiges Wirtschaften zu demonstrieren. „Der Hebel muss grundsätzlich umgelegt werden. Ein Papier vorzulegen, das keinem wehtut und alles abfedert, das ist Betrug an uns selbst. Wir müssen einsehen, dass bestimmte Dinge einfach nicht mehr gehen“, sagte Pastorin Anja Lünert und machte damit deutlich, dass ihrer Meinung nach das am Freitag in Berlin von Union und SPD vorgelegte Klimapaket nicht ausreichend ist.

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Nach eigenen Angaben hatten sie Diskussionen im Konfirmationsunterricht bewogen, die Klima-Protestaktion in Waren zu organisieren. „Das Thema bewegt Jugendliche stark“, sagte sie.

Größter Klimaprotest MVs

„Wir gehen seit neun Monaten auf die Straße und die Politik ändert nichts“, beklagte die 15-jährige Pia. Die Schülerin hatte den Klima-Protest in Rostock mitorganisiert, den bislang größten im Land. In der Stadt mit dem einzigen Kohlekraftwerk Mecklenburg-Vorpommerns benennt sie eine der Hauptforderungen: „Kohleausstieg bis 2030 und ein Viertel der Kohlekraftwerke noch in diesem Jahr abschalten.“

Und sie hat auch Vorschläge, wie jeder Einzelne zum Schutz der Umwelt beitragen kann. „Müllvermeidung, weniger Fleisch essen und weniger Fliegen, das sind einfache Schritte für ein klimabewusstes Leben“, meint die Schülerin aus Ribnitz-Damgarten. Außerdem fordert sie bessere Radwege und einen besserer Nahverkehr, damit nicht mehr so viele Autos fahren.

Die Fridays for Future-Bewegung in Mecklenburg-Vorpommern trägt ihren Protest nicht nur laut, sondern auch kreativ auf die Straße: „Hier ist aber dicke Luft“, „There is no planet B“, „Klima ist wie Bier: wenns warm ist, ist’s Scheiße“, „Make earth great again“ oder „Politiker traut Euch“ stand auf den Plakaten.

Die Politik tue zu wenig

„Die Politik hat noch immer nicht erkannt, wie groß das Problem ist. Sie tut einfach zu wenig und ihre Konzepte für den Klimaschutz sind völlig unzureichend“, beklagte auch die 16-jährige Luise, die in Schwerin zu den Organisatoren der Proteste gehörte und die vor den vielen Kundgebungsteilnehmern beherzt das Wort ergriff. „Wir wollen eine Erde, auf der es sich auch in Zukunft lohnt zu leben“, erläuterte die Schülerin die Motivation ihrer Altersgefährten, für einen besseren Klimaschutz regelmäßig auf die Straße zu gehen.

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