Mecklenburg-Vorpommern : Kliniken bereiten sich auf Coronavirus vor

Pandemieplan, Isolierzimmer, Schnelltests: MV ist für den Ernstfall gewappnet.

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28. Januar 2020, 19:30 Uhr

Befürchtet wurde es schon seit Tagen, nun ist der erste Nachweis da: Nachdem das Coronavirus Deutschland erreicht hat, werden die Vorbereitungen auf einen möglichen ersten Krankheitsfall in Mecklenburg-Vorpommern intensiviert.

Schnelltest für eine rasche Diagnose

An der Unimedizin Greifswald sei das Personal geschult worden, sagte deren Sprecher Christian Arns der Deutschen Presse-Agentur. Wie auch für Influenza-Verdachtsfälle seien Isolierzimmer vorbereitet, die von außen erreichbar sind. Es werde daran gearbeitet, bei Corona-Verdacht Schnelltests zu machen und im eigenen Haus auszuwerten, um rasch zu einer Diagnose zu kommen.

Einen Schnelltest – das gehört auch zu den Vorkehrungen, die die Helios Kliniken Schwerin treffen. „Im Verdachtsfall wird zunächst ein Rachenabstrich gemacht“, berichtet Kliniksprecher Christian Becker. Das Virus findet sich beispielsweise im Hustenauswurf. Bestätigt sich der Verdacht, werde die Person isoliert. Das Klinikpersonal muss Schutzkleidung tragen. Die Helios Kliniken Schwerin folgen bei der Behandlung von Patienten mit Verdacht auf das Corona-Virus den Empfehlungen des Robert-Koch-Institutes, die wiederum auf aktuellen Mitteilungen der Weltgesundheitsorganisation WHO basieren, erklärte Becker. Zudem gebe es einen klinikinternen Pandemieplan.

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Der Rostocker Tropenmediziner Emil Reisinger von der Unimedizin Rostock rät in diesem Zusammenhang zur Grippeschutzimpfung. Die Symptome beider Infektionskrankheiten – darunter trockener Husten, Fieber und Atemnot – seien sehr ähnlich. Bei Geimpften sei die Influenza unwahrscheinlich.

Erster deutscher Corona-Fall

Laut Angaben des Robert Koch-Instituts ist der deutsche Corona-Fall der erste mit einer Mensch-zu-Mensch-Ansteckung außerhalb Asiens. Die erkrankte Person ist ein Mitarbeiter des Automobilzulieferer Webasto am Hauptsitz in Stockdorf bei München. Das bestätigte das Unternehmen. Der Mann aus Bayern habe sich während einer Fortbildung bei einem chinesischen Gast angesteckt.

Webasto hat weltweit mehr als 50 Standorte, darunter auch ein Werk in Neubrandenburg mit rund 700 Mitarbeitern. Ob auch ein Mitarbeiter von dort bei der Fortbildung war, ist noch unklar. Aufgrund der aktuellen Entwicklung werden nun unternehmensweit Schutzmaßnahmen getroffen, berichtet Nadine Schian, Pressesprecherin der Webasto Group. So sind alle Reisen nach und von China für mindestens die kommenden zwei Wochen abgesagt.

Wenn ein Mitarbeiter grippeähnliche Symptome zeigt und noch dazu im Januar auf Dienstreise in China war, dann soll er zum Hausarzt gehen und sich testen lassen, damit eine Ansteckung ausgeschlossen werden kann. Nadine Schian, Pressesprecherin der Webasto Group
 

Weiter seien in den Sanitäranlagen und an der Eingangspforte Spender mit Handdesinfektionsmittel aufgestellt worden.  Die Gesundheit und der Schutz der Mitarbeiter stehen an erster Stelle.

Kostenlose Beratungshotline für Kunden aller Krankenkassen

Zur Aufklärung über mögliche Gefahren schalten Krankenversicherungen wie die Barmer und die DAK-Gesundheit eine kostenlose Beratungshotline, die Kunden aller Krankenkassen nutzen können. Bei der Barmer geben Medizinexperten rund um die Uhr Informationen darüber, wer besonders gefährdet sei, wie man sich schützen und einen Verdachtsfall erkennen könne, teilte eine Sprecherin der Krankenkasse in Schwerin mit. Dies ist unter der Rufnummer 0800/84 84 111 möglich. Die DAK-Gesundheit bietet den gleichen Service am kommenden Freitag, 31. Januar zwischen 8 und 20 Uhr an. Unter der Rufnummer 0800/11 11 841 beantworten Ärzte und Hygienefachleute Fragen zu Risiken und notwendigen Schutzmaßnahmen.

Nach Ansicht der Barmer sei Panik nicht angebracht. Auch wenn es derzeit noch keinen Impfstoff oder eine spezielle Therapie gebe, ließen sich Betroffene je nach Schwere der Erkrankung sehr wirksam behandeln. Die Symptome können mit Medikamenten abgemildert werden. (mit dpa)

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