Bei Malchow : Letzte A19-Brücke über Petersdorfer See erhält ihre Mitte

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Der Einbau der letzten beiden Brückenmittelteile hat begonnen. Ein Riesenträger wurde in Position gebracht.

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24. März 2020, 13:29 Uhr

„So etwas macht man nicht jeden Tag“, sagt Mario Wieler. Der Bauleiter des Stahlbauunternehmens Donges Steeltec GmbH steht am Petersdorfer See an einem der Brücken-Widerlager, an dem wieder täglich Tausende Autos entlangrollen - wenn die aktuelle Touristen-Sperrung des Landes wegen des Corona-Virus aufgehoben ist.

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Nach acht Monaten Vorbereitung komplettieren Donges-Mitarbeiter und eine holländische Spezialfirma die letzte der beiden Autobahn 19-Brücken bei Malchow (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte). Für das Verfahren, bei dem die riesigen Mittelteile über ferngesteuerte, sechsachsige Rollwagen auf Schwimmpontons gehievt werden müssen, sind mehrere Wochen veranschlagt. Dafür ist unter anderem die Wasserstraße zwischen der Müritz und Schwerin gesperrt.

Hauptzufahrt aus Berlin, Ostdeutschland und Bayern zur Ostseeküste

Wie Lutz Günther von der Fernstraßenplanungs- und -baugesellschaft Deges (Berin) sagt, werden die 93 Meter langen und je rund 300 Tonnen schweren Stahlkonstruktionen als Brückenmittelteile in die richtigen Positionen gebracht. Später sollen sie die Betonfahrbahn und den Asphalt aufnehmen. Während das erste Mittelteil am ersten Tag „eingeschwommen“ und vom Wasser über seilzugartige Hubanlagen hoch zwischen die Brücken-Widerlager gehoben wurde, fahren Arbeiter am Dienstag den zweiten Riesen-Träger als Schwerlasttransport zum See.

Zentimeter für Zentimeter gleitet das Mittelteil langsam Richtung Wasser, wo ein Ponton die Stahlkonstruktion übernahm. „Das zweite Ponton kommt ab Mittwoch zum Einsatz“, sagt Wieler. Diese Pontons werden dann von zwei Schubschiffen unter die Brücke geschippert.

Die Autobahn 19 Berlin-Rostock gilt als Hauptzufahrt aus Berlin, Ostdeutschland und Bayern zur Ostseeküste Mecklenburg-Vorpommerns. Ob Rügen, Fischland-Darß-Zingst oder Rostock-Warnemünde - fast jeder Urlauber kennt die Petersdorfer Brücken - in den vergangenen Jahren allerdings eher als Staufalle.

Die beiden Teilbrücken über den Petersdorfer See hatten Schweden in der DDR-Zeit gebaut. Nach Untersuchungen von Experten waren die Fundamente mit damals etwa 30 Metern aber nicht tief genug, so dass die Brücken langsam absackten und stark sanierungsbedürftig waren.

Seit 2015 wird gebaut

Insgesamt sollte die Erneuerung beider Brücken und der Anschlussstelle, die ins Heilbad Waren an der Müritz führt, erst 43 Millionen Euro, inzwischen rund 62 Millionen Euro kosten.

Besonders kompliziert waren Fundamente für die Pfeiler der Brücke, die nun sicherheitshalber bis fast 60 Meter tief in den Seegrund gebohrt wurden, um die nötige Stabilität zu finden.

Beim Bau der ersten Teilbrücke war der Verkehr mit Einschränkungen und nur je einer Spur über die alte Ost-Brücke gelaufen. Das hatte immer wieder zu Staus und schweren Unfällen geführt. Es war kein Platz für eine Abtrennung in der Mitte, so dass Fahrzeuge immer wieder auf die falsche Seite gerieten. Seit 2018 ist die westliche Teilbrücke fertig. Der Verkehr kann seither vierspurig über die neuen West-Teilbrücke rollen, was die Lage entspannt.„Erst wenn beide Mittelteile eingepasst sind, beginnen die Schweißarbeiten“, erläutert Wieler. Diese dauern rund drei Wochen. Im Herbst 2020 soll dann eine der größten Autobahn-Baustellen im Norden Deutschlands endlich fertig sein. „Ich freue mich, dass dieses sehr anspruchsvolle Bauvorhaben in diesem Jahr abgeschlossen werden und der Verkehr dann ohne Einschränkungen über die neue Brücke rollen kann“, erklärte Verkehrsminister Christian Pegel (SPD). Ähnlich geht es dem Stahlbauexperten Wieler: „Ich bin Rostocker und das ist für mich die wichtigste Autobahn.“

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