Pflanzenzucht Hans-Georg Lembke in Malchow : Forschung ausgebremst: Züchter legen Projekte auf Eis

In einem Gewächshaus der Norddeutschen Pflanzenzucht Hans-Georg Lembke KG auf der Insel Poel bringt Susanne Behrendt an blühenden Rapspflanzen Tüten an, in denen die Bestäubung stattfinden soll.
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In einem Gewächshaus der Norddeutschen Pflanzenzucht Hans-Georg Lembke KG auf der Insel Poel bringt Susanne Behrendt an blühenden Rapspflanzen Tüten an, in denen die Bestäubung stattfinden soll.

Das Urteil des Europäischen Gerichtshofs im Juli hat die Pflanzenzucht in Deutschland erstarren lassen. Neue Züchtungsmethoden wurden als Gentechnik und damit verboten eingestuft.

prignitzer.de von
09. Januar 2019, 18:00 Uhr

Der Bundesverband Deutscher Pflanzenzüchter sieht sich durch das Urteil des Europäischen Gerichtshofs ausgebremst, das neue Züchtungsmethoden als nicht zulässige Gentechnik einstuft. Die Züchter seien nach dem Urteil im Juli 2018 zunächst in eine Schockstarre verfallen, sagte Vorstandsmitglied Dietmar Brauer am Mittwoch in Malchow auf der Insel Poel. Er ist Geschäftsführer der dortigen Norddeutschen Pflanzenzucht Hans-Georg Lembke KG, einem mittelständischen Zuchtunternehmen mit dem Schwerpunkt Raps. «Wir haben dann mehrere Projekte auf Eis gelegt.» Investitionen seien zurückgestellt worden.

Winterraps-Forschungen besonders betroffen

Betroffen seien im Wesentlichen die Forschungen zum Winterraps, sagte Brauer. Dieser wird nur in Europa angebaut. «Wir haben die modernen Technologien aus der Winterrapsforschung verbannt», bedauerte Brauer. Zuvor habe das 1897 gegründete Familienunternehmen 120 Jahre lang immer die neuesten Forschungsmethoden angewandt.

In einem Gewächshaus der Norddeutschen Pflanzenzucht Hans-Georg Lembke KG auf der Insel Poel bringt Susanne Behrendt an blühenden Rapspflanzen Tüten an, in denen die Bestäubung stattfinden soll.
Bernd Wüstneck/dpa

In einem Gewächshaus der Norddeutschen Pflanzenzucht Hans-Georg Lembke KG auf der Insel Poel bringt Susanne Behrendt an blühenden Rapspflanzen Tüten an, in denen die Bestäubung stattfinden soll.

 

Nach Angaben des Bundesverbands hat der EuGH nur das Züchtungsverfahren im Blick gehabt, nicht aber die gezüchtete Pflanze, die auch natürlicherweise vorkommen könnte. «Wir haben gelernt, Mutationen punktgenau vorzunehmen», sagte Brauer. Die Punktmutation im Labor sei an der Pflanze von der natürlichen Mutation nicht zu unterscheiden. Ganz anders sei das bei genveränderten Pflanzen, bei denen durch Gentransfer bestimmte Eigenschaften transportiert würden. Das sei genau nachweisbar.

Brauer befürchtet nun, dass im Ausland durch neue Züchtungsmethoden entstandene Pflanzen nach Europa kommen werden. Eine Kontrolle sei praktisch nicht möglich. Für die europäischen Unternehmen sei das ein großer Wettbewerbsnachteil. Manche hätten angekündigt «einzupacken». Die Pflanzenzüchter fordern von der Politik eine Entscheidung, wie mit Importen umgegangen werden soll.

Bauernpräsident Detlef Kurreck sagte, Landwirte seien ein bisschen neidisch auf andere Branchen, wenn sie sähen, was dort mit Technologie möglich sei. «Uns ist der Weg versperrt.» Dabei seien angesichts des Klimawandels widerstandsfähige Sorten nötig.

Verhaltener Optimismus gegenüber neuem Jahr

2019 sei nach drei schwierigen Jahren für die Landwirtschaft mit vielen Erwartungen behaftet. «Ich bin verhalten optimistisch», sagte Kurreck. Die Herbstkulturen wie Wintergetreide und Raps stünden recht ordentlich. Die Bauern hätten allerdings eine teure Herbstbestellung hinter sich. Zum Teil seien Aussaaten wegen der Trockenheit nicht aufgegangen, sie hätten ein zweites Mal aussäen müssen.

Wegen der schlechten Getreideernte seien Deutschland wie der gesamten EU Marktanteile im internationalen Geschäft verloren gegangen. Für Schweinehalter, die «Täler und Berge» gewohnt seien, sei es hektischer geworden. Die Afrikanische Schweinepest hänge wie ein Damoklesschwert über ihnen und auch den Futtermittelproduzenten, da bei einem Seuchenausbruch weniger Futter gebraucht werde.

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