Zu viele Nandus im Nordosten : Erste Laufvögel abgeschossen

Von Januar bis März seien 17 Tiere, vor allem Hähne, getötet worden.

prignitzer.de von
15. April 2019, 15:13 Uhr

Erstmals sind im Grenzgebiet zwischen Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein Nandus geschossen worden. Von Januar bis März seien 17 Tiere, vor allem Hähne, getötet worden, sagte der Schweriner Agrar- und Umweltminister Till Backhaus (SPD) am Montag in Schlagsdorf (Landkreis Nordwestmecklenburg).

Weitere 40 bis 50 Tiere der einzigen wildlebenden Nandu-Population Europas sollen bis Jahresende erlegt werden.

Die Nandus haben sich am Ratzeburger See, an der Grenze von Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein, fest etabliert und vermehren sich dank des Fehlens natürlicher Feinde kräftig. Sie stammen von einer Handvoll Tieren ab, die um die Jahrtausendwende aus einem privaten Gehege bei Lübeck ausgebrochen war.

Erfolglose Versuche, Population einzudämmen

Die bisherigen Versuche, das Wachstum der Population einzudämmen - wie das Anbohren und damit Unfruchtbarmachen von Eiern - sind weitgehend erfolglos geblieben. Trotzdem soll es dieses Jahr erneut versucht werden. Von Frühjahr 2018 bis Herbst 2018 wuchs die Zahl der Nandus sprunghaft von 205 auf 566 - obwohl 190 gefundene Eier unfruchtbar gemacht worden waren, wie Backhaus sagte.

Bei der jüngsten Zählung im März 2019 sichteten Ranger und Landwirte 362 Tiere. Das ist zwar gut ein Drittel weniger als in Herbst, allerdings sterben im Winter stets viele Jungtiere. Im Vergleich zu vor einem Jahr gibt es jetzt 76,6 Prozent mehr Nandus. Auch die von ihnen besiedelte Fläche ist gewachsen, wie der Minister sagte.

Weiterlesen: Vermehrungsfreudige Nandus machen Menschen ratlos - und neugierig

Die eigentlich in Südamerika heimischen Nandus finden in der norddeutschen Tiefebene hervorragende Bedingungen. Sie lieben eiweißreiche Pflanzen und bedienen sich mit Vorliebe auf Rapsfeldern.

Ernteeinbußen seien die Folge

Aber auch Weizenfelder seien betroffen, sagte Backhaus. Ernteeinbußen seien die Folge. In diesem Jahr soll es erstmals eine Entschädigung für betroffene Bauern geben. Bisher liege ein Antrag vor.

Backhaus will jetzt klären lassen, ob der Nandu als invasive Art einzustufen ist, die Schäden an der heimischen Flora und Fauna anrichtet - worauf Naturschützer schon seit längerem hinweisen. Um das herauszufinden, sollen voraussichtlich im Mai auch drei Tiere mit einem GPS-Sender versehen werden. Außerdem werden die abgeschossenen Vögel untersucht, ob sie neben Pflanzen auch kleine Tiere fressen.

Bisher fallen Nandus unter das Washingtoner Artenschutzabkommen.

Die 17 bislang geschossenen Nandus sind den Angaben zufolge von ansässigen Bauern mit Jagdschein erlegt worden. Den Landwirten sei freigestellt worden, ob sie die toten Tiere entsorgen oder ob sie das Fleisch essen wollen, sagte Bettina Gebhard vom Biosphärenreservat Schaalsee. „Ob es schmeckt, kann ich nicht sagen.“ 

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