Stasi-Unterlagen : Akteneinsicht weiter gefragt

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Expertin: Stasi-Aufarbeitungsstellen werden noch Jahre gebraucht

prignitzer.de von
11. Januar 2018, 21:00 Uhr

Die drei Außenstellen der Stasi-Unterlagenbehörde im Nordosten werden trotz landesweit leicht rückläufiger Anträge auf Akteneinsicht noch über Jahre gebraucht. Die politische Bildung werde immer wichtiger und die Betroffenen wollten Auskünfte über ihre Schicksale in ihrer Region haben, sagte Marita Richter, Leiterin Neubrandenburger Außenstelle des Bundesbeauftragten (BStU) gestern. Die Suche nach einem gemeinsamen Archiv für die Stasi-Akten der ehemaligen DDR-Nordbezirke werde noch längere Zeit dauern, da es dazu vorher noch eine Machbarkeitsstudie geben soll. Inzwischen nutzten mehr Schulklassen die Chance, Geschichte hautnah in ihrer Region zu erleben, erklärte Richter, die auch schon Stasi-Landesbeauftragte Mecklenburg-Vorpommerns war. So sei 2018 wieder eine Vielzahl an Veranstaltungen geplant. Das reicht von Führungen durch die einstige Stasi-Bezirkszentrale bis zu Vorträgen über den Umgang mit kritischen Eingaben von DDR-Bürgern und über die Stasi-Überwachung an Kinder- und Jugendsportschulen der DDR, wie am 17. Januar. Als Beispiel nannte Richter eine junge erfolgreiche DDR-Kanutin. Diese war mehrfache Weltmeisterin, musste den Leistungssport auf Druck der Stasi aber aufgeben, weil sie einen Freund in Südamerika hatte. Unter dem Titel „Leistungssport im Visier der Stasi – Das MfS und der SC Traktor Schwerin“ sei zudem ein neues Buch vorgelegt worden.

In Neubrandenburg wurden im Vorjahr 1309 Anträge auf Auskunft, Einsichtnahme und Herausgabe von Akten gestellt, 50 mehr als 2016. In allen drei BStU-Stellen im Nordosten gab es 5602 Anträge, etwa 170 weniger als 2016. Darin waren auch Wiederholungsanträge, die Aufklärung über in Akten geschwärzte Namen und weitere Details enthalten. Reine Anträge auf Einsichtnahmen in Stasi-Akten gab es im Vorjahr rund 4300, etwa 100 weniger als 2016.

„Auch wenn die Antragszahlen allgemein etwas zurückgehen, ist das Interesse an der Einsicht in die Stasi-Akten nach wie vor sehr groß“, sagte die Landesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Anne Drescher, in Schwerin. Täglich gingen Anfragen von Bürgern bei ihren Mitarbeitern ein. Die Betroffenen wollten Akten einsehen, um zum Beispiel Schicksale von Familien aufzuklären, Rehabilitierungsansprüche umzusetzen oder eigene Geschichte aufzuarbeiten. Das Alter der Antragsteller liege oft zwischen 50 und 70 Jahren, erläuterte Richter. Weil inzwischen geburtenstarke Jahrgänge vor der Rente stehen, rechnet Richter mit keinem gravierenden Rückgang in den nächsten Jahren.

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