Überstunden : Chefs sparen Millionen

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8,4 Millionen Gratis-Stunden in MV - DGB fordert Neuordnung der Arbeit

prignitzer.de von
12. Januar 2018, 21:00 Uhr

Die Wirtschaft macht Kasse: Die Unternehmen in MV sparen jährlich mehr als 100 Millionen Euro Arbeitslohn für nicht bezahlte Überstunden ein. So arbeiten die Beschäftigten in MV 2016 etwa 8,4 Millionen Stunden lang, ohne dafür einen Euro zu sehen, analysierte der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) auf der Grundlage von Zahlen des Statistik-Amtes. Gemessen am damals geltenden gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunden gingen den Beschäftigten im Jahr 72 Millionen Euro verloren. Wird der durchschnittliche Bruttostundenlohn von 17,07 Euro zugrunde gelegt, fehlten sogar 144 Millionen Euro in der Lohntüte. In MV wurden darüber hinaus 8,218 Millionen Stunden Mehrarbeit geleistet, die die Chefs aber zusätzlich vergüteten. Damit war die Zahl der Überstunden wieder gestiegen. 2015 hatten die Beschäftigten in MV nur etwa zehn Millionen Stunden zusätzlich zu ihrer Arbeitszeit in der Firma, ermittelte das Statistische Amt Schwerin.

Mehrarbeit überall: Die tatsächliche Zahl der Überstunden summiere sich sogar doppelt so hoch wie bekannt, schätzt der DGB. Bundesweit seien den Beschäftigten 2016 mehr als 20 Milliarden Euro Lohn und Gehalt entgangen. Zu hoch, kritisiert der DGB. Den Beschäftigten in MV, Schleswig-Holstein und Hamburg entgingen pro Jahr mindestens eine Milliarde Euro, weil ihre Arbeitgeber Mehrarbeit oft als Gratisleistung betrachteten, kritisierte DGB-Nord-Chef Uwe Polkaehn gestern: „Arbeiten ohne Ende ist eine Gefahr für die Gesundheit und auch die Leistungsfähigkeit.“ Einer DGB-Umfrage zufolge gingen nur noch 47 Prozent der Befragten davon aus, bis zur Rente durchhalten zu können. „Neueinstellungen statt Überstunden lautet daher das Gebot der Stunde“, forderte Polkaehn: „Wir brauchen eine neue Ordnung der Arbeit und klare Grenzen.“

Die Wirtschaft gibt derweil Entwarnung: Das Überstundenniveau sinke seit mehr als zehn Jahren, teilte die Vereinigung der Unternehmensverbände (VU) in MV mit. Auch 2017 werde eine Verringerung prognostiziert. Die Überstunden seien Ausdruck der guten wirtschaftlichen Entwicklung, meinte VU-Chef Sven Müller: „Das stetige Sinken des Überstundenvolumens geht einher mit dem anhaltenden Zuwachs sozialversicherungspflichtiger Arbeitsplätze.“

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