Lehrerverband VBE kritisiert : Digitalisierung: Schulen in MV sind überfordert

Ein Schüler arbeitet in einer Unterrichtsstunde mit einem Tablet.  /Archivbild
Ein Schüler arbeitet in einer Unterrichtsstunde mit einem Tablet.  /Archivbild

Internetfähige Schultafeln, Tablets für Schüler, Lernen mit Apps - die Schulen in MV sollen digital werden. Vom Land werden sie dabei ziemlich allein gelassen, kritisiert der Lehrerverband VBE.

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20. September 2019, 08:03 Uhr

Die digitale Revolution droht Schulen, Schulträger und Bildungsministerium nach Einschätzung der Lehrergewerkschaft VBE gleichermaßen zu überfordern. Die verschiedenen Anforderungen passten nicht zusammen, sagte der Landesvorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung (VBE), Michael Blanck, der Deutschen Presse-Agentur vor dem Norddeutschen Lehrertag am Samstag in Schwerin. Dort steht das Thema Digitalisierung im Zentrum. Rund 160 Lehrer vor allem aus Mecklenburg-Vorpommern, aber auch aus anderen norddeutschen Bundesländern, haben sich dafür angemeldet, wie Blanck sagte.

Schulen können Technik nicht nutzen

Schulen bekämen internetfähige Schultafeln, ohne über schnelles Internet oder Wlan im Schulgebäude zu verfügen, berichtete er. Sie könnten die teure Technik dann gar nicht richtig nutzen. Wenn das Land sage, bis 2025 sollen alle Schulen schnelles Internet haben, dann sei das zu spät. „Wir brauchen das jetzt“, sagte Blanck. An manchen Schulen kauften Eltern ihren Kindern iPads für das digitale Arbeiten, aber das ziehe Datenschutz- und auch soziale Probleme nach sich. Nicht jeder könne sich ein solches Gerät leisten. Es müssten Klassensätze angeschafft werden, auch wegen der einheitlichen Wartung der Geräte.

Ein weiteres ungeklärtes Thema ist nach Blancks Worten die Forderung an die Schulen, Medienkonzepte zu entwerfen mit Ideen, was sie mit digitaler Technik im Unterricht machen wollen und was sie dafür benötigen. Dies sei Voraussetzung, um Geld aus dem Digitalpakt zu bekommen. „Doch wie sollen die Lehrer ein solches Konzept erstellen, wenn sie selber keine entsprechende Technik haben und sich nicht intensiv damit beschäftigen können?“ Die meisten Schulen statteten ihre Lehrer ja noch nicht einmal mit Dienst-Laptops aus, die sie aus Datenschutzgründen benötigten, wenn sie zu Hause Zeugnisse tippten.

Auch zur Vorbereitung von interaktivem Unterricht sei dienstliche Technik nötig.

Keine klare Linie und einheitlichen Vorgaben

Blanck vermisst eine klare Linie und einheitliche Vorgaben für die Medienkonzepte und die Anschaffung von Technik für den digitalen Unterricht. „Schön wäre es, wenn es eine Koordinierung gäbe, damit es nicht ein Sammelsurium unterschiedlicher Endgeräte und Lösungen gibt.“ Land und Schulträger müssten sich zusammensetzen.

Beim Norddeutschen Lehrertag schreitet der VBE zur Selbsthilfe.

Experten zeigen den Teilnehmern in Workshops, was alles mit digitaler Technik im Unterricht machbar ist. Die Themen reichen vom Lehren und Lernen mit Apps bis zum Unterrichten mit interaktiver Tafel und Tablets. Teilweise haben die Workshops exotisch klingende Titel wie „Quizzen mit Plickers und Kahoot“ oder „Flipped classroom - Videounterricht zu Hause, Hausaufgaben in der Schule“.

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