Historie : Die Hausmarke als uraltes Besitzzeichen

Hausmarken in Warnemünde um 1600
Hausmarken in Warnemünde um 1600

Vor allem Bauern kennzeichneten ihr Werkzeug, ihre Tiere und ihr Land.

prignitzer.de von
08. Dezember 2017, 00:00 Uhr

Hausmarken sind uralte Eigentumsmerkmale, die früher an beweglichen und unbeweglichen Geräten, an Haus und Hof und Vieh angebracht wurden.

Über dieses Zeichen berichtet schon der berühmte „Sachsenspiegel“, das Reichsrechtsbuch des Eike von Repgow, das zwischen 1220 und 1235 geschrieben wurde. Es handelt sich dabei um eines der ältesten Rechtsbücher des deutschen Mittelalters, das verschiedene damals herrschende Gewohnheitsrechte zusammenfasste. Darin wurde bereits die Hausmarke als Handgemal erwähnt. In Mecklenburg-Vorpommern wird über die Hausmarken bereits um 1550 berichtet, so 1530 auf Rügen, wo die Fischer ihre Netze, Reusen, Ruder und Boote mit den Marken versahen. Denn oft wurde gemeinschaftlich gefischt, und jeder wollte nach dem Fang sein vertrautes Handwerkszeug zurück haben.

Auch Bauern verwendeten vielfach die Hausmarken, zum Teil bis weit in das 20. Jahrhundert. Viele Besitzer schnitzten ihre Marke in den Torbalken des Hauses, zuweilen wurde diese auch in Ziegelsteine eingebrannt. Vor allem aber versahen die Besitzer das lebende und das tote Inventar auf dem Bauernhof mit ihren Zeichen, beispielsweise Ackergeräte wie Pflüge, Eggen, Walzen und Wagen, Spaten und Harke. Gekennzeichnet wurden Hausgeräte wie Butterfass, Eimer, Leiter, Forke, Wäscheklammer, Eisaxt und Windfahnen, ja, sogar Essbestecke. Letzteres war deshalb auch notwendig, weil bei großen Hochzeiten die Tisch- und Küchengeräte untereinander verliehen wurden. Viele Haustiere, vor allem die großen, wurden zum Träger der Marke ihres Eigentümers. Den Schafen zum Beispiel malte man mit Rötel oder Teer das Zeichen auf.

Die Marken wurden sogar an Grenzpfähle angebracht und hin und wieder in den Boden des Weidelandes, etwa einen Meter groß und so gut erkennbar, eingegraben. Bekannt ist ebenfalls aus Mecklenburg, dass die „Hausbackenbrote“, die zum Bäcker geschickt wurden, mit einer Marke versehen worden waren, so dass man nach dem Backen sein eigenes Brot erhielt.Als die Kunst des Schreibens und Lesens Verbreitung erlangte, verloren die Hausmarken ihre Bedeutung.

Hausmarken begegnen uns heute noch gelegentlich auf Friedhöfen, wie in Kloster auf der Insel Hiddensee. Hiddensee ist in Deutschland die Insel, wo die Hausmarken so vielgestaltig und in solcher Fülle vorhanden sind, wie wohl nirgends in Deutschland.

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