Geschichte Bad Kleinen : Ein Bad mit Eiertunnel

Der Namenszusatz „Bad“ geht auf die Wasserheilanstalt zurück, die 1895 in Kleinen eröffnet wurde.
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Der Namenszusatz „Bad“ geht auf die Wasserheilanstalt zurück, die 1895 in Kleinen eröffnet wurde.

Der Durchgang mit der besonderen Form entstand nach der Gründung der Wasserheilanstalt

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08. Dezember 2018, 00:00 Uhr

1895 wurde in Kleinen eine Wasserheilanstalt eröffnet. Deren Gründer, der Arzt Dr. Armin Steyerthal, setzte durch, dass Ort und Bahnhof ab 1915 den Namen „Bad Kleinen“ tragen durften.

Wer war dieser Doktor Steyerthal? Er wurde am 11. Dezember 1862 in Wirkensen bei Braunschweig geboren, studierte Medizin und fuhr viele Jahre als Schiffsarzt zur See. Danach praktizierte er in der Kleinstadt Brüel.

Steyerthal hatte die Vision einer heilgymnastischen Anstalt – und fand für diese in Kleinen sein Wunschobjekt. Den Plan einer Wasserheilanstalt hatte es hier schon früher gegeben und Großherzog Friedrich Franz II. hatte ihn 1862 durch eine Landübertragung unterstützt. Das Vorhaben war jedoch auch aufgrund fehlender Mittel gescheitert – und der halbfertige Bau verfallen. Steyerthal erkannte das Potenzial der unvergleichlich schönen Lage am Schweriner See und der Nähe zum Wald. Sein Optimismus und seine Zielstrebigkeit führten anfänglich zum Erfolg. Das Haupthaus an der Gallentiner Chaussee 7 wurde erneuert. Wasseranwendungen, Massagen und Bewegungstherapien führten zu Heilerfolgen, die weit über Mecklenburg hinaus bekannt wurden.

Der Eiertunnel ist heute technisches Denkmal.
Dietmar Unger
Der Eiertunnel ist heute technisches Denkmal.

Schon 1896 entstand unter den Bahngleisen ein röhrenförmiger Tunnel, vom Volksmund schnell als „Eiertunnel“ bezeichnet. Er sicherte den unmittelbaren Zugang von der Wasserheilanstalt zum See. Doch schon mit dem Ersten Weltkrieg und der sich anschließenden Wirtschaftskrise war die Blütezeit des Heilbadens in Kleinen vorbei – für Dr. Armin Steyerthal eine bittere Niederlage.

Als Zeichen seines Wirkens blieb allerdings der Name Bad Kleinen bis heute erhalten – und mit ihm der Eiertunnel. Er ist 27,2 Meter lang, 2,05 Meter hoch und 1,25 Meter breit. Seine Mauern sind 38 Zentimeter dick. Längst ist er ein technisches Denkmal und zwar eines mit regelmäßigen Besuchern – Fledermäusen gefällt die Unterführung sehr.

An dem Ausgang zur Seeseite steht ein Findling, der auf eine schöne Überlieferung hinweist: „Als der Eiertunnel als Teil der Kuranlagen in Bad Kleinen ganz neu war, soll sich ein junges Mädchen im Tunnel angstvoll an einen zufällig vorbeikommenden Mann geklammert haben, als es die donnernden Geräusche der fahrenden Züge über sich vernahm. Aus den beiden jungen Leuten wurde später ein glückliches Paar. Seitdem gibt es die Sage, dass Begegnungen dieser Art im Eiertunnel für glückliche Ehen garantieren. Dafür sollen die in den Ritzen und Nischen des Tunnels hausenden Echomännchen sorgen“.
 

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