Architekt Paul Korff : Gutshäuser aus dem Baukasten

Für den deutsch-russischen Geschäftsmann Wladimir Schmitz baute Paul Korff das Schloss Hasenwinkel.
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Für den deutsch-russischen Geschäftsmann Wladimir Schmitz baute Paul Korff das Schloss Hasenwinkel.

Mecklenburger Architekt Paul Korff hinterließ vielfältige Spur der Steine

prignitzer.de von
25. November 2017, 00:00 Uhr

Der 1875 in Laage geborene Architekt Paul Korff entfaltete zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine umfangreiche Tätigkeit in Mecklenburg, Pommern, Brandenburg, Ostpreußen, dem Baltikum, in Schlesien und dem Rheinland. Seine Spur der Steine widerspiegelt sich im Neubau von Schlössern wie Hasenwinkel in Nordwestmecklenburg oder Wendorf bei Parchim, die heute als Hotels genutzt werden, und im Um- und Ausbau von Guts- und Herrenhäusern wie in Peckatel zwischen Neustrelitz und Penzlin oder Lelkendorf vor den Toren Teterows.

Dort entstand nach seinen Entwürfen nicht nur die Ausflugsgaststätte Wendenkrug, sondern in den Heidbergen auch das 20 Meter hohe Ehrenmal für die 300 Gefallenen des Ersten Weltkrieges. Für Malchin und Tessin lieferte der Sohn eines Bauunternehmers die Rathäuser, für Güstrow die katholische Kirche Mariä Himmelfahrt, und in Schwerin baute er 1912 in der Schlossgartenallee eine Villa für Paul Siegfried. Vier Jahre später entwarf er für den Großherzog Friedrich Franz IV. Raumausstattungen für dessen Märchenschloss, nachdem er bereits Gardinengestänge für die Räume der Ludwigsluster Residenz geliefert hatte.

Das Ehrenmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges
Foto: Helmut Borth
Das Ehrenmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges

Bis hin zum Katen und Rinderstall mit von ihm entwickelten Selbsttränkanlagen, Getreidespeichern oder von ihm konzipierten Anlagen zur Grünfutterkonservierung reichten die Bauprojekte, die Paul Korff ab 1899 erst mit seinem Schwager Alfred Krause und ab 1908 in seinem Landbaubüro in Angriff nahm. Die enorme Vielzahl der Projekte konnte er nur bewältigen, weil er sich auf einen großen Mitarbeiterstab stützten konnte. Dies gilt besonders beim Blick auf die technischen Voraussetzungen der damaligen Zeit: eine begrenzte Anzahl von Telefonen, lange Fahrzeiten mit dem Zug oder dem Auto, viele unbefestigte Straßen. Der Chef gab nach Baustellenterminen neue Skizzen und Anweisungen per Post ins Büro, wo angestellte Architekten und technische Zeichner sie umsetzten.

Die Arbeitsteilung war aber nur ein Grund für den Erfolg des Baumeisters, der auch Möbel und Lampen entwarf und bei seinen Arbeiten ebenso das Neueste vom Neuen in Sachen Haustechnik berücksichtigte: Kühlsysteme, zentrale Staubsaugeranlagen, Handtuchwärmer. Der über die engen Grenzen seiner mecklenburgischen Heimat hinaus gefragte Architekt fühlte sich dem Fortschritt verpflichtet, was sich auch im Einsatz von modernen Baustoffen wie Stahlbeton im Wohnbau ausdrückte. Stilistisch knüpfte Korff erst an den Spätbarock des 18. Jahrhunderts an. Vor allem seine vor dem Ersten Weltkrieg errichteten Bauten besitzen einen hohen Wiedererkennungswert. Der resultiert nicht zuletzt aus einem „Baukastensystem“, dessen er sich vor allem bei seinen Gutshäusern bediente. Trotz seines „Corporate Designs“ schaffte er es, dass kein Haus dem anderen glich. Paul Korff wurde so zu dem Modearchitekten – nicht nur der mecklenburgischen Gutsbesitzer. Nach dem Ersten Weltkrieg wendete er sich dann dem Neuen Bauen und dem Expressionismus zu. Die Detailfülle seines Neobarocks und Jugendstils wich einer neuen Sachlichkeit.

In Hinblick auf die Auftragsbeschaffung kann Paul Korff durchaus auch als Marketinggenie bezeichnet werden. Er empfahl sich nicht nur früheren Kunden seines Vaters als Architekt oder verschickte umfangreiche Referenzlisten. Er wurde auch Mitglied verschiedenster Vereine, u.a. für Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde, der Deutschen Gartenstadtgesellschaft, der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft und des Heimatbunds Mecklenburg, wo er mit potenziellen Auftraggebern ins Gespräch kam.

Die katholische Kirche Güstrow, errichtet 1928
Foto: Helmut Borth
Die katholische Kirche Güstrow, errichtet 1928

Er selbst kurbelte die wirksame Mundpropaganda bei zufriedenen Kunden an: „Hochgeehrter Herr Haicke!“, schrieb er 1915 dem Verwalter von Boitzenburg in der Uckermark, „freundlichst möchte ich Sie heute um die Liebenswürdigkeit bitten, mich doch gelegentlich zu nachrichtigen, falls Sie in Ihrem sicher großen Bekanntenkreis hören, daß irgendwo in dortiger Gegend Bauten ausgeführt werden sollen.“

Und so liest sich sein Werkverzeichnis wie ein Who’s who der gehobenen Gesellschaft: Großherzog Friedrich Franz IV. von Mecklenburg-Schwerin, Henry Barens Sloman, Fürstlich Hatzfeldsche Rentei, Prinz Heinrich XVIII. Reuss, Graf von Bismarck-Bohlen, von Maltzahn, von Oertzen, von Schwerin, von Dewitz, von Bassewitz, von Winterfeld…

Paul Korff, der die mecklenburgische Architekturgeschichte des frühen 20. Jahrhunderts wesentlich beeinflusste, geriet, nicht zuletzt weil Gutshäuser in der DDR als Relikte einer überlebten Gesellschaft galten, in Vergessenheit – und wurde erst nach der Wende wieder entdeckt. Dass er nun einem breiten Publikum mit seinem Werk vorgestellt wird, ist Autoren wie Ulrike Volkhardt, Elke Onnen, Alexander Schacht oder Christel Sievert zu verdanken, die im Berliner Lukas-Verlag die Monographie „Paul Korff, Ein Architektenleben“ (ISBN978-3-86732-263-8) vorgelegt haben.

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