Schweriner Feuerwehr : Mit Löschdose und Minimax

Die alte Ansichtskarte zeigt ein Foto, das Fotograf Fritz Heuschkel nach dem Brand 1913 vom Goldenen Saal des Schlosses aufnahm.  Repro: Edition digital
Die alte Ansichtskarte zeigt ein Foto, das Fotograf Fritz Heuschkel nach dem Brand 1913 vom Goldenen Saal des Schlosses aufnahm. Repro: Edition digital

Im 19. Jahrhundert entstanden viele Mittel und Geräte zur Brandbekämpfung

prignitzer.de von
10. August 2018, 12:00 Uhr

Bis weit ins 19. Jahrhundert kann das Feuerlöschwesen der Stadt Schwerin als unzulänglich bezeichnet werden. Am guten Willen fehlt es keineswegs. Immer wieder werden neue Löschmittel und Geräte ausprobiert.

Im Herbst 1863 finden im Beisein mehrerer Magistratsmitglieder Versuche mit Bucherschen Feuerlöschdosen statt. Herr Direktor Bucher vertreibt die Dosen über die Königlich-sächsische Feuerlöschmittel-Anstalt. In einem eigens dafür errichteten Schuppen am Stadtrand wird Holz aufgeschichtet. Der Stapel wird mit Petroleum übergossen und angezündet. Die Löschdosen werden ins Feuer geworfen und explodieren. Die jetzt austretenden Gase sollen das Feuer ersticken. Erstickt wird aber nur der Glaube der Stadtvertreter an die Brauchbarkeit des Löschmittels. Auch zwei weitere Versuche mit größeren Dosierungen haben keinen Erfolg. Aber die Buchers sind umtriebige Unternehmer. In Stellvertretung ihres kranken Mannes wird Frau Direktor beim Großherzog vorstellig. Und da das Ehepaar anderweitig Protektion genießt, werden die Dosen in Schwerin eingeführt. Sogar die Kaiserliche Post schafft sich einige an. Kaum 20 Jahre später ist man zu der Einsicht gelangt, dass die Dosen unbrauchbar sind. Im Mai 1882 werden sie auf dem Exerzierplatz auf dem Großen Dreesch vernichtet.

Auch norddeutsche und einheimische Handwerker beteiligen sich an der Weiterentwicklung von Gerät und Material. Bei einer Löschprobe im August 1883 gelangt eine Schiebeleiter der Firma Witte zum Einsatz, die bis auf das Dach des Regierungsgebäudes hinaufreicht. 1868 entwickelt Maschinenbaumeister Schumacher in seiner Werkstatt am Louisenplatz eine Dampfspritze, die höchsten Ansprüchen genügt.

Nachrichten über entdeckte Brände verbreiten sich schnell und sorgen für Unruhe. Als im September 1886 die Tauglichkeit eines feuerfesten Anstriches auf dem Alten Garten erprobt wird, geraten Ausflügler auf dem nahen Kaninchenwerder beim Anblick des Feuerscheins in Unruhe und drängen auf den Heimweg. Auch an Schaulustigen fehlt es bei Bränden nicht. Um Gaffer fernzuhalten, wird in einer Feuerlöschordnung 1869 ausdrücklich darauf hin- gewiesen, dass unbefugte, unbrauchbare Personen, namentlich Frauen und Kinder, desgleichen Betrunkene und müßige Zuschauer bei keinem Feuer zu dulden sind. Bei umfänglichem oder lange währendem Feuer ist jede zur Hilfe fähige Mannsperson zur Hilfeleistung verpflichtet.

Dass die Auswahl nicht immer glücklich ist, lässt sich denken. So versuchen zwei besonders umtriebige Helfer sich beim Brand des Regierungsgebäudes 1865 hervorzutun, indem sie sich bemühen, einen schon leergeräumten Geldschrank aus dem zweiten Stock auf die Straße zu werfen. Als sie mit ihrem Vorhaben scheitern, werfen sie aus dem Fenster, was gerade greifbar ist. Dazu zählen zum Unglück eines unten auf der Straße stehenden Kameraden fünf Kilogramm schwere Eisengewichte. Er wird am Kopf getroffen, kommt aber mit dem Leben davon. Beim Brand der Brauerei auf Paulshöhe im April 1882 zeigen sich die freiwilligen Retter beim Bergen von Flaschen besonders eifrig. Natürlich nutzen sie die Gelegenheit, sich zu erfrischen. Versehentlich greift einer nach einer Salzsäure-Flasche und muss in ärztliche Behandlung.

Feuerwachen wie heute gibt es Mitte des 19. Jahrhunderts noch nicht. Eine elektrische Alarmglocke für Nachtwächter wird erst im November 1896 am Schulhaus in der Stiftstraße angebracht. Da es noch keine Rauchmelder gibt, werden Brände oft erst spät entdeckt. Einmal allerdings ist die Feuerwehr ganz schnell vor Ort. Als am 11. Januar 1881 kurz nach Mitternacht das zum Großen Moor 44 gehörige Hinterhaus in Flammen steht, feiert die städtische Feuerwehr gerade ihren Feuerwehrball im Wagnerschen Lokal, schräg gegenüber. Die Männer sind sofort zur Stelle, in welchem Zustand, lässt sich nur erahnen. Nach Heranholen der Spritze vom Marstall gelingt es ihnen aber binnen kurzer Zeit, den Brand zu löschen.

Und wer nicht auf die Hilfe anderer warten möchte, der hilft sich selbst. Bereits um die Mitte des 19. Jahrhunderts müssen alle Hausbesitzer lederne Löscheimer bereithalten und diese wie sonst zum Löschen dienliche Gerätschaften auf Verlangen hergeben. Die Technik schreitet auch hier rasant fort. Als im Februar 1914 am Burgsee moderne Handfeuerlöscher getestet werden, ist der Großherzog mit dem gesamten Hofstaat zugegen. Er hat Interesse an Löschübungen aller Art. Hat ihm doch vor wenigen Wochen ein Großfeuer Teile seines Schlosses verwüstet. Die Ergebnisse fallen unterschiedlich aus. Die Namen der Löscher wie Total oder Minimax lassen sich heute noch finden. Es sind die letzten Versuche dieser Art für lange Zeit, denn bald beginnt der erste Weltkrieg.

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