Schlosspark Ludwigslust : Park der Überraschungen

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Das Wasser wird bei den Kaskaden vor dem Schloss in Szene gesetzt.  Fotos: Grossert
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Das Wasser wird bei den Kaskaden vor dem Schloss in Szene gesetzt. Fotos: Grossert

Der Schlosspark Ludwigslust beeindruckt durch exotische Pflanzen, beschauliche Wasserspiele und wunderbare Sichtachsen

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27. Juli 2018, 05:00 Uhr

Er ist der größte Park des Landes und er ist voller Überraschungen: Bäume, an denen im Frühling große hellblaue Glocken hängen oder Baumblüten, die an Schneeglöckchen oder Tulpenkelche erinnern, lassen sich hier entdecken. Neben den exotischen Pflanzen versetzen beeindruckende Alleen, Wasserspiele, verschnörkelte Bauten und geniale Sichtachsen den Besucher immer wieder in Erstaunen.

Der Schlosspark Ludwigslust in seiner heutigen Form trägt die Handschrift mehrerer Baumeister, Gartenkünstler und Landschaftsarchitekten. Er wurde immer wieder umgestaltet und erweitert. Vor fast 300 Jahren ließ der damalige Prinz und spätere Herzog Christian Ludwig II. ein Jagdschloss im waldreichen Dorf Klenow bauen und hinter dem Gebäude einen kleinen Park anlegen. Dieser entsprach mit schnurgeraden Alleen, Rasenparterre, Hecken und kunstvoll geschnittenem Buchsbaum einer streng geometrischen Ornamentik und somit dem Zeitgeschmack des Barock. Ein Weg, der sich am Ende sternförmig verzweigt, führte in den Wald zu den Jagdgebieten.

Der Landesfürst muss sich hier sehr wohl gefühlt haben, denn 1754 veranlasste er die Umbenennung des Ortes in Ludwigs-Lust. Diese frühe Gestaltung prägte den Ludwigsluster Park. Sie war von der französischen Gartenkunst des 17. Jahrhunderts stark beeinflusst worden.

Der Nachfolger, Herzog Friedrich der Fromme von Mecklenburg-Schwerin, verlegte 1764 die Hofhaltung von Schwerin nach Ludwigslust. Unter Leitung des Hofbaumeisters Johann Joachim Busch entstanden ein neues Schloss und der Stadtkern von Ludwigslust. Der Herrscher verfügte den Bau des Großen Kanals. Der neue, 28 Kilometer lange Wasserweg, wurde in einer Bauzeit von vier Jahren mit dem Spaten ausgeschachtet.

Durch den Kanal fließt Wasser aus der Stör nach Ludwigslust, durchquert den Park und mündet in die Rögnitz. „Beim Bau des Kanals wurde das Nützliche mit dem Schönen verbunden. Nützlich war der Kanal als Transportweg für Materialien zum Bau des neuen Schlosses und der Stadt. Das Schöne: Im Park konnten Wasserspiele, die sogenannte Ludwigsluster Wasserkunst, angelegt werden“, erläutert Dietmar Braune, Dezernatsleiter Gärten im Dezernat Staatliche Schlösser, Gärten und Kunstsammlungen MV. „Wir haben in Ludwigslust vom Schlossplatz bis zu den 24 Wassersprüngen einen Höhenunterschied von 7,5 Metern. Die Wasserkunst sprudelt 365 Tage im Jahr.“

Den furiosen Auftakt bildet die rund 70 Meter breite „Große Kaskade“ mit anschließendem Bassin vor dem Schloss. Allegorische Figuren zweier Flussgötter empfangen das Wasser und verabschieden es in den Schlosspark. Die Idee der Inszenierung des Wassers kommt aus Frankreich. Bereits 100 Jahre vor dem Bau der Kaskade in Ludwigslust entwickelten dort Gartenarchitekten diese Gestaltungsform.

Im Schlosspark angekommen, lärmt und springt das Wasser unter der Steinernen Brücke hindurch, in romantischen Fontänen, um dann still und sanft in Richtung Rögnitz abzufließen. Dabei kommt das Wasser am Kaisersaal vorbei, einem Ort der Besinnung.

Auch die imposante, zwölf Meter breite Hofdamenallee gehört noch in die Epoche des Spätbarocks. Sie wurde 1787 fertig gestellt. Die Achse dieser schnurgeraden Allee weist exakt in Richtung Schwerin.

Mit der Übernahme der Regierung durch Friedrich Franz I. erfolgte die Umgestaltung des Parks nach dem Vorbild englischer Landschaftsgärten. Entsprechend dem Geist der Zeit bekam die Anlage durch den Bau der Grotte als Ruine und das Denkmal für Herzog Friedrich als Sinnbild der Vergänglichkeit eine neue Empfindsamkeit. Die jetzige Form des Parks mit genialen Sichtachsen, verbundenen Teichen, Wiesen und geschwungenen Wegen, unter Einbeziehung der alten Parkteile, entspricht den Gestaltungsideen des Gartenbaudirektors Peter Joseph Lenné aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Der Schlosspark Ludwigslust wurde in den vergangenen 20 Jahren aufwendig restauriert.

Die ersten Bäume, die im Schlosspark gepflanzt wurden, waren Rosskastanien. Mit der Umgestaltung durch Lenné kamen exotische Gewächse hinzu. Darunter sind Blutbuchen, Mammutbäume, Sumpfzypressen, die Virginia-Zaubernuss und ein Schneeglöckchenbaum.

Schön anzusehen sind auch der amerikanische Tulpen- und der Blauglockenbaum, die im ehemaligen Blumengarten der Herzogin Auguste, Gemahlin des Großherzogs Friedrich Franz III. stehen.

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