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Prinzessinnen aus Mecklenburg : Strelitzer Töchter unter der Krone

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Luise, Friederike, Sophie Charlotte: Prinzessinnen aus Mecklenburg auf europäischen Thronen

prignitzer.de von
erstellt am 13.Mai.2017 | 00:00 Uhr

Mädchen lieben Prinzessinnen. Schönheit, Märchenschloss und ein langes Kleid sowie die Aussicht auf einen Prinzen – das ist Stoff zum Träumen. Aber wie war es wirklich, Prinzessin zu sein? Das 3-Königinnen-Palais in Mirow gibt darüber Auskunft – am Beispiel der Prinzessinnen des Landesteils Mecklenburg-Strelitz, die als Königinnen „Karriere“ machten. Das „Welcome-Center“ vermittelt Wissenswertes über ein Fürstenhaus, aus dem drei Töchter auf europäischen Thronen saßen.

Die bekannteste von ihnen ist sicher Luise von Mecklenburg-Strelitz. „Es gibt richtige Luise-Fans“, weiß Mathias Schulz, der als Touristiker und Marketing-Verantwortlicher im 3-Königinnen-Palais arbeitet. Die Tochter des Strelitzer Herzogs Karl II. heiratete 1793 den preußischen Kronprinzen Friedrich Wilhelm (III.), an dessen Seite sie 1797 Königin von Preußen wurde. Sie ist die Mutter des ersten deutschen Kaisers Wilhelm I. und erwarb sich schon zu Lebzeiten den Titel „Königin der Herzen“. Luises Schwester Friederike wiederum wurde 1837 Königin von Hannover und ihre Tante Sophie Charlotte war an der Seite Georgs III. 57 Jahre lang englische Königin.

Mathias Schulz vor der Wand mit den „Familienfotos“: Wer per Lichtstrahl ein Bild auswählt, hört eine kurze Biographie.
Mathias Schulz vor der Wand mit den „Familienfotos“: Wer per Lichtstrahl ein Bild auswählt, hört eine kurze Biographie.
 

Eine Menge Stoff für eine Ausstellung. Viele Besucher kommen wegen Königin Luise – und sind nach dem Rundgang überrascht, dass es über Friederike und deren skandalumwittertes Leben und die kluge Sophie Charlotte mindestens genauso viel zu berichten gibt. Kinder können die Ausstellung mit einer speziell konzipierten Audio-Führung erobern und erfahren dabei, dass es nicht immer ein Zuckerschlecken war, Prinzessin zu sein.

Dafür ist Sophie Charlotte ein gutes Beispiel. Sie ist die Einzige der drei Damen, die in Mirow geboren wurde. Ihr Vater war Karl von Mecklenburg, auch „Prinz von Mirow“ genannt, ein jüngerer Halbbruder des in Mecklenburg-Strelitz regierenden Herzogs Adolf Friedrich III. Die Prinzessin verbrachte die ersten 17 Jahre ihres Lebens in Mirow und eine kurze Zeit in Neustrelitz – bis sie das beschauliche Landstädtchen gegen die Weltstadt London tauschte. Hier heiratete sie 1761 den sechs Jahre älteren König Georg. Dem vorausgegangen war die Suche des jungen Königs nach einer passenden Braut. Idealerweise sollte sie aus einem unbedeutenden Herrscherhaus kommen, um keine Bündnisfragen aufzuwerfen – und natürlich protestantisch sein. Die Kunsthistorikerin Friederike Drinkuth erwähnt in ihrem Buch „Königin Charlotte“ ein Zitat des englischen Lords Walpole, der seine Verwunderung über die Wahl so ausdrückte: „Das Taschentuch ist sehr weit geworfen worden, zu Füßen einer Charlotte, Prinzessin von Mecklenburg. Lord Harcourt soll am 1. August am Hofe ihres Vaters erscheinen, falls er ihn bis dahin gefunden hat.“

Sicher auch eine Anspielung an die ländliche geprägte Hofhaltung der „Mirokesen“, über die schon der spätere Friedrich II. in Briefen an seinen Vater lästerte. Allerdings war Karl zum Zeitpunkt der Brautwerbung Georgs III. nicht mehr am Leben und die todkranke Mutter der Auserwählten, Elisabeth Albertine, musste die Verhandlungen abwickeln. Erfolgreich: Im August 1761 machte sich die junge Prinzessin auf nach London, um Georg III. zu heiraten, am 22. September wurde sie an seiner Seite Queen Charlotte von Großbritannien. Im 3-Königinnen-Palais erfahren Besucher, dass die 17-Jährige auf der Fahrt über den Ärmelkanal die ersten Wörter Englisch und den Text der Nationalhymne lernte, später als zurückhaltende Königin ihrem Mann den Rücken stärkte, 15 Kinder gebar und dennoch eigene Interessen verfolgte. Sie widmete sich der Botanik – einer Leidenschaft, die vermutlich schon während ihrer Kindheit durch den Gelehrten Gottlob Burchard Genzmer entwickelt wurde, der zum Erzieher der fürstlichen Kinder nach Mirow berufen worden war. Seit 1773 zu Ehren der Königin eine neue entdeckte Pflanzenart die Bezeichnung „Strelitzia reginae“ – Strelitzie der Königin – erhielt, ist der Name ihrer abgeschiedenen Heimat weltweit bekannt.

Luise von Mecklenburg-Strelitz war im Gegensatz zu ihrer Tante Sophie Charlotte kein langes Leben vergönnt. Nachdem sie 1810 in Hohenzieritz erst 34-jährig gestorben war, entwickelte sich um ihre Person ein Mythos, der sich aus verschiedenen Motiven speiste. „Ich denke, dass das Emotionale den Charme Luises ausgemacht hat“, sagt Mathias Schulz. Dazu kamen Schönheit und Anmut, die schon in der Wendezeit zum 19. Jahrhundert zum Ruhm einer Königin beitrugen.

Von der Schönheit Luises können sich Besucher in der Ausstellung anhand von Reproduktionen bekannter Gemälde überzeugen. Die „Familienfotowand“ ist weit gefasst und übermittelt neben Protagonisten des Fürstenhauses auch einen Überblick zu weiteren Prominenten der Region – darunter Hans Fallada, Heinrich Schliemann und Fritz Reuter. Letztgenannter sorgte auch dafür, dass Herzog Adolf Friedrich IV. – Bruder Sophie Charlottes und Onkel Luises – zu literarischer Berühmtheit kam. Er ist „Dörchläuchting“, die Titelfigur einer Reuterschen Humoreske. Und im 3-Königinnen-Palais erfahren Besucher, dass er große Angst vor Gewittern hatte.
 

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