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10. Cartoonair in Prerow : Meisterwerke des schwarzen Humors

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Die 10. Cartoonair zeigt in Prerow neue Meisterwerke des schwarzen Humors

prignitzer.de von
erstellt am 19.Jun.2017 | 12:00 Uhr

Es sind nur wenige schwarze Striche auf weißem Untergrund: ein Mann, Bier trinkend, vor sich einen Aschenbecher, grübelt: „Sobald es intelligente Autos gibt, wird mich Claudia verlassen.“

Für Wolfgang Kleinert von der Berliner Cartoonfabrik ist die Karikatur von Hauck & Bauer ein ganz heißer Kandidat für den Publikumspreis der diesjährigen Cartoonair am Meer, die gestern in Prerow auf dem Darß eröffnet wurde. Bis zum 17. September sind täglich zwischen 11 und 19 Uhr im Garten des Kulturkatens „Kiek In“ mehr als 200 aufs Papier gebrachte Meisterwerke des schwarzen Humors zu sehen. 60 der besten Cartoonisten Deutschlands und Österreichs beteiligen sich an dem deutschlandweit einmaligen Karikaturen-Freiluftfestival mit umfangreichem Rahmenprogramm, das in diesem Jahr bereits seine zehnte Auflage erlebt.

„Mein Favorit hat in allen Jahren Cartoonair allerdings noch nie gewonnen“, gibt Festivalmacher Kleinert zu. Schon seit Anfang der 90er Jahre hat er sich zusammen mit der Cartoonfabrik auf die Fahnen geschrieben, den gezeichneten Witzen zu mehr Öffentlichkeit zu verhelfen. Publikationen und Ausstellungen des Vereins beschränkten sich anfangs auf die Hauptstadt, „aber 2007 machten wir Urlaub in Prerow an der Ostsee, und da kam uns die Idee, eine Ausstellung dort zu machen, wo die Leute sowieso sind.“

Der Begriff Karikatur geht auf das lateinische Wort carrus  zurück. Es bedeutet Karren, was gleichzusetzen ist mit Überladung. Gleiche Bedeutung hat das  italienische Wort „Caricatura“ – ins Deutsche übersetzt  „Übertreibung“ – es wurde für die Malerei verwendet. Im 18. Jahrhundert wurde es in die deutsche Sprache übernommen und galt als Ersatz für Spottbild sowie Zerrbild.

Anfangs, so erinnert sich Wolfgang Kleinert, hätten viele Leute gar nicht gewusst, was Cartoons sind. „Und ich wollte es nicht glauben, aber es gab Leute, die Uli Stein nicht kannten.“ Dazu kam, dass der erste Standort für die Karikaturen-Schau unter freiem Himmel in Prerow nicht optimal gewählt war. „Direkt an der Seebrücke – das klingt erst mal gut, aber tatsächlich gehen da doch vor allem die Leute an den Strand, die nur in der Sonne braten wollen und höchstens aufstehen, um sich vom nächstgelegenen Stand eine Bratwurst zu holen“, sieht Kleinert das ganz realistisch.

Der Umzug in den Garten des Kulturkatens dagegen erwies sich als Glücksgriff. In einzelnen Jahren sahen sich dort bis zu 18 000 Menschen die licht- und wetterfesten Drucke an. Insgesamt kamen im Laufe der Jahre fast 150 000 Cartoonair-Besucher – „immer auch ein bisschen abhängig vom Wetter“, so Kleinert.

Jährlich steht die Schau unter einem anderen Motto. Es waren schon reizende, wilde, packende, harte, coole, heile und fitte Bilder zu sehen. Im Jubiläumsjahr kehren die Ausstellungsmacher jetzt zu dem Motto zurück, mit dem die Erfolgsgeschichte ihres Freiluftfestivals begann: Fiese Bilder. In der aktuellen Ausstellung finden sich selbstmordende Autos, Eventsterbehelfer, schießwütige AfD-Grenzwächter, Pannen bei Raucherhinrichtungen, kreative Arschgeweihe und Tatortzeichner, Gesäßamputationen, Tattoos für Melancholiker, Elefantenmenschen, Rinderschänder, üble Scherze unter Taliban und vieles mehr. „Nichts ist heilig, keine Katastrophen, Krankheiten, Massaker, schon gar nicht der Tod“, sagt Wolfgang Kleinert –„denn die Welt ist nun einmal fies.“ Nur wer Minderheiten diskriminiere oder rassistische Inhalte transportiere, hätte auf der Cartoonair nichts zu suchen.

Steht das Motto für die nächste Ausstellung, können sich Interessenten mit bis zu 20 eigenen Arbeiten bewerben – mit bereits veröffentlichten, aber auch mit neuen, eigens für diese Cartoonair geschaffenen. Aus den rund 1500 eingereichten Zeichnungen würden dann 250 ausgewählt, die anschließend auch in Buchform herausgebracht werden. „Das ist nicht so einfach, weil wir jedes Jahr so einen Sampler herausgeben, dabei aber kein Cartoon doppelt erscheinen soll“, erklärt der Ausstellungsmacher.

Das Gros der Zeichner – nach Kleinerts Schätzung 80 Prozent – ist von Anfang an in Prerow mit dabei. Und das mit Spaß nicht nur am Abschlusswochenende, wenn gemeinsam gezeichnet, mit dem Publikum gefeiert und der Publikumspreisträger gekürt wird. In diesem Jahr gibt es erstmals auch Cartoonisten vom Dienst, die für jeweils eine Woche – Katharina Greve und Miriam Wurster vom 17. bis 14. Juni, Michael Holtschulte vom 16. bis 23. Juli und Rattelschneck vom 9. bis 16. August – vor Ort sein werden. Sie kassieren dann Eintritt, verkaufen Bücher und Postkarten und bieten Workshops für all jene an, die sich selbst einmal an einer Karikatur ausprobieren wollen.

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