Kleiner Waffenschein : Minister besorgt: Bürger rüsten auf

Das Muster des  Kleinen Waffenscheins, Schreckschusswaffen mit Munition.
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Das Muster des Kleinen Waffenscheins, Schreckschusswaffen mit Munition.

Zahl der Kleinen Waffenscheine steigt in MV rasant. Caffier: Schreckschusswaffen bieten keinen Schutz

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11. Januar 2018, 20:55 Uhr

Mecklenburger und Vorpommern rüsten mit Gas- und Schreckschusspistolen auf. Aktuell besitzen 8540 Menschen im Land den Kleinen Waffenschein, der zum Führen dieser Pistolen in der Öffentlichkeit berechtigt, teilte das Innenministerium auf Nachfrage mit. Damit hat sich die Zahl der Besitzer innerhalb von zwei Jahren mehr als verdoppelt. Im Januar 2016 gab es noch 3768 Inhaber eines Kleinen Waffenscheins, 2015 waren es 3620.

Im Innenministerium ist man besorgt. „Schreckschusswaffen bieten keinen wirkungsvollen Schutz gegen mögliche Angriffe, sondern tragen in Konfliktsituationen nur zur Eskalation und Selbstjustiz bei“, warnte Innenminister Lorenz Caffier (CDU). Die Wirkung dieser Waffen sei zudem unkalkulierbar. Schüsse können zu schwersten Verletzungen führen. In Anklam war im Dezember 2015 ein Mann gestorben, nachdem aus nächster Nähe mit einer Schreckschusspistole mehrfach auf ihn geschossen worden war.

Eine deutliche Zunahme bei den Kleinen Waffenscheinen, die auch bundesweit beobachtet wird, führen Experten auf das gesunkene Sicherheitsgefühl der Bürger zurück. Die Übergriffe in der Silvesternacht in Köln 2015/16 und vor allem die gestiegene Terrorgefahr seien die Auslöser.

Caffier: „Angesichts der aktuellen sicherheitspolitischen Herausforderungen gibt es sicher vieles, was wir brauchen. Aber eine Bewaffnung der Bevölkerung brauchen wir nicht.“

Auch auf Seiten der Polizei gibt es Bedenken. „Das Gewaltmonopol darf nicht aus der Hand gegeben werden“, sagte der Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Christian Schumacher. Es sei die Aufgabe des Staates, die Sicherheit der Bürger sicherzustellen und dazu gebe es die Polizei. Wenn das Vertrauen von Bürgern in die staatliche Ordnung sinkt, müsse die Politik dies ernst nehmen. Nur mit einer starken Landespolizei könne Vertrauen gewonnen werden. Jahrelang sei die Polizei im Land allerdings durch Stellenabbau geschwächt worden.

Der Weg zum Kleinen Waffenschein ist einfach: Der Bewerber muss lediglich einen Antrag bei der zuständigen Behörde des Landkreises ausfüllen und volljährig sein. Für den bloßen Erwerb von Schreckschusswaffen im Handel braucht man keinen Schein. Solange die Waffe nur zu Hause aufbewahrt wird, muss sie nicht registriert werden.

Die Landesregierung im Nachbarland Schleswig-Holstein hat in dieser Woche eine Änderung des Waffenrechts und Zuverlässigkeitsprüfungen beim Kleinen Waffenschein gefordert. Dort hatte ein psychisch kranker Mann Silvester in Wahlstedt (Kreis Segeberg) mit einer Schreckschusspistole auf Polizeibeamte geschossen. Die gingen von einer echten Waffe aus und schossen dem Angreifer mehrfach in die Beine.

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