Drehort Gespensterwald : MV wird als Filmland immer attraktiver

<p>Drehten in MV: Charly Hübner, Felicitas Woll und Katrin Sass (v.l.)</p>

Drehten in MV: Charly Hübner, Felicitas Woll und Katrin Sass (v.l.)

Filmförderung im Land soll neu organisiert werden

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23. Januar 2018, 05:00 Uhr

Das Schweriner Schloss ist nicht explodiert. In der Kinokomödie „Kingsman – The Golden Circle“ diente das Märchenschloss als Kulisse für das schwedische Königshaus und könnte diese Rolle nun auch in der Fortsetzung übernehmen. So würde der Ruf Mecklenburg-Vorpommerns erneut in alle Welt getragen.

Denn die Ostseeinseln, die Gutshäuser, Seen und alten Städte werden bei Filmemachern immer beliebter. 20 abendfüllende Fernseh- und Kinofilme wurden im Jahr 2017 in MV gedreht. Das waren 243 Drehtage, wie Antje Naß und Marco Voß von der Film Commission MV registrierten. Dieser kostenlose Dienstleister für die Filmbranche hilft u. a. bei der Motivsuche und kümmert sich um Drehgenehmigungen, Statisten und technisches Personal, um so das Filmland MV noch populärer zu machen. In der Datenbank der Film Commission MV können Filmemacher 500 Drehorte finden – vom Reethaus auf Rügen bis zum Gespensterwald Nienhagen.

2017 wurden bei Dreharbeiten im Land geschätzte 1 371 500 Euro für Hotels, Komparsen, Einkäufe oder Drehgenehmigungen ausgegeben.

 

Besonders beliebt ist MV bei Krimi-Produzenten. So erhöhte das ZDF die erfolgreiche TV-Serie „Soko Wismar“ von 25 auf 30 Folgen pro Jahr. In Stralsund, Rostock und auf Usedom werden weiterhin die Publikumserfolge „Stralsund“, „Polizeiruf 110“ sowie der „Usedom-Krimi“ gedreht. Mit Drehorten rund um Lassan (Vorpommern-Greifswald) und auf Usedom gelang es, zwei aufwendige TV-Filme ins Land zu holen: „Teufelsmoor“ und den Sat.1-Thriller „Das Nebel- haus“.

Von der neuen ZDF-Reihe „Ella Schön“ mit Anette Frier wurden im Sommer auf dem Darß zwei Pilotfilme gedreht, die der Region neben dem Imagegewinn zusätzliche Einnahmen von mindestens 120 000 Euro bescherten.

Um Gewinne dieser Art zu steigern, die einheimische Filmbanche zu unterstützen, junge Filmemacher im Land zu halten und nach und nach eigene Produktionskapazitäten aufbauen, die auch auswärtige Filmteams nutzen könnten, wurde die Filmförderung mit dem Beginn der Legislaturperiode in der Staatskanzlei zusammengeführt. „Mit Beteiligten der Filmbranche in MV wird derzeit über eine Neustrukturierung der Filmförderung gesprochen, um zusätzlich die Kategorie der Produktionsförderung einzuführen“, so Andreas Timm, Pressesprecher der Staatskanzlei. Auch NDR und ZDF sollen mit ins Boot geholt werden. Branchenvertreter wie der Produzent Roland Possehl, Vorstand des Berufsverbandes der Film- und Medienproduzenten des Landes, kritisieren, dass es keine wirtschaftliche Filmförderinstitution wie in anderen Bundesländern gibt. 

Kommentar “Kulissen und Festivals“ von Holger Kankel

Ist Mecklenburg-Vorpommern ein Filmland, wie es Politiker immer mal wieder ausrufen?

Zumindest Filmemacher lieben unser Land mit seinen unverbrauchten Kulissen zwischen Ostsee und Seenplatte. Den Psycho-Thriller „Teufelsmoor“, gedreht in Lassan und Anklam, sahen am vergangenen Mittwoch im Ersten fünf Millionen Zuschauer – beste Werbung auch für den Tourismus am Peenestrom. TV-Filme wie „Stralsund“, „Polizeiruf 110“ oder die Usedom-Krimis mit Katrin Sass sind zuverlässig Publikumserfolge. Leider fehlt dem Land eine so große Produktion wie die TV-Serie „Rote Rosen“ in Lüneburg, wo ganzjährig gedreht wird.

Auch unsere Festivalszene kann sich sehen lassen: Zum Filmkunstfest MV, der dokumentART Neubrandenburg, dem FiSH-Filmfestival Rostock oder dem Darßer NaturfilmFestival sowie den vielen kleinen Filmfesten kommen Jahr für Jahr Tausende Kinofreunde und auch Prominente. Mit dem Rügen International Film Festival gab es 2017 sogar eine hochkarätige Neugründung.

Und mit beliebten Schauspielern wie Hinnerk Schönemann oder Charly Hübner leben nicht zuletzt erfolgreiche Filmkünstler im Land selbst.

Doch reicht das schon? Nein, sagt zum Beispiel der Leiter des Filmkunstfestes MV, Volker Kufahl. Die Liste der Standortnachteile sei lang: „schwierige Bedingungen für die Filmwirtschaft, wenige Dienstleister, fehlende Anreize durch Filmförderung“. Das Zukunftspotenzial der Branche werde noch nicht gesehen.

Wenigstens wurde jetzt die Filmförderung in der Staatskanzlei gebündelt. Wenn nun zu den 215 000 Euro kultureller Filmförderung, die in den vergangenen Jahren viele Produktionen erfolgreich auf den Weg gebracht hat, endlich eine kulturwirtschaftliche Filmförderung mit einer mehr als symbolischen Summe hinzukäme, wäre das ein großer Schritt in Richtung kleines Filmland.







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