Verdi : Pflegekräfte im Land stark unterbezahlt

Pflegt man Angehörige zu Hause oder werden sie besser im Heim betreut? Für viele Schweriner eine Gewissensfrage. Im Stadthaus gibt es Rat im Pflegestützpunkt.
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Mitarbeiter verdienen oft deutlich weniger als im Bundesdurchschnitt

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12. Januar 2018, 05:00 Uhr

Viele Pflegekräfte in Mecklenburg-Vorpommern werden deutlich schlechter bezahlt als ihre Kollegen vor allem in den westdeutschen Bundesländern. Nach Berechnungen der Gewerkschaft Verdi fehlen den Arbeitnehmern im Nordosten im Vergleich zum bundesdeutschen Mittel im Schnitt zwischen 800 und 1000 Euro Bruttolohn im Monat. „Nettolöhne von 1000 Euro sind hier keine Seltenheit“, sagt Steffen Kühhirt, Fachbereichsleiter Gesundheit und Pflege beim Verdi-Landesbezirk Nord.

Das Problem aus Sicht der Gewerkschaft: Viele Unternehmen und Träger in der Pflegebranche von MV sind nicht tarifgebunden. Dadurch mangele es oft an vertraglichen Regelungen zugunsten der Arbeitnehmer. So würden Feiertags- oder Wochenendzuschläge häufig nicht oder nur in geringem Umfang gezahlt – ebenso wenig wie ein Überstundenausgleich für die Mehrarbeit, die sich häufig aus dem Personalmangel ergebe. „Dadurch verdienen die Pflegekräfte hierzulande nicht nur weniger als im bundesdeutschen Durchschnitt, sondern arbeiten auch noch mehr für weniger Geld“, bringt Kühhirt die Misere auf den Punkt.

Das bestätigt auch die Mitarbeiterin eines Pflegeheims in Mecklenburg-Vorpommern, die anonym bleiben möchte. So bekomme sie beispielsweise auch keinen Ausgleich, wenn ihr im Monat Geld fehle, weil sie an Feiertagen nicht zum Dienst eingeteilt wurde. Sie wisse aber, dass dies bei Arbeitgebern in anderen Bundesländern durchaus anders geregelt werde.

Dass die Arbeit in der Pflege schlecht entlohnt wird, ist den Wohlfahrtsverbänden im Land bewusst. Viele von ihnen gehören zu den Arbeitgebern in der Pflege. Man könne jedoch nur dann mehr bezahlen, wenn die kommunalen Sozialverbände, Kassen und Rentenversicherungsträger ihrerseits mehr Geld geben würden, sagt beispielsweise Kerstin Liebich, Geschäftsführerin der Volkssolidarität in Mecklenburg-Vorpommern.

In der Landesregierung ist das Problem angekommen. „Der Mindestlohn in der Pflege im Osten muss dringend an den Mindestlohn West von künftig 10,55 Euro angepasst werden“, hatte Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) erst kürzlich im Interview mit unserer Zeitung gefordert. Auch Landessozialministerin Stefanie Drese (SPD) hatte angesichts der jüngsten Protestaktionen von Verdi wegen der prekären Arbeitsbedingungen in der Pflege betont, dass unterschiedliche Löhne in der Pflege fast 30 Jahre nach der Einheit nicht mehr vermittelbar seien. Landesgesundheitsminister Harry Glawe (CDU) plädiert zudem für eine Standardisierung der Ausbildungsinhalte.

Aus Sicht von Verdi sind dies zwar alles Schritte in die richtige Richtung. Wenn sich Mecklenburg-Vorpommern als Gesundheitsland verstehe, müsse dringend etwas für eine der größten Beschäftigungsgruppen im Land getan werden. „Die Arbeitgeber müssen jedoch mitziehen, sonst werden sie schlichtweg keine Mitarbeiter mehr finden“, prognostiziert Steffen Kühhirt.

Tatsächlich hat sich die Zahl der Pflegebedürftigen in MV nach statistischen Angaben zwischen 2011 und 2015 von 67 600 auf 79 100 erhöht. Laut einer Prognose der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder werden im Jahr 2030 voraussichtlich bis zu 93 000 Menschen im Nordosten von Pflegebedürftigkeit betroffen sein.

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