Rostocker Illustratorin : „Zart und rosa kann ich nicht“

Am liebsten zeichnet Tine Schulz immer noch mit Feder und Tinte.
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Am liebsten zeichnet Tine Schulz immer noch mit Feder und Tinte.

Über die Illustrationen der Rostockerin Tine Schulz lachen Kinder und Eltern in ganz Deutschland

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14. Januar 2018, 05:00 Uhr

Grün, wild, so gar nicht kuschelig und außerdem ein Pyromane – der kleine Drache hat es nicht leicht. Während Hund und Katz von ihren neuen Herrchen abgeholt werden, muss er sein Dasein im Tierheim fristen. Mit verschränkten Armen sitzt er auf dem Boden und schmollt.

„Er ist einer meiner Lieblingsfiguren“, sagt Tine Schulz grinsend. Die Pommerin ist quasi die Mutter des hitzigen Drachens. Mit Feder und Tinte haucht sie dem Helden aus dem Werk „Zuhause gesucht“, das demnächst bei der Verlagsgruppe Beltz erscheinen soll, Leben ein. Es ist Kinderbuch Nummer 14, das die 36-Jährige illustriert.

Ganz versteckt in der hintersten Ecke einer alten Industrieanlage in Rostock, hinter Pfützen und einer Metalltür, verbirgt sich Tine Schulz’ Atelier. Mit ihrem kleinen Mischlingshund Flippi in der einen und einer Thermoskanne in der anderen Hand erklimmt die Künstlerin die schmale Treppe zu ihrem Arbeitsplatz. Hier, an ihrem großen Schreibtisch, hat sie bereits die orangehaarige Wilma Wackelzahn, den wilden Engel Gabriel oder eben den kleinen Drachen erschaffen. Die Helden vieler Kinderherzen. „Ich zeichne am liebsten mit der Feder. Am Grafiktablet geht das nicht so gut“, meint Schulz.

Kinderbuchillustratorin – der Berufswunsch war immer da in ihrem Hinterkopf. Nach dem Abitur in Anklam lernte sie Mediengestalterin, arbeitete anschließend für klassische Printprodukte. „Doch irgendwas fehlte immer“, meint sie. Mit 25 Jahren beschloss sie, noch einmal die Schulbank zu drücken und studierte in Wismar Kommunikationsdesign. Danach verschickte sie ihre Werke an Verlage. „Das erste Dreivierteljahr kam keine Antwort“, erinnert sich die Grafikern. Doch dann der Durchbruch: Der Klett-Verlag suchte einen Illustrator für das Kinderbuch „Alle da“ über Migration und die Gründe, warum Kinder flüchten. Das war 2014. Schulz bekam den Auftrag.

„Das Thema war sehr anspruchsvoll, und gerade beim ersten Buch will man ja alles richtig machen“, sagt sie. Das Werk mit ihren Zeichnungen wurde inzwischen in acht Sprachen übersetzt. Seitdem bekommt sie Anfragen von den verschiedensten Verlagen. Ihre Kunden kommen aus Hamburg, Leipzig, München, der Schweiz... Überall lachen Kinder und Erwachsene über die Figuren der Pommerin.

Papiere mit Skizzen stapeln sich auf einer Ablage. Oft verbringt Schulz Stunden tief über ein Blatt Papier gebeugt, mit klassischer Musik im Ohr. Ihre Zeichnungen sind mal frech und wild, mal zornig, mal schüchtern, mal süß und meistens quietschbunt. Nur zart und rosa könne sie nicht, meint Schulz. Dafür aber vieles andere: Nachdem vor zwei Jahren Sturm „Xavier“ durch Binz auf Rügen fegte, mussten alle Strandschilder erneuert werden. Seit Kurzem zieren Schulz’ Zeichnungen auch hier die neuen Aufsteller am Wegesrand.

Doch die Künstlerin ist längst nicht die einzige Grafikerin im Land. Auf ihrem Blog „it’s windy cindy“ bietet sie Illustratorinnen aus Norddeutschland eine Plattform, um Werke vorzustellen, Ausstellungen zu organisieren und sich zu vernetzen. Um ein bisschen frischen Wind an die Ostsee zu bringen, wie sie mit einem Augenzwinkern meint. Bisher sind 15 Künstlerinnen auf dem Blog vertreten. Die meisten kommen aus MV. „Es gibt hier so viele Leute, die sind wahnsinnig gut. Man muss sie nur finden“, meint Schulz. „Regelmäßige Ausstellungen und Veröffentlichungen zu machen, ist hier nicht so einfach“, daher sei es wichtig, zusammenzuarbeiten.

Um die Idee hinter „it’s windy cindy“ voranzutreiben, plant die Künstlerin in Rostock eine Galerie zu eröffnen. Auf gerade einmal 13 Quadratmetern will sie schon ab Frühjahr kleine Ausstellungen konzipieren. Mehr verrät sie noch nicht. Nur so viel: „Dieses Jahr feiert Rostock ja sein 800-jähriges Bestehen.“

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