Geschichte : Linke kritisiert Pflege von Kriegsgrab mit KZ-Kommandanten

Jedes Jahr wird im November der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft gedacht. In den Gräbern, an denen das Gedenken stattfindet, liegen aber nicht nur Opfer, sondern auch Täter. In Hamburg findet sich der Name eines KZ-Kommandanten an einem Kriegsgrab.

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16. November 2019, 08:18 Uhr

Die staatliche Grabpflege für einen ehemaligen KZ-Kommandanten auf dem Ohlsdorfer Friedhof stößt bei der Linken in der Hamburgischen Bürgerschaft auf Kritik. Auf eine Kleine Anfrage der Abgeordneten Christiane Schneider erklärte der Senat, dass der SS-Offizier Hermann Baranowski nach seinem Tod 1940 eingeäschert und in einem Familiengrab bestattet worden sei. Später sei seine Urne in ein Kriegsgrab umgebettet worden.

Der 1884 in Schwerin geborene Baranowski war erst Kommandant des Konzentrationslagers Dachau, dann des Lagers Sachsenhausen bei Oranienburg (Brandenburg). Er starb eines natürlichen Todes. «Warum gilt dieser Mann, der für Leid und Tod unzähliger Menschen (...) verantwortlich ist, offiziell immer noch als «Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft» im Sinne des Gräbergesetzes?», fragte der Sprecher der Linksfraktion, Florian Kaiser. Er fügte hinzu: «Wir sind der Meinung, es darf keinen einzigen weiteren Cent Steuergeld für die Grabpflege dieses NS-Verbrechers geben.»

Nach dem Kriegsgräbergesetz von 1952 konnten die Hinterbliebenen von Soldaten die dauerhafte Pflege aus Bundesmitteln beantragen. Voraussetzung dafür war die Umbettung in ein Kriegsgrab, um eine praktikable Pflege zu ermöglichen, wie Friedhofsprecher Lutz Rehkopf erläuterte. Bis in die 60er Jahre habe man nicht zwischen Tätern und Opfern unterschieden. Darum gebe es in Ohlsdorf Kriegsgräber, in denen Soldaten und zivile Bombenopfer, aber auch SS-Leute und Gefangene aus dem KZ Neuengamme liegen. Eine nachträgliche Trennung der Toten sei praktisch nicht mehr möglich, weil Jahrzehnte später keine Überreste vorhanden seien.

Eine Initiative, an der die Friedhofsverwaltung beteiligt ist, bemüht sich um die Aufarbeitung und plant Informationstafeln. Ein Flyer zu dem Thema wird auf dem Friedhof bereits angeboten. In Hamburg sind laut Senat 56 578 Tote als Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft beigesetzt worden, die allermeisten von ihnen in Ohlsdorf.

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